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Wermelskirchen: Jochen Malmsheimer gastierte in der Kattwinkelschen Fabrik.

Kabarett in der Katt : Turmhohe Wortkathedralen nach Malmsheimers Art

Jochen Malmsheimer begeisterte mit seinen köstlich-amüsanten Betrachtungen der Welt und ihrer Bewohner die Besucher in der Kattwinkelschen Fabrik.

Der Kontrast zwischen der burschikosen, beinahe holzfällerhaften Optik und der fein ziselierten und kunstvollen Wortverdreherkunst des Jochen Malmsheimer könnte kaum größer sein. Der regelmäßige und gern gesehene Gast in der Kattwinkelschen Fabrik erfreute am Donnerstagabend im rot-schwarz-karierten Flanellhemd im voll besetzten kleinen Saal zum wiederholten Mal sein Publikum mit absurden und köstlich-amüsanten Betrachtungen der Welt und ihrer Bewohner und deren Eigenheiten. „Wer nennt denn einen Fluß Brenz?“, fragte er etwa. Und hatte ansonsten gut zwei Stunden ganz offensichtlich große Lust am doppeldeutigen Schwadronieren.

Eine Tätigkeit, bei der er jedoch nicht so gerne unterbrochen wurde. Sein geplärrtes und charakteristisches „Bitte!“ bei sich anbahnendem Zwischenapplaus sorgte als Running Gag ja schon seit Jahren für großes Gelächter. Aber auch ausführlich funktionierte es: „Zähmen Sie sich, es kommt noch was. Kann ich vielleicht mal bitte meinen Gedanken zu Ende denken? Wenn es Sie drängt, dann setzen Sie sich auf Ihre Hände. Das hat dann zwei wunderbare Effekte – zum einen wäre es ruhiger hier und zum anderen würde Ihnen mal wieder jemand an den Arsch packen.“ Solchermaßen zurechtgewiesen, lachte es sich natürlich gleich nochmal so gut.

Malmsheimer entwickelte in gewohnter Manier grandios-absurde Szenarien aus Alltagssituationen und türmte sie zu Wortkathedralen auf. Wenn etwa aus einer Fahrt mit der Frau im Reisebus nach Italien eine Begegnung mit Long John Silver und seinem akkurat ausgerichteten Holzbein sowie Robin Hood, Captain Ahab, Odysseus, den Drillingen Winneone, Winnetou und Winnethree, Wilhelm Tell, Lederstrumpf und dem Ritter Ivanhoe wurde – alllesamt putzmuntere Kindheitshelden. Apropos Long John Silver. Der Pirat sorgte für einen der wunderbarsten Momente des an solchen sehr reichen Abends. Denn er zeigte einen Malmsheimer, der stets sehr beherrscht wirkte, wie er kurz aus der Rolle fiel.

Denn in seinem Skript folgte auf die erste Erwähnung des Piraten aus Robert Louis Stevensons Klassiker „Die Schatzinsel“ ein Pfiff. Als Malmsheimer diesen ausstieß, fing er plötzlich herzhaft an zu lachen. Aber nicht in der kontrolliert-hysterischen Malmsheimer-Art. Das war ganz offensichtlich spontan. Doch was war geschehen? „Das hat noch nie geklappt!“, stieß Malsmheimer hervor, die Hände vor den Augen. Mit der Contenance war es nun erst einmal vorbei. Malsmheimer grunzte, puffte und knurrte – offensichtlich Übungen, um wieder ernst zu werden. Vergeblich. „Kommt, wir gehen fünf Minuten auf den Hof, dann geht es wieder.“

Dieser allzu menschliche Moment sorgte für große Heiterkeit auch im Publikum. Als sich alle wieder ein wenig beruhigt hatten, konnte Malsmheimer seine Hirngespinste mit Kindheitshelden im Reisebus fortsetzen. Ziel war, die Menschheit wieder ein wenig intelligenter zu machen, indem die Bücher, in denen eben jene Kindheitshelden vorkamen, wieder gelesen würden. Denn Bildung könne gegen die große Krankheit Populismus helfen, Bildung mache nicht nur klug, sondern auch sexy. „Nur die wenigsten Menschen kommen schließlich als Arschloch auf die Welt. Bleibt nur die Frage: Wo kommen die denn alle her, um Himmels Willen? Diese mentalen Klosteine vom Schlag eines Björn Höcke?“

Die Zugabe nutzte er, um „Vereinigten Staaten von Amerika zu verteufeln“. Es schloss sich ein Western-Dialog an, der in seiner dadaistischen Schlichtheit noch ein weiteres Mal für prustendes Gelächter sorgte – ehe Malmsheimer sich von seinem Publikum mit dem „alten irischen Segenswunsch“ verabschiedete: „Möge der Wind in eurem Rücken nie der eigene sein.“ Was für ein Hochgenuss, einmal mehr.