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Bergisches Land: „Heute fehlen einfach die richtigen Wintereindrücke“

Winterwandern : „Heute fehlen einfach die richtigen Wintereindrücke“

Lothar Werner ist Vorsitzender der Wermelskirchener Abteilung des Sauerländischen Gebirgsvereins – und ein echter Wanderfuchs. Er spricht über Winterwanderungen und warum sie im Bergischen heute kaum noch möglich sind.

Herr Werner, welche Wanderung haben Sie zuletzt unternommen?

Werner Zuletzt bin ich mit dem Sauerländischen Gebirgsverein hier in Wermelskirchen auf dem 23. Kölner Krippenweg gewandert. Dann gab es noch unsere traditionelle Neujahrswanderung am ersten Samstag des neuen Jahres. Da sind wir vom Loches-Platz zu zwei Kirchen gewandert, der evangelischen Stadtkirche und der katholischen Kirche St. Michael, um dort die Krippen anzusehen. Im Anschluss sind wir dann runde anderthalb Stunden durch das Eifgen-Tal gewandert. Das Wetter war ja nun alles andere als berauschend, aber wir wollten uns einfach ein wenig bewegen.

Was ist der Reiz des Winterwanderns?

Lothar Werner ist Vorsitzender des Sauerländischen Gebirgsvereins in Wermelskirchen. Foto: Wolfgang Weitzdörfer

Werner Man muss ja leider sagen, dass es bei uns im Bergischen das klassische Winterwandern, also bei klirrender Kälte und Schnee, kaum noch gibt. Winterwandern kann man heutzutage eher noch im alpinen Bereich machen, aber nicht in unserer Region. Ich habe mal in den Vereinsunterlagen nachgesehen – die letzten Winterwanderungen im Bergischen haben wir vor zehn Jahren gemacht. Damals sind wir in Kürten über die Höhen gewandert oder an der Brucher-Talsperre. Das waren noch richtige Winterwanderungen mit Schnee und blauem Himmel. Das hatte durchaus seinen Reiz und war sehr schön. Aber durch die klimatischen Veränderungen gibt es das bei uns praktisch nicht mehr. Heute fehlen einfach die richtigen Wintereindrücke.

Beim typisch bergischen Schmuddelwetter macht das nicht besonders viel Spaß.

Werner Nein, das ist eher abschreckend. Man trifft auch kaum noch Leute unterwegs, wenn das Wetter so schlecht ist – wir veranstalten ja das ganze Jahr über Wanderungen. Und in den Monaten November bis Februar trifft man im Bergischen höchstens Spaziergänger oder Hundebesitzer, aber keine echten Wanderer. Regen und Sturm schrecken einfach die Wanderer ab.

Inwiefern unterscheidet Winterwandern sich vom „normalen“ Wandern im Sommer?

Werner Eigentlich unterscheidet es sich sehr voneinander – nicht nur durch das Wetter. Dazu präsentiert die Natur ihr buntes Kleid, und die warme Luft streichelt die Haut.

Und gibt es beim SGV eigene Gruppen, die Winterwanderungen unternehmen?

Werner Nein. Einige SGV-Abteilungen hatten früher eine Skigruppe. Aber ohne Schnee gibt es nun mal keine Möglichkeit, Ski zu fahren, deswegen gibt es diese Gruppen heute nicht mehr.

Gibt es eine besondere Ausrüstung, die man haben sollte, wenn man etwa bei Regen oder Schnee und Minusgraden auf Wandertour geht?

Werner Man braucht natürlich regen- und wetterfestes Schuhwerk und wasserfeste Kleidung. Ich selbst bevorzuge immer einen großen Schirm, weil der einfach am besten schützt. Außerdem sollte man auf Strecken unterwegs sein, auf denen es breite Wege gibt. Schmale Wege, etwa im Wald, können durchaus gefährlich werden – man denke etwa an rutschigen Untergrund durch Laub oder nasses Holz. Da besteht erhöhte Unfallgefahr. Zudem sollte man sich vor dem Aufbruch auf die Tour kundig machen, wie die Wetteraussichten sind: Wird Regen erwartet, ist Sturm angesagt, das sollte man durch einen Blick auf die Wetter-App vorher klären. Ganz wichtig ist außerdem, dass man immer mindestens zu zweit unterwegs ist und ein Handy mit geladenem Akku bei sich trägt – falls doch mal etwas passiert. Dann kann man eine Tour von um die drei Stunden auch gut genießen, wenn es aber länger geht, dann ist die Freude bei unserem Wetter meist vorbei…

Wovon kann man im Winter unterwegs überrascht werden?

Werner Im Winterhalbjahr kann man etwa durch Sturm unangenehm überrascht werden – selbst, wenn er angekündigt ist, ist er oft schneller da als erwartet. Dadurch besteht dann die Gefahr des Astbruchs. Wenn Frost ist, können die Wege spiegelglatt werden, was unter Umständen auch lebensgefährlich werden kann. Auf der anderen Seite können auch aufgeweichte Bodenverhältnisse tückisch sein.

Was sollte man etwa im Falle eines Sturms machen?

Werner Wenn eine Hütte in der Nähe ist, dann sollte man diese aufsuchen und den Sturm abwarten. Und wenn einem alles zu heikel erscheint, dann sollte man die Wanderung unter Umständen auch abkürzen oder ganz abbrechen. Auch das sollte man sich übrigens im Vorfeld überlegen – wo kann man die Tour abkürzen? Daher sollte man zudem immer wissen, wo man sich befindet. Es ist wichtig, flexibel mit den Gegebenheiten umzugehen.

Kann jeder, also auch Familien mit Kindern, zum Winterwandern gehen?

Werner Im Moment bieten wir keine Kinderwanderungen an. Wir hatten das vor einigen Jahren im Programm – aber auch nur im Sommerhalbjahr. Einfach, weil die Freude dann bei den Kindern viel größer ist. Für Kinder gibt es bei kaltem Winterwetter keinen Anreiz, wandern zu gehen. Im Sommer kann man Wanderungen immer auch mit bestimmten anderen Aktivitäten verbinden – etwa Schatzsuche im Wald oder Goldwaschen im Eifgenbach.

Sind Wanderungen im Winter gefährlicher als solche im Sommer?

Werner Eigentlich nicht. Denn im Sommer gibt es auch Dinge, die das Wandern unter Umständen gefährlich machen können. Zum einen etwa die Gefahr von plötzlich aufziehenden Gewittern. Und zum anderen darf man auch die Hitze nicht unterschätzen. Wenn es über 30 Grad warm ist, dann haben wir Wanderungen auch schon abgekürzt oder abgesagt. Denn solche Anstrengungen bei diesen Temperaturen sind nicht gesund und können auch gefährlich werden – gerade bei älteren Menschen, die hier im Bergischen auf Steilstücken unterwegs sind, geht es bei entsprechender Hitze schnell auf den Kreislauf.

Was sollte man absolut vermeiden, wenn man im Winter auf Tour geht?

Werner Wenn man entsprechend vorbereitet ist – die Witterung im Vorfeld beachten, ausreichend Verpflegung (Obst, Müsliriegel, Brot) und Getränke (Tee, Kaffee oder Wasser) mit im Gepäck haben und dem Wetter angepasste Kleidung anziehen, nicht alleine unterwegs sein und auch die Uhrzeit mit der frühen Dämmerung in Betracht ziehen – dann kann man durchaus schöne Winterwanderungen ohne ungute Überraschungen erleben.

Was war Ihr schönstes Erlebnis auf einer Winterwanderung?

Werner Besonders schön war es immer, im Winter in Kürten um den Johannesberg zu wandern. Dort ist ja ein Golfplatz und man hat dort einen wunderschönen Blick aufs Bergische Land – zumal dann, wenn die Sonne scheint und Schnee liegt. Auch sehr reizvoll ist es, rund um die Neye-Talsperre zu wandern. Dort ist es übrigens auch für Kinder spannend, weil die Landschaft rund um die Sperre ein wenig abenteuerlich und geheimnisvoll ist.