Kunden füllen Lebensmittel in eigene Behälter ab: Unverpackt-Geschäft in Innenstadt geplant

Kunden füllen Lebensmittel in eigene Behälter ab: Unverpackt-Geschäft in Innenstadt geplant

Jochen Schmees möchte mit seiner Geschäftsidee, Artikel ohne Verpackung zu verkaufen, zur Nachhaltigkeit und zum Umweltschutz beitragen. Der Kölner plant außerdem einen Umzug mit seiner Familie nach Wermelskirchen.

In den Weltmeeren treiben riesige Inseln aus Plastikmüll, und jeder trägt am Ende mit seinem Konsum dazu bei, dass immer mehr Verpackungen in den Umlauf kommen. Nicht kritisieren, sondern handeln, dachte sich Jochen Schmees, der seine Geschäftsidee in der Wermelskirchener Innenstadt verwirklichen möchte. Er plant, eine Art Krämerladen im neuen Gewand eröffnen, ein sogenanntes „Unverpackt“-Geschäft. Dort soll ein verpackungsfreies Einkaufen möglich sein.

„Seitdem wir ein Kind haben, machen wir uns Gedanken über die Zukunft der jungen Generation, über den Konsum und anfallenden Müll und vor allem über Nachhaltigkeit“, sagt der studierte Wirtschaftsinformatiker, der im Bereich E-Commerce arbeitet. Ihm erschien es naheliegend, den Weg zurück zu nicht verpackten Verbrauchsgütern zu gehen, wie es früher beim Krämer üblich war und es heutzutage wieder  Einzelhändler  bereits in Großstädten praktizieren etwa in  Köln, Düsseldorf, Duisburg, Mönchengladbach. Solche Läden bieten „lose Waren“ an, die der Kunde selbst in seinen mitgebrachten Behältern oder Jutebeuteln abfüllt.

„Nudeln, Reis, Getreidesorten, aber auch regionales Obst und Gemüse, außerdem Drogerieartikel wie Wasch- und Reiningungsmittel, Seifen und Shampoos“, skizziert der Unternehmer in spe das geplante Sortiment. Zutaten zum Selbermixen der Reinigungsmittel, Zahnbürsten aus Bambus und Seifen als Stück – auch für die Haare – passten ebenso  in das Sortiment. „Die Zutaten für Reinigungsmittel sind eigentlich einfach: Natron, Soda und Zirtronensäure“, beschreibt er. Auch diese Bestandteile soll es in seinem Laden geben.

Seine Prämisse laute: weniger Chemie, weniger Plastik. Denkbar sei auch, dass das Unverpackt-Geschäft den Kunden Behälter im Pfandsystem zur Verfügung stellt. An der Kasse wird alles einzeln abgewogen und berechnet, selbstverständlich  werde das Gewicht der Mehrwegverpackung vorher leer gewogen und der Anteil abgezogen.

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Derzeit wohnt Jochen Schmees mit Ehefrau, eine gebürtige Wermelskirchenerin, und Kind noch in Köln. Doch die Familie erwägt einen Umzug nach Wermelskirchen, nicht zuletzt auch, um dem Kind ein anderes, besseres Umfeld fürs Aufwachsen zu bieten als die Millionenstadt Köln.

Die Geschäftsidee ist aber alles andere als ein Schnellschuss. Jochen Schmees startete zunächst ein anonyme Online-Umfrage, um das Interesse an dem Thema zu sondieren. „Ich habe mit rund 200 Antworten gerechnet.“ Er erhielt aber über 1500 Antworten, die meisten der Beteiligten stehen der Idee sehr positiv gegenüber, berichtet er.

Jetzt werde er einen  Businessplan erstellen, Kontakte zu lokalen Lieferanten aufnehmen  und ein Ladenlokal – circa 100 Quadratmeter  werden benötigt – suchen. Obwohl er noch in Köln wohnt, hat er sich bereits über die Situation in Wermelskirchen informiert – angefangen bei Leerständen über Einzelhandelsstruktur mit spärlichem Lebensmittelangebot in der Innenstadt bis hin zum Stadtentwicklungskonzept.

Einen Namen für sein Geschäft hat Jochen Schmees übrigens schon im Visier: „Krämerladen“. Er plane, dass Unverpackt-Geschäft bereits im Frühjahr dieses Jahres zu eröffnen.

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