Wermelskirchen: Ortslandwirt diskutieren über Themen Dürre, Düngen, Wölfe und Schweinepest

Es wurden 80 Beschwerden zum Thema Düngen und Gülle registriert: Wölfe, Insekten, Düngen – was  Bauern derzeit beschäftigt

Beim Treffen der Ortsbauernschaft Wermelskirchen blickten die Landwirte auf ein dürres Jahr zurück – und hofften das Beste.

Wenn die Wermelskirchener Landwirte zur Winterversammlung zusammenkommen, dann haben sie Redebedarf. Dann geht es um Steuern und Rente, aber vor allem um jene Themen, die ihnen im Alltag unter den Nägeln brennen. Das sind im Moment Insekten und der Wolf, die Schweinepest und auf höherer Ebene die Dürrehilfe. Nicht umsonst also saßen die Bauern mehr als zwei Stunden zusammen und berieten über Vergangenes und Zukünftiges.

„Unsere Mitarbeiter haben sich im Dezember fast ausschließlich mit der Dürrehilfe beschäftigt“, berichtete Joachim Tichy von der Landwirtschaftskammer. Wegen hoher Auflagen hätten am Ende aber nur wenige Landwirte nach der Dürre des vergangenen Sommers einen Antrag zur finanziellen Unterstützung gestellt. „Im Rheinisch-Bergischen Kreis sind acht Anträge eingegangen“, erklärte Tichy, „in NRW waren es insgesamt 650.“ Der Aufwand sei groß und das Ergebnis noch völlig offen.

Ebenfalls ein großes Themenfeld in der Verwaltung sei das Düngerecht: Es gebe inzwischen eine rechtliche Verpflichtung, alle Gülle-Beschwerden zu registrieren. In der Kreisstelle gingen im vergangenen Jahr demnach 80 registrierte Beschwerden ein. „Teils verbunden mit wüsten Beschimpfungen“, erklärte Tichy. Sechsmal fuhren die Kontrolleure raus, dreimal wurden tatsächlich gravierende Verstöße festgestellt. Gülle war auf Schnee ausgebracht oder nicht eingearbeitet worden. „Das kann schnell sehr teuer werden“, betonte Tichy die empfindlichen Strafen für Güllevergehen.

Kreislandwirt Peter Lautz nahm dann vor allem „tierische“ Probleme in den Fokus: „Die Afrikanische Schweinepest wird auch für uns zur Bedrohung“, erinnerte er. Zwar gebe es in der Region keine großen Schweinemastbetriebe. Sollte die Afrikanische Schweinepest allerdings auch in der Region festgestellt werden, würden Ernte- und Weideverbote drohen und Zäune müssten aufgestellt werden. „Riesige Einschränkungen also“, befand Lautz. Es gebe inzwischen einen Krisenstab, der über diese Themen berate. „Im vergangenen Jahr sind 50 Prozent mehr Wildschweine geschossen worden als im Jahr zuvor“, berichtete Lautz, „das ist ein guter Anfang.“

Ein anderes Sorgentier für die Landwirte ist der Wolf. „Wahrscheinlich werden wir ihn auch hier bei uns kriegen“, prognostizierte der Kreislandwirt und zeichnete Folgen für Schafe, Ziegen und auch Kühe auf. „In unser dicht besiedeltes Gebiet gehört der Wolf nicht hin“, befand er. Schließlich wolle die Bevölkerung ja, dass Schafe, Ziegen und Kühe auf den heimischen Wiesen weiden. „Wir müssen den hohen Schutzstatus des Wolfes akzeptieren“, ergänzte Lautz, „aber ich gebe doch zu bedenken, wie stark ein Tier noch vom Aussterben bedroht ist, wenn es wieder vermehrt auftaucht.“

Ungerecht behandelt, fühlen sich die Landwirte unterdessen beim Thema Insektensterben. „Es ist nicht leicht dagegen anzukommen, dass man uns die Schuld am Insektensterben gibt“, resümierte er nach Gesprächen mit Naturschützern. Glyphosat etwa spiele im Rheinisch-Bergischen Kreis „eine untergeordnete Rolle“. „Wir haben blühende Landschaften“, befand der Kreislandwirt, „in unserer Region können wir nicht das große Problem für die Insekten sein.“ Deswegen bitte er wiederholt um Sachlichkeit in der Diskussion.

Gute Nachrichten brachte der Kreislandwirt beim Thema „Schulstandort Bauernhof“ mit. Er sei optimistisch, dass das mit europäischen Fördergeldern geplante Projekt in diesem Jahr „endlich umgesetzt werden kann“.