Phil Seeboth Trio spielte im Haus Eifgen.

Haus Eifgen: Phil Seeboth Trio eröffnet erste Blues-Session des Jahres

Etwa 80 Musikfreunde waren ins Haus Eifgen gekommen, um sich sowohl am professionell als auch am als Hobby gespielten Bluesrock zu erfreuen.

Während es am Mittwochabend draußen eiskalt war, ging es im Haus Eifgen beim Konzert von Phil Seeboth mit fetzigem Southern Blues Rock heiß zur Sache. Und dies lebte vor allem von zwei Dingen: zum einen dem hervorragenden Zusammenspiel des Münsteraner Gitarristen mit dem Irokesenhaarschnitt mit seinen zwei Kollegen an Schlagzeug und Bass. Die beiden Musiker webten ihrem Chef nämlich ein enorm dichtes Rhythmuskleid, in dem der sich mit seinem vielschichtigen und warmen Gitarrensound nach Herzenslust austoben konnte. Und zum anderen war es das Feeling, das Seeboth in seinem ebenso virtuosen wie leidenschaftlichen Gitarrenspiel transportierte.

War der Blues an sich ja musikalisch eine durchaus recht simple Angelegenheit, konnte er alleine durch die ausgiebige Zugabe von Gefühl und Seele zum echten magischen Moment werden. Und davon gab es tatsächlich sogar einige zu hören, etwa in flotten Bluesrockern wie „Stop Messin‘ Around“ oder dem 60-Jahre-Klassiker „Why Does Love Have To Be So Sad“ von Derek & The Dominos, bei denen Blues-Gott Eric Clapton seinerzeit die sechs Saiten schrubbte. Oder auch in düsteren Chicago-Bluesern wie „I Play The Blues For You“, bei denen man sich in schummrige und verrauchte Jazz-Kneipen versetzt fühlte.

Im Mittelpunkt des Geschehens stand dabei natürlich Seeboth an seiner Gibson-Les-Paul-Gitarre in der klassischen Sunburnt-Optik. Im Holzfällerhemd, die Ärmel hochgekrempelt, wirkte er dabei wie ein feist groovender Handwerker, dem seine Arbeit in jedem Moment eine ganze Menge Freude bereitete. Und natürlich war dieser Bluesrock, den er da spielte, auch echtes Handwerk, er schwitzte, er atmete und er lebte. Jeder Ton, jede gezogene Saite, jedes lustvolle Kreischen der Gitarre war hier echte leidenschaftliche Arbeit. Und war zudem angefüllt mit Gefühl und dem Wunsch die Unbilden des Lebens hinauszulassen und in der Musik zu kanalisieren. Es gibt letztlich wohl kaum eine Musikrichtung, die für die Musiker eine kathartischere Wirkung hat, als es beim Bluesrock der Fall ist.

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Nach einer knappen Stunde war die Aufwärmrunde für die erste Session des noch jungen Jahres mit einem der absoluten Klassiker des Blues, Robert Johnsons „Crossroads“, auch schon wieder vorbei, und alle berufenen Musikanten im etwa 80-köpfigen Publikum machten sich bereit, um den restlichen Abend im gemeinsamem Jam zu genießen. Und was sich dann nach kurzer Umbaupause in unterschiedlichen Besetzungen – mal mit Mundharmonika, mal mit Klavier, immer aber auf jeden Fall mit Gitarren, Bass und Schlagzeug – auf der kleinen Eifgen-Bühne präsentierte, verschaffte dem Publikum weitere schöne Bluesrockmomente, die mit lautem Applaus gewürdigt wurden.

Und als dann irgendwann einer der präsentierten Songs ganz exemplarisch „Let‘s Have A Good Time“ hieß, war eben jene gute Zeit schon längst im Haus Eifgen angekommen. Ganz nebenbei zeigte sich dabei auch, dass die lokale Bluesszene aus einer Vielzahl richtig talentierter Musiker besteht, die ihrerseits die Kombination aus Feeling und handwerklichem Können ebenfalls bestens beherrschten.

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