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Rath-Anhoven: Automeile an der B57 im Wandel

Autohändler in Rath : Automeile an der B57 nach Dieselskandal im Wandel

Die frühere „Automeile“ in Rath-Anhoven erlebt einen rasanten Wandel. Ein Grund ist der Dieselskandal. Die Firma Mühren und Hoven zieht nun Konsequenzen aus der Situation und wechselt ins Immobiliengeschäft.

Trotz eines rasanten Wandels mangelt es den Gewerbetreibenden entlang der so genannten „Automeile“ an der Bundesstraße 57 in Rath-Anhoven offenkundig nicht an Selbstbewusstsein. „Wenn Amazon-Chef Jeff Bezos ein paar Meter weiter ein riesiges Logistiklager baut, dann kann der Standort Rath-Anhoven so schlecht nicht sein“, sagt Heinz Hoven. Der 49-Jährige schlägt zurzeit voller Zuversicht ein komplett neues Kapitel in seinem beruflichen Werdegang auf: Die Firma Mühren & Hoven hat ihren Firmenzweig Autohaus nach 49 Jahren zum 28. Februar 2019 aufgegeben und wendet sich ab sofort einem neuen Geschäftszweig zu: der Vermietung und Verpachtung von Gewerbeimmobilien.

Die ehemalige „Automeile“ entlang der B57 in Rath-Anhoven erlebt einen rasanten Wandel. Dieselskandal und das große Thema Elektromobilität machen Autohändlern das Leben schwer. Für Heinz Hoven Grund genug, das Automobilgeschäft aufzugeben. „Was uns besonders freut, ist die Tatsache, dass alle unserer zuletzt 22 Mitarbeiter einen neuen Arbeitsplatz gefunden haben“, sagt er, „das war mir ganz wichtig.“ Zu besten Zeiten haben bei Mühren und Hoven 55 Leute im Verkauf, der Werkstatt und der Verwaltung gearbeitet. Vor allem der Dieselskandal habe dem Unternehmen mehr und mehr zugesetzt. Dazu muss man wissen, dass im Kreis Heinsberg traditionell viele Dieselfahrzeuge gefahren werden. Das hat mit der ländlichen Struktur und der Nähe zu den Niederlanden zu tun, wo früher Diesel billiger als in Deutschland getankt werden konnte. Dass viele Dieselautos nach dem Skandal innerhalb kürzester Zeit erheblich an Wert verloren haben, sei den Kunden nicht mehr zu vermitteln gewesen. Darum entschied sich Heinz Hoven für einen harten Einschnitt und gab das Autohaus auf.

Marcus Esch (Makler), Karl-Josef Hoven (Eigentümer), Michael Stock (Bürgermeister), Marc Neumann (SEWG Stadtentwicklungsgesellschaft und Wirtschaftsförderung Wegberg), Jürgen Esser und Annika Krings (Planungsbüro) sowie Heinz Hoven (Eigentümer, v.l.) haben die Umbauarbeiten im Blick. Foto: Ruth Klapproth

Damit steht der Geschäftsmann aus Rath-Anhoven nicht alleine da, denn die frühere Automeile an der B57, wo sich ein Autohändler an den anderen reihte, gibt es längst nicht mehr. Wo früher Neu- und Gebrauchtwagen verkauft wurden, werden heute Küchen ausgestellt, Carports und Wintergärten angeboten oder asiatische Speisen gereicht. Heinz Hoven blickt optimistisch in die Zukunft. „Der Standort Rath-Anhoven ist ein Wachstumsmotor“, erklärt er. Das sehen auch Wegbergs Bürgermeister Michael Stock und Marc Neumann von der Stadtentwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft (SEWG) so. Denn nachdem alle Gewerbe- und Industrieflächen im Gewerbegebiet Wegberg-Wildenrath (Wegberg-Oval) vermarktet sind, wurde kürzlich beschlossen, eine acht Hektar große Fläche für Gewerbegrundstücke in Rath-Anhoven zu erschließen. 2020 soll es damit losgehen.

Bis dahin werden in das ehemalige Autohaus Mühren und Hoven längst neue Mieter eingezogen sein. Drei Mietverträge wurden bereits abgeschlossen. Die Firma Langenbach GmbH bietet dort demnächst Verbindungstechnik und Industriebedarf an, auch für Privatkunden. In das frühere Verwaltungsgebäude der Firma Mühren und Hoven an der Ecke Rather Straße/Gladbacher Straße zieht die Pizzeria La Farfalla ein, die sich damit am Standort Rath-Anhoven vergrößern wird. Weitere Teile der Gebäude und die Außenfläche werden außerdem künftig von der Firma DM-Automobile genutzt, die EU-Neuwagen, vor allem der Marken Skoda und Seat anbietet. Weitere drei bis vier Gewerbeeinheiten möchten die beiden Firmeninhaber Heinz und Karl-Josef Hoven in den nächsten Wochen noch vermarkten. Die notwendigen Umbauarbeiten werden von Bauingenieur Jürgen Esser und Architektin Annika Krings vom Wegberger Planungsbüro Esser+Krings begleitet.

Heinz und Karl-Josef Hoven sowie die Vertreter der beteiligten Firmen sind von den Vorzügen des Standortes an der B57 in Rath-Anhoven überzeugt. Amazon-Gründer Jeff Bezos würde ihnen sicher zustimmen.