Fußball : Union Nettetal nach Krimi in der Oberliga

Im entscheidenden Spiel um den Aufstieg in die Fußball-Oberliga glichen die Nettetaler daheim gegen Niederwenigern schnell den Rückstand aus dem Hinspiel aus. Doch dann wurde es in Verlängerung und Elfmeterschießen dramatisch.

VON PHILIP VON DER BANK

Spieler, Fans und Funktionäre von Union Nettetal waren nicht mehr zu bändigen. Sie alle hatten am Samstagabend nur noch ein Ziel, als das Rückspiel der Aufstiegsrelegation zur Fußball-Oberliga gegen die Sportfreunde Niederwenigern abgepfiffen wurde: Tim Tretbar. Der Union-Torhüter hatte soeben den entscheidenden Ball im Elfmeterschießen pariert und verschwand daraufhin für einige Momente mitten in der riesigen Jubeltraube. Nettetal hatte den 0:1-Rückstand aus dem Hinspiel wettgemacht, am Samstag nach 120 Minuten mit 1:0 geführt und im folgenden Elfmeterschießen mit 5:4 die besseren Nerven bewiesen.

Das emotionale und spannende Finale um den Aufstieg setzte einer tollen Landesliga-Saison von Union Nettetal die Krone auf. Wochenlang hatte die Mannschaft von Trainer Andreas Schwan auf einem direkten Aufstiegsplatz gestanden, ehe dieser zwei Wochen vor dem Saisonende doch noch aus der Hand gegeben wurde. „Wenn du so eine Saison spielst und man sieht, wo wir die ganze Zeit gestanden haben, ist man verdient aufgestiegen“, befand Andreas Schwan, der schon wenige Minuten nach dem Ende des Spiels die inzwischen obligatorischen Bierduschen über sich ergehen lassen musste. Doch diese wird der Aufstiegstrainer sicher genossen haben. Ebenso wie sein Keeper Tim Tretbar, der von seinen Mitspielern nicht verschont wurde. „Das war ein unbeschreibliches Gefühl. Ich wusste gar nicht mehr, was ich machen soll“, beschrieb der 21-Jährige den Moment nach seiner Heldentat im Elfmeterschießen.

Dass die Entscheidung am Samstag ausgerechnet vom Strafstoßpunkt aus fallen musste, passte zu einer spannenden Partie. Die Begegnung vor rund 1000 Zuschauern in der Christian-Rötzel-Kampfbahn in Nettetal war sicherlich nicht von spielerischer Klasse geprägt, doch sie lebte von all ihrer Dramatik. Damit begonnen, dass die Union bereits nach zehn Minuten das Ergebnis aus dem Hinspiel egalisieren konnte – und wie: Marc Paul erhielt aus rund 30 Metern Torentfernung den Ball und traf ihn so gut, dass er in hohem Bogen über Niederwenigerns Keeper Alexander Golz ins Tor segelte. Dass dieser Torschuss der einzige gefährliche in der ersten Halbzeit war, sprach auch für die Nervosität, die beide Teams zeitweise an den Tag legten.

Nach dem Seitenwechsel änderte sich vorerst nicht viel. Sowohl Nettetal als auch die Gäste aus Hattingen spielten nun die eine oder andere Offensivaktion zwar etwas zielstrebiger aus, wodurch mehr Torchancen herausgespielt wurden. Doch Tretbar und Golz hielten ihre Tore sauber, das Spiel musste in die Verlängerung. Und da ging es so richtig zur Sache. Nach nur wenigen Minuten entstand vor der Gästebank eine wilde Rudelbildung, in deren Folge ein Hattinger Ersatzspieler die Rote Karte sah. Doch auch Unions Lucas Reinert kassierte einen Platzverweis, und da er zu diesem Zeitpunkt auf dem Feld stand, agierte Nettetal folglich in Unterzahl. Die Hausherren mussten in der verbleibenden Spielzeit zwei, drei gefährliche Situationen der Gäste noch einmal abwehren, konnten das 1:0 aber mit großer Leidenschaft verteidigen. So ging es ins Elfmeterschießen, in dem die ersten neun Schüsse allesamt verwandelt wurden. Bis der Moment von Tim Tretbar kam, der Union Nettetal mit seiner Parade nach einer kräftezehrenden Saison den Aufstieg in die Oberliga bescherte. Der Rest war einfach nur noch grenzenloser Jubel.

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