Eine Viersenerin beschuldigt die Polizei Mönchengladbach nach einem Einsatz in einer Autowerkstatt

Einsatz in Mönchengladbach eskaliert : Polizei soll Streit klären - jetzt gibt es Beschwerden gegen sie

Die Viersenerin Nicole S. beschuldigt die Polizei in Mönchengladbach, sie beim Einsatz in einer Werkstatt in Mönchengladbach angegriffen und verletzt zu haben. Die Polizei spricht von einem „Einsatz, der eskalierte“.

Auf den Fotos im Internet sieht man Hämatome und Prellungen an Armen, Beinen und an den Rippen. Die Viersenerin Nicole S. hat sie in den sozialen Medien gepostet und schildert dazu, wie sie von der Polizei bei einem Einsatz in der Kfz-Werkstatt ihres Ehemanns in Mönchengladbach-Rheydt brutal angegriffen und verletzt worden sei. Die Polizei Mönchengladbach ihrerseits bestätigt den Einsatz. Sie spricht allerdings von „Widerstandshandlungen“ der geschädigten Frau und will den genauen Hergang der Ereignisse prüfen.

„Es hat am Freitag gegen 16.20 Uhr einen Einsatz an der Friedensstraße in Rheydt gegeben“, sagt Polizei-Sprecherin Isabella Hannen. Eine Kundin habe die Polizei eingeschaltet, weil sie die Reparatur ihres Autos bezahlen, die Werkstatt den Wagen aber nicht freigeben wollte. „Das Ganze ist über den Notruf gelaufen. Das können wir nachvollziehen“, sagt Hannen.

Fest steht laut Polizei auch, dass gegen zwei Mitarbeiter der Werkstatt ein Ermittlungsverfahren wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung läuft und dass am Ende mehrere Streifenwagen mit ihren Besatzungen vor Ort waren, weil der Einsatz offenbar eskalierte. Zum genauen Hergang der Ereignisse an der Friedensstraße aber konnte die Polizei am Montag nichts sagen. „Die Vernehmungen laufen. Wir müssen jetzt erst den Sachverhalt klären und mit unabhängigen Zeugen reden. Wir ermitteln in alle Richtungen, und wir haben die Staatsanwaltschaft eingeschaltet“, sagt Hannen.

Nicole S. dagegen erzählt im Internet sehr detailreich von den Geschehnissen. Als sie sich die Hände waschen will, um ihren Personalausweis zu holen, sei sie plötzlich gepackt und gegen ein Auto geschleudert worden. Die Beamten hätten ihr büschelweise Haare ausgerissen, sie geschlagen und gefesselt. Dann wird sie zum Streifenwagen gebracht. „Ich werde mit Gewalt in den Wagen geworfen. Bäuchlings auf der Rücksitzbank, die Füße im Fußraum, werde ich immer wieder an den Haaren gepackt, mit dem Gesicht in den Sitz gepresst, und mir wird mehrfach auf Hinterkopf und Schläfe mit der Faust geschlagen“, schildert die Ehefrau des Werkstatt-Inhabers. Später, als sie versucht habe, sich zu befreien, habe man sie erneut gefesselt und ihr Reizgas ins Gesicht gesprüht.

„Ich bin immer noch geschockt. Ich war total hilflos“, erzählt ihr Ehemann, Dietmar S., Inhaber des Kfz-Centers Rheydt, unserer Redaktion. „Meine Frau hat nichts gemacht. Es gab keine Veranlassung, derart auszurasten“, sagt Dietmar S.

Die ersten Polizeibeamten seien sehr aggressiv aufgetreten, hätten im Befehlston die Ausweise verlangt. Ein Mitarbeiter sei bedroht worden, weil er während der Ereignisse ein Messer in der Hand hielt, mit dem er gerade an einem Auto einen Schlauch durchschnitt. Einen anderen Mitarbeiter, der das Geschehen mit seinem Smartphone filmte, hätten die Beamten gezwungen, den Film zu löschen. Als er zu seiner Frau wollte, habe man ihm gedroht, ihm den Inhalt einer kompletten Dose Pfefferspray ins Gesicht zu sprühen. „Ich habe nur gedacht: Was geht denn hier ab?! Wir sind doch keine Terroristen.“ Zum Schluss seien elf Polizisten vor Ort gewesen.

Die Kundin, die den Polizei-Einsatz verursachte, habe der Werkstatt viel Arbeit und Ärger bereitet. „Über vier Monate stand ihr Auto bei uns. Sie ist immer nur scheibchenweise mit der Wahrheit herausgerückt, was an ihrem Wagen alles kaputt ist“, erzählt Dietmar S. Vier Mitarbeiter hat er in der Werkstatt angestellt. Die gebrauchten Ersatzteile habe die Kundin immer selbst besorgt. Bevor sie die Polizei verständigte, habe es wiederholt Meinungsverschiedenheiten über die Rechnung gegeben. Anwälte seien eingeschaltet gewesen. Deshalb habe die Werkstatt den Wagen auch nicht freigegeben. Es ging um eine Rechnung von rund 1200 Euro.

Die Meinungsverschiedenheit mit der Kundin über die Rechnung sei eine zivilrechtliche Angelegenheit, argumentiert der Werkstatt-Inhaber. „Ich verstehe überhaupt nicht, dass sich die Polizei da eingeschaltet hat.“ Am Dienstag will  Dietmar S. zum Anwalt gehen. „Wir gehen zum Oberstaatsanwalt. Wir müssen schauen, ob wir Anzeige wegen Körperverletzung, Vernichtung von Beweismitteln und Hausfriedensbruch stellen. Wir sind doch ein Rechtsstaat. Das können wir so nicht hinnehmen.“

Die Beschuldigungen von Nicole S. haben in den sozialen Medien für Aufsehen gesorgt. Viele Menschen wünschen ihr gute Besserung und schimpfen auf die Polizei. „Rechtsstaat Deutschland? Oder inzwischen eher Polizeistaat? Auf der anderen Seite greift die Polizei dort nicht ein, wo es dringend angebracht wäre (was aber mit politischen Vorgaben zu tun hat)“, schreibt einer.  Und ein anderer: „Das ist unfassbar. Ich hoffe diese Polizeibeamten werden unehrenhaft entlassen und werden wegen Körperverletzung verurteilt ohne Bewährung.“ Es gibt aber auch kritische Stimmen, die behaupten, Nicole S. habe sich aggressiv gegenüber den Beamten verhalten.

Die Polizei Mönchengladbach kennt die Kommentare in den sozialen Medien. „Es ist unglücklich, dass die Beschuldigungen zuerst über die sozialen Medien laut werden. Ich nehme an, dass eine Anzeige folgt, aber bis jetzt liegt keine vor“, sagt Hannen.  Die Kommentare im Internet werden auf strafrechtliche Relevanz geprüft.

Mehr von RP ONLINE