Handball : Zu viele Ausfälle

Nach der ersten Niederlage in dieser Saison musste der Bergische HC die Tabellenführung wieder an die HSG Düsseldorf abtreten. Beim 23:26 (10:13) hat die TSG Friesenheim das schnelle Passspiel der Löwen mit ihrer zupackenden Art konsequent unterbunden.

Nun hat es auch den Bergischen HC erwischt. Ausgerechnet in eigener Halle, die nach der kontinuierlich steigenden Leistungskurve der vergangenen Wochen, mit 1650 Zuschauern ordentlich gefüllt war. Mit 23:26 (10:13) hat der Handball-Zweitligist gegen die TSG Friesenheim sein erstes Meisterschaftsspiel dieser Saison verloren, der damit nach zwei Wochen die Tabellenführung wieder an die HSG Düsseldorf abtreten musste.

Eine Dämpfer zum richtigen Zeitpunkt? Auch wenn Raimo Wilde später erklärte, es gebe nie einen günstigen Zeitpunkt für eine Niederlage, so sei das Ergebnis zumindest ein Fingerzeig. "Wir sind heute in eine Art Lethargie verfallen", analysierte der Coach des Bergischen HC den Auftritt seiner Mannschaft, die zuletzt gegen die TSG Münster und den HC Erlangen "geilen Handball" (Wilde) gespielt hatte. "Einige haben wohl gedacht, es geht jetzt immer so weiter."

Den spielerischen Glanz der beiden vergangenen Wochen konnten die Löwen lediglich in die ersten drei Minuten retten. Sebastian Hinze, mindestens einen Kopf kleiner als das Trio im Friesenheimer Innenblock der 6:0-Abwehr, wurde zwei Mal am Kreis bedient und markierte mit dem 1:0 und 2:1 die beiden einzigen Führungen des Bergischen HC. Bis zur 17. Minute (4:7) legte der Kapitän zwar noch zwei weitere Treffer vom Kreis nach, nur war der vierfache Torschütze bis zu diesem Zeitpunkt damit allein auf weiter Flur.

Weil sich Hinzes Teamkollegen bereits in der Anfangsphase an Harmlosigkeit und Fehlversuchen überboten haben, verpassten es die Löwen, die Begegnung in die richtige Bahn zu lenken. Nachdem Jan-Lars Gaubatz' die Eulen mit 3:2 in Front gebracht hatte (6.), gelang Philipp Grimm in den folgenden vier Minuten lediglich ein weiterer Friesenheimer Treffer — per Tempogegenstoß. Die BHC-Abwehr stand eigentlich kompakt, nur im Angriff lief es überhaupt nicht. Alexander Oelze leitete mit zwei hochkarätigen Chancen das Fehlwurf-Festival ein, an dem sich der Reihe nach Elvir Selmanovic, Simon Kluge, Kenneth Klev oder Jiri Vitek beteiligten. Die Würfe aus dem Rückraum wurden entweder Beute des überragenden TSG-Keepers Kevin Klier (23 Paraden), oder sie kamen erst gar nicht zum ihm durch, weil sie abgeblockt wurden.

Die Friesenheimer waren ihrem Gegner keineswegs spielerisch überlegen. Verdient gewonnen haben sie deswegen, weil sie das schnelle Passspiel des Bergischen HC in ihrer 6:0-Abwehr mit ihrer zupackenden Art konsequent unterbunden haben. Die Außen waren abgemeldet, das Rückraum-Trio stand sich — egal in welcher Besetzung — auf den Füßen. "Wenn wir unser Tempo nicht aufziehen können, dann fehlt irgendetwas", musste Raimo Wilde anerkennen.

Aufarbeiten und schnell abhaken

Dessen Trainerkollegen Thomas König hatte an der Seitenlinie wie seine Spieler auf dem Feld 60 Minuten lang alles gegeben und erklärte mit heiserer Stimme: "Es war das erste Mal, dass wir von Anfang bis Ende am oberen Level gespielt haben." Davon konnte beim Bergischen HC bei der 23:26-Niederlage keine Rede sein. Die Liste der Ausfälle in dem so ausgeglichenen Kader war dieses Mal so lang, dass das nicht kompensiert werden konnte. "Wir werden es aufarbeiten und schnell abhaken", verspricht Raimo Wilde. Damit der Bergische HC kommende Woche wieder "geilen Handball" spielen wird.

(RP)