Solinger Familie mit Benzin im Blut

Bei den Rosts dreht sich alles ums Auto : Familie mit Benzin im Blut

Olaf und Kevin Rost fuhren beim 24 Stunden-Classic-Rennen auf dem Nürburgring als Klassenbeste über die Ziellinie.

Bei den Rosts dreht sich alles ums Auto. Üblicherweise um die Vehikel der Kunden des Familienbetriebs mit Sitz in der Beethovenstraße – und wenn die wieder laufen, wird am familieneigenen Polo geschraubt. Ein altes Schätzchen, Baujahr 1979 und so gut in Schuss, dass man mit ihm Runde um Runde drehen kann. Nein, nicht irgendwo - sondern dort, wo man Gas geben darf. Hockenheimring, im belgischen Spa und auch jetzt am Wochenende beim 24h-Classic-Rennen auf dem Nürburgring: Olaf Rost fährt mit seinem Youngtimer immer vorne mit.

Die Leidenschaft für den Motorsport begleitet den 55-Jährigen schon seit Kindertagen. Als Vater Siggi Rost (78) vor beinahe 50 Jahren im B-Kadett seinen ersten Ritt durch die „Grüne Hölle“ absolvierte, stand er auf der Tribüne und schaute zu. Später machten das seine Söhne Justin (27) und Kevin (29) – beide fahren mittlerweile auch selbst. Mit Kevin hat Olaf Rost vor zwei Jahren die Youngtimer Trophy gewonnen. Und mit ihm saß er jetzt auch am Nürburgring im Polo. Wer die Serie kennt, der weiß: Ein gutes Rennen genügt nicht, da muss man schon über die ganze Saison hinweg die Konkurrenz hinter sich lassen.

Hecht im Karpfenteich: Der Rost-Polo beim 24 Stunden-Classic-Rennen. Foto: MS. Foto: Mikko Schümmelfeder

Zum 24h-Classic-Rennen war – wie immer – die ganze Familie Rost angereist. Und das nicht erst zum Rennen, sondern schon Tage vorher. Vater Siggi Rost, Olaf Rost, die Söhne und dann noch Freunde und Bekannte: Während Olaf und Kevin Rost sich im Polo abwechselten, fieberte der Fanclub am Streckenrand mit. Das Festzelt und die Zapfanlage im Campingbus, den Youngtimer mit Ersatzmotor im Hänger und ein Rost-rotes Bobbycar auf dem Zeltdach: Es war ein Happening, wie jedes Mal am Nürburgring.

In der „Grünen Hölle“ ist Olaf Rost schon hunderte von Runden gefahren, er kennt die Strecke – und er liebt sie. „Es ist eine der schönsten Rundstrecken“, schwärmt er vom Ring. Allerdings verlange einem der Nürburgring schon einiges ab. „Jede Runde ist anders“, weiß er, dass man als Fahrer nicht plötzlich „schwächeln“ darf. Es gibt wenig Auslauffläche, man muss präzise fahren. Mal eben ins Auto setzen und aufs Gaspedal treten? Das geht dort nicht.

Öl auf der Strecke oder jemand, der vor dem Auto querschießt: All das ist Olaf Rost schon passiert. Und was macht man, wenn man auf der Ölspur die Kontrolle verliert? „Einfach rutschen lassen und warten, bis die Leitplanke kommt“, ist dazu von ihm zu hören. Kaum vorstellbar für Otto-Normalfahrer, der bei sowas wohl schnell in Panik geraten würde.

Bei Familie Rost sind Unfälle bislang glimpflich ausgegangen: „Immer nur Blechschäden“, sagt Olaf Rost nicht ohne Erleichterung. Wer sich in der Szene auskennt, der weiß: Mal eben so lässt sich das mit dem kaputten Blech auch nicht regeln. Der Aufbau solcher Autos ist teuer und kostet Zeit. Oft sind Ersatzteile nur schwer zu bekommen – und wenn man sie dann endlich hat, müssen sie auch noch eingebaut werden. Für die Rost´s ist das kein Problem, sie haben ihre eigene Werkstatt. Wer allerdings schrauben lässt, kommt schnell an finanzielle Grenzen.

Am Nürburgring drehte sich für Olaf und Kevin Rost nun allerdings alles um gänzlich andere Grenzen. Hält das Auto? Wie wird das Wetter? Vor allem letzteres ist immer für Überraschungen gut. „Es gibt Wetter, und es gibt Eifelwetter“ weiß Olaf Rost. Am Ende passte alles und schon beim vom Unwetter gebeutelten Qualifying lief es richtig gut. Platz 20 von 150 Startern - und das mit dem kleinen Polo. Am Ende fuhr der mit einer Runde Vorsprung als Klassensieger auf Platz 32 der Gesamtwertung.

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