Bayer Leverkusen: Die Werkself spielt sich in einen Lauf

Fünf Siege aus den vergangenen sechs Spielen : Bayer spielt sich in einen Lauf

Lucas Alarios Doppelpack sichert den 2:1-Sieg gegen den FC Schalke 04. Es ist der fünfte Sieg aus den letzten sechs Pflichtspielen. Das Wort „Siegermentalität“ mag Sportchef Rudi Völler dennoch nicht hören.

Von den vergangenen sechs Pflichtspielen hat die Werkself fünf gewonnen – unter anderem gegen Atlético Madrid, beim FC Bayern München und nun gegen den FC Schalke 04. „Im Moment läuft´s“, ist die lapidar anmutende Einschätzung von Sportchef Rudi Völler zum 2:1 (1:0)-Sieg gegen die Gelsenkirchener. „Verdient“ sei der Sieg gewesen – „auch, wenn wir es nach dem Anschlusstreffer nochmal spannend gemacht haben.“

In der Tat stand das Spiel in den Schlussminuten auf der Kippe, obwohl der für Kevin Volland in die Startelf rotierte Argentinier Lucas Alario dem 1:0 (15.) per Kopf das 2:0 per Fuß (81.) folgen ließ. Doch unmittelbar nach der vermeintlichen Vorentscheidung traf Benito Raman zum Anschluss (82.) – und schuf so die Grundlage für einen packenden Endspurt. „Der Sieg tut gut, auch in der Tabelle“, betont Völler.

Leverkusen zog nach Punkten mit dem FC Schalke gleich (25) und mischt wieder munter im Rennen um die Champions-League-Plätze mit. Die bislang in ihren Ergebnissen eher wankelmütige Werkself scheint sich stabilisiert und eine vergessen geglaubte Fähigkeit wiederentdeckt zu haben: das Gewinnen von sogenannten „Big-Point-Spielen“ gegen Topmannschaften.

Völler wollte der erfreulichen Entwicklung aber nicht zu viel Bedeutung beimessen. „Ich glaube nicht an so einen Käse wie Siegermentalität“, betonte der Sportgeschäftsführer. Entscheidender sei gewesen, zum richtigen Zeitpunkt die Tore zu machen – und vor allem nicht die Nerven zu verlieren, wenn es zwischendurch mal nicht so gut laufe.

Für Zählbares zuständig war an diesem Abend vor allem Lucas Alario „Er hat ein tolles Spiel gemacht“, lobte der ehemalige Torjäger Völler den formstarken Stürmer. Der mit seinen Einsatzzeiten unzufriedene Argentinier bewies einmal mehr seine Klasse als Vollstrecker im Strafraum. Nicht nur unter den 30.210 Zuschauern in der ausverkauften BayArena werden sich einige gefragt haben, warum der treffsichere Argentinier (vier Tore und zwei Vorlagen in elf Ligaspielen) eigentlich nicht in der Startelf gesetzt ist.

„Der Trainer stellt die Mannschaft auf und diese Entscheidungen müssen wir alle akzeptieren. Heute war ein Tag, an dem ich wieder dran war und mich präsentieren konnte“, kommentiert Alario im gewohnt gemäßigten Profifußballsprech seine Situation. „Es können nur elf Spieler spielen und für mich geht es darum, meine Chance zu nutzen – und das ist mir heute sehr gut gelungen.“

Die Leistung des 27-Jährigen war ein deutliches Statement. Es ist nicht das erste Mal, dass Alario seine Chance nutzt. Doch noch führt für ihn scheinbar kein Weg an Kevin Volland vorbei, der am Mittwoch gegen Juventus Turin (21 Uhr) wohl wieder in die Anfangsformation rücken wird.

Die Partie gegen den italienischen Meister wird darüber entscheiden, ob es in der Königsklasse für Leverkusen weitergeht oder ob sich die Werkself mit der Europa League begnügen muss. „Wenn wir Juventus schlagen, was wir natürlich wollen, haben wir eine Minimalchance und können schauen, was Madrid gegen Moskau gemacht hat“, sagt Völler. Wenn Bayer gewinnt und Madrid im Parallelspiel nicht, wäre Bayer das erste Team seit Newcastle United 2003, das nach drei Auftaktniederlagen noch die nächste Runde erreicht.