Solinger Batterie-Obus geht in den Härtetest

Öffentlicher Nahverkehr in Solingen : Batterie-Obus startet in Linien-Härtetest

Seit Donnerstag verkehren die Fahrzeuge der BOB-Generation im Regelverkehr der Linie 695. Bei der Jungfernfahrt überzeugte sich „Schärfste Klinge“-Preisträger Cem Özdemir von der Technik – und hatte ein seltenes Lob parat.

Das große Schmuckstück auf Rädern hatte sich noch gar nicht richtig in Bewegung gesetzt, aber der prominente Gast war schon hellauf begeistert. „Am liebsten würde ich den Bus nach Stuttgart oder Berlin mitnehmen“, sagte Cem Özedemir im Scherz. Wobei dieser Wunsch des schwäbischen Grünen-Politikers durchaus verständlich erschien, wurde der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Deutschen Bundestag und diesjährige Preisträger der „Schärfsten Klinge“ doch Zeuge einer echten Premiere.

Am Donnerstagnachmittag, pünktlich um kurz vor 15 Uhr, haben die ersten beiden Batterie-Obusse (BOB) den regulären Linienbetrieb aufgenommen. Auf der Strecke der 695 ging es ab dem Rathaus auf Jungfernfahrt in Richtung Abteiweg in Gräfrath und zurück. Was indes nur der Anfang war. Denn fortan werden die Fahrzeuge der neuesten Solinger Obus-Generation von 5.33 Uhr morgens bis 22.45 Uhr am späten Abend fast rund um die Uhr zwischen Meigen sowie Gräfrath unterwegs sein.

„Die 695 war bislang unsere am stärksten frequentierte Dieselbus-Linie“, erläuterte der Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe bei den Stadtwerken Solingen (SWS), Conrad Troullier, vor den Teilnehmern der Premierenfahrt und verdeutlichte den Fahrgästen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft so schon einmal anschaulich, dass auf den BOB nach den Probefahrten der vergangenen Monate ein echter Härtetest wartet.

So müssen die Busse, die ihre Batterien unter den vorhandenen Oberleitungen aufladen, ab sofort und für die Dauer von rund zweieinhalb Jahren unter Beweis stellen, inwieweit sie dem Alltagsstress gewachsen sind. Denn davon hängt am Ende ab, ob das mit 15 Millionen Euro geförderte Projekt der neuen Solinger Batterie-Obusse auch auf andere Städte übertragbar ist und einen Beitrag zum Umweltschutz beitragen kann.

Oberbürgermeister Tim Kurzbach, „Schärfste Klinge“-Preisträger Cem Özdemir und SWS-Geschäftsführer Conrad Troullier (v.l.) beobachten die Ankopplung der Oberleitungsstangen an der Endhaltestelle Abteiweg. Foto: Meuter, Peter (pm)

Was durchaus ein Ziel ist, wie der zuständige Abteilungsleiter im Bundesverkehrsministerium, Dr. Klaus Bonhoff, bei der Premiere betonte. Zwar bleibe einstweilen noch abzuwarten, welche neue Technologie später wo am besten einsetzbar sei. Gleichwohl verspreche man sich speziell von der im BOB verwendeten Batterietechnik viele Erfahrungen, etwa im Bereich der Ladetechnologie für Pkw.

Tatsächlich ging die erste Bewährungsprobe am Donnerstag reibungslos und planmäßig über die Bühne. Nach rund 20 Minuten erreichten die zwei hintereinander fahrenden BOB den Abteiweg, wo die Busse zunächst ein wenig Strom tankten, ehe sie sich für den Rückweg in Richtung City wieder in Bewegung setzten.

„Das ist ein großer Schritt in die Zukunft“, sagte Oberbürgermeister Tim Kurzbach, der Ehrengast Cem Özdemir sowie den anderen Anwesenden einmal mehr die anvisierten Vorzüge der BOB-Technik auflistete. Beispielsweise, so der OB, sei es das erklärte Ziel Solingens, den gesamten ÖPNV in der Klingenstadt in den kommenden Jahren „CO2-, emmissions- und feinstaubfrei zu machen“.

An der Kreuzung Schlagbaumer Straße / Alleestraße verlässt der BOB die Oberleitungsstrecke und fährt ab hier nur noch mit Batterie-Antrieb. Foto: Meuter, Peter (pm)

Eine Aussicht, die andernorts ebenfalls längst für Aufsehen sorgt. So betonten sowohl Oberbürgermeister Kurzbach und Stadtdirektor Hartmut Hoferichter, als auch Ministeriums-Abteilungsleiter Bonhoff, dass andere Städte bereits Interesse an dem Solinger BOB-Projekt bekundet hätten.

„Die Technik der batteriebetriebenen Obusse ist hoch innovativ“, unterstrich Bonhoff, dessen Verkehrsministerium den BOB fördert. Was Grünen-Politiker Özedemir zum Schluss noch zu einem eher seltenen Lob für Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und dessen Haus veranlasste. „Es kommt ja nicht oft vor, dass ich das Ministerium lobe. Aber das ist gut angelegtes Geld“, bekundete der Vorsitzende des Verkehrsausschusses mit einem Lachen.

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