Körperverletzung: Angeklagter aus Solingen nimmt Berufung zurück

Prozess am Landgericht : Körperverletzung: Angeklagter nimmt Berufung zurück

Am Landgericht wollte ein 25-jähriger Solinger den Prozess wegen vorsätzlicher Körperverletzung neu verhandelt wissen, weil ihm die Geldstrafe zu hoch erschien.

Die aufgeladene Stimmung im Saal des Wuppertaler Landgerichts war mit den Händen zu greifen: Hier der 25-jährige Angeklagte, der gegen ein Urteil des Amtsgericht Solingen in die Berufung gegangen war, das ihn wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 6000 Euro verurteilt hatte. Dort die Richterin und die Staatsanwältin, die dieses Urteil als berechtigt und ausgesprochen milde ansahen.

Eingebrockt hatte sich der Solinger die Strafe im Herbst 2017 durch einen gezielten und unvermittelten Faustschlag gegen den Kopf des 21-jährigen Freundes seiner Schwester. Dieser hatte sich  an der Bushaltetstelle Weyerstraße mit einem Kuss von der jungen Frau verabschiedet, als er angegriffen wurde. Ein Vetter des Angreifers, der gerade vorbeikam, versuchte zu vermitteln. Er fuhr mit den beiden zu einer Tankstelle an der Weyerstrasse.

Dort eskalierte der Streit von Neuem, der Vermittler flüchtete. Ein weiterer Faustschlag machte die Einweisung des Opfers in eine Klinik notwendig: doppelter Kieferbruch. Weitere unangenehme Folgen für das Opfer: künstliche Ernährung über einen Monat, ständige Schmerzen – und selbst zwei Jahre später die Notwendigkeit weiterer Operationen. Allein der medizinische Bericht der Klinik, vorgelesen von der Vorsitzenden Richterin, umfasste mehrere Seiten.

Dass der Täter den Tathergang in der ersten Instanz zähneknirschend eingeräumt hatte und nur gegen die nach seiner Meinung zu hohe Geldstrafe anging, hatte seine Rechtsanwältin noch kostenmildernd in die Wege geleitet, bevor sie das Mandat niederlegte.

Die Ermahnung der Richterin zur Rücknahme der Berufung wurde erstmal abgelehnt – trotz der nach Meinung des Gerichts unverhältnismäßig milden Geldstrafe. Die aggressive Überzeugung des Angeklagten, ungerecht behandelt zu werden und dessen lautstarke Forderung, wenigstens die Geldstrafe zu reduzieren, konterte die Richterin kühl: „Wir sind hier nicht auf dem Basar“.

Die Vernehmung des Opfers als Einstieg in die eigentliche Berufungsverhandlung brachte die Emotionen zum Kochen: Die ständige Unterbrechung durch den Täter, der die Verletzungsbeschreibung als „Schwachsinn“ bezeichnete, ließ die Richterin mit einem Ordnungsgeld drohen. Daraufhin entschuldigte sich der Angeklagte, verkroch sich hinter seinem Pelzkragen und unter einer Baseball-Cap – und nahm murrend die Berufung zurück.

Grimmig verließ er die Verhandlung. Das Opfer, das bereits erfolgreich Schmerzensgeld eingeklagt hatte, wollte dessen Abgang lieber abwarten und ihm nicht über den Weg laufen.