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Alpen: Beifall für zwei freche Ruhrpott-Frauen

Alpen : Beifall für zwei freche Ruhrpott-Frauen

"Thekentratsch" sorgte zum Frauentag im Rathaus für großes Vergnügen. Bürgermeister kümmerte sich um die Technik.

Aus Anlass des internationalen Tages der Frau, gestern am 8. März, hatte sich Gleichstellungsbeauftragte Kirsten Kloas etwas Besonderes einfallen lassen: Sie hatte das Duo Thekentratsch aus Dinslaken mit seinem Programm "Deine Gene braucht kein Mensch" ins Rathaus eingeladen. Das Publikum war begeistert.

Bürgermeister Thomas Ahls ("Frauen sind anders, Männer auch") hatte persönlich die Technik fürs elektrische Klavier und die Mikrofone installiert und auf Wunsch der beiden Kabarettistinnen noch zwei Baustrahler besorgen lassen, um die Becker und die Frau Sierp auf der provisorischen Bühne angemessen ins Licht zu setzen. Der Saal war mit gut 150 Zuschauern voll besetzt. Sogar rund ein dutzend Männer war hinzugekommen, um die zwei frechen Frauen aus dem Ruhrpott live zu erleben.

Und die, nach Mailand und New York direkt in Alpen aufgeschlagen, ließen sich wahrlich nicht lumpen. Schon das Outfit der beiden Halbschwestern war sehenswert. Die Frau Sierp, steife, pensionierte Lehrerin mit Germanistik-Studium in Paderborn, kommt vorurteilsgemäß auch so daher - groß, Typ Bügelbrett, mit altrosa Rock bis über die Knie, dazu hochgeschlossenes Blüschen, Perlenkette, flache Treter und laut der Becker "optisch Pflegestufe 6". Die Becker dagegen, klein und knubbelig - "ich bin nicht fett, nur räumlich sehr präsent" -, zeigte ihre Reize: Leggings mit Tiger-Print, kurzer gelber Kasack, gelbe Lackboots. Sie ist "die Dotterblume aus dem Kohlenpott".

  • Foto: Settnik
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So verschieden, wie sie aussehen, sind sie dann auch. Dröge die eine, die andere dafür umso vorwitziger. Und obendrein sind sie sich nicht grün. Wäre da nicht Mama, hätten sie kaum etwas miteinander zu tun. Sie zahlen ihr das Seniorenheim und kümmern sich um sie. "Ich hab' dich und Mama am Bein", singt die Becker charmant. Obwohl: "Kein Mensch braucht deine Gene." Und ganz klar: Lieber würde sie erben. Der Becker und der Frau Sierp wurde zwar der Gesang nicht in die Wiege gelegt, doch ihre spritzigen Texte und ihr munterer Auftritt machen das wett. Typisch Ruhrpott sind sie - nicht immer perfekt, aber dafür gerade heraus.

Auch die lebenslustige Mama - die Becker aus dem Off - nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn sie die Frau Sierp anruft, um sich zu beschweren, weil sie ihr die falschen Kondome mitgebracht hat. Wenn es nicht um Mama geht, geht es bei den Schwestern meist um Sex und um Männer. Die Becker wechselt die Lover öfter als die Jobs, und sie hat immerhin 38 Ausbildungen und 14 Anstellungen hingeworfen. Und wurde 16 Mal wegen sexueller Nötigung angezeigt, wie ihre Halbschwester ihr vorwirft.

Die Frau Sierp dagegen hat es eher schwer beim anderen Geschlecht. Sie betet ihren Guru an, dessen Bild sie auf der Bühne drapiert, um den Spott der Becker zu ernten. Die beiden huldigen auch dem Anlass, dem internationalen Tag der Frau, wenn sie singen: "Datt starke Geschlecht sind wir" und natürlich "Die Perlen aus dem Revier".

Das Publikum dankt mit Beifallsstürmen und klatscht dem Duo auch noch eine Zugabe ab. Mit der Technik hatten sie ihre Probleme, verrieten die Grazien dann zum Schluss. Da war der Bürgermeister bereits zum nächsten Termin aufgebrochen.

(evka)