Korschenbroich : Abriss oder Denkmalschutz?

Die Zukunft des alten Pfarrhauses ist weiterhin ungewiss. Die Caritas ist interessiert. Parallel dazu hat der Kirchenvorstand einen Abrissantrag bei der Stadt gestellt. Sie wiederum hat die Denkmalbehörde eingeschaltet.

Vor gut sechs Jahren ging im alten Pfarrhaus am Kirchplatz in Korschenbroich das Licht aus. Seither wurden die Räume kaum noch betreten. Seit zwei Jahren ist das Eingangsportal — über dem unversehrt der "gute Hirte" wacht — für jeden verriegelt. "Aus Sicherheitsgründen", war vom Kirchenvorstand St. Andreas zu erfahren. So sehr das zehnköpfige Gremium auch um eine "gute Nutzung" bemüht ist, wurde jetzt ein Abrissantrag bei der Stadt Korschenbroich gestellt. Die Stadt wiederum hat den Landschaftsverband als zuständige Denkmalschutzbehörde eingeschaltet.

Der trostlose Zustand des Hauses im Schatten von St. Andreas ist nicht zu übersehen. Dass etwas getan werden muss, ist unverkennbar. Nur was? Zuletzt wurde das Haus von Pfarrer Wilhelm Doerges bewohnt. Als er 2003 starb, wurde für das 1859 errichtete Gebäude bereits eine Sanierung kalkuliert. Die Kosten: 400 000 Euro. "Heute wäre garantiert das Doppelte fällig", sind sich die geschäftsführende Kirchenvorstandsvorsitzende Rita Mielke (54) und ihr Stellvertreter Klaus Segbert (54) einig. Doch das ist nicht mehr das Thema. Damals wie heute gibt es vom Bistum Aachen kein Geld für die Sanierung. Im Gegenteil: "Das Bistum will Rendite sehen."

Die Caritas Mönchengladbach zeigt Interesse. Sie würde am Kirchplatz in Korschenbroich gerne Altenwohnungen errichten. Eine Ortsbegehung gab's bereits. "Wir bleiben weiter im Gespräch, die Caritas ist nachdrücklich interessiert", bestätigt Rita Mielke auf Anfrage. Allerdings kann und will die 54-Jährige nicht tatenlos abwarten. Der Kirchenvorstand will sich alle Türen offen halten. Für ihn gibt es zwei gravierende Gründe für den Abrissantrag. "Wir haben eine Sorgfaltspflicht", spricht Mielke die Gefahr drohender Herbststürme und sich lösender Dachpfannen an. Zudem würde die Abriss-Option die Suche nach möglichen Investoren erleichtern.

Vom Bistum Aachen, das bereits vor zwei Jahren einen Abriss ablehnte, gab's jetzt ein klares Signal: "Wenn die Stadt zustimmt, haben wir nichts dagegen." Im Städtischen Bauamt liegt der Antrag zur Bearbeitung: "Wir haben das Rheinische Amt für Denkmalpflege in Brauweiler eingeschaltet", sagt Bauamtsleiter Dieter Hoffmans (52) dazu. Dort soll festgestellt werden, ob das Haus als Denkmal schützenswert ist. "Solange wir von dort keine eindeutige Stellungnahme haben, wird der Abrissantrag nicht bearbeitet." Hoffmans rechnet im Spätsommer mit Antwort. Auch Rita Mielke wäre es wohler, zumindest die Fassade der Nachwelt erhalten zu können: "Ich habe alles Verständnis der Welt für alte Kulturgüter und deren Erhalt, aber man darf dabei die realistischen Gegebenheiten nicht aus den Augen verlieren."