Korschenbroich : Bürger klagen gegen Stadt

Hans Scharre und Hermann Jennes verklagen die Stadt Korschenbroich: Sie wollen den Bau von zwei viergeschossigen Wohnhäusern an der Nikolausstraße verhindern. Die Stadt hat das Vorhaben bereits genehmigt.

Waltraud (76) und Hans (77) Scharre verstehen die Welt nicht mehr. Der Blick aus ihrem Garten soll zugebaut werden. "Gegen Einfamilienhäuser hätten wir ja nichts, aber zwei viergeschossige Monster wollen wir nicht haben." Der Senior ist empört, spricht sogar von einer "Katastrophe".

Um die von der Stadt genehmigten Neubauten zu verhindern, hat Scharre jetzt Klage beim Verwaltungsgericht Düsseldorf gegen die Stadt Korschenbroich eingereicht. Und eine zweite Klage flatterte Bauamtsleiter Dieter Hoffmans jetzt in Kopie von Scharres Nachbar Hermann Jennes auf den Schreibtisch.

Hans Scharre, in Schleswig-Holstein geboren, fand 1967 eine neue Heimat in Kleinenbroich an der Martinshütte. Bis zum Tode von Hubert Leinders blickten die Scharres auf ein gut 2000 Quadratmeter großes Areal, auf dem Obst und Gemüse angebaut wurden.

Die Leinders-Kinder ließen die Fläche verwildern. "Ein Eldorado für Singvögel", schwärmt Hans Scharre von blühenden Büschen und Sträuchern. Dass dort jetzt der neue Eigentümer Marc Arning, Bauunternehmer aus Steinfurt, zwei viergeschossige Wohnblöcke errichten möchte, will der 77-Jährige mit allen Mitteln verhindern. "Wir hier in der Martinshütte sind alle empört", spricht er das geplante Projekt Nikolausstraße 2a an.

Der Kleinenbroicher ärgert sich darüber, dass er von der Stadt Korschenbroich vor vollendete Tatsachen gestellt werden soll. Und was den Rentner noch mehr fuchst — Scharre fürchtet um den Verlust von Lebensqualität und um den Werteverlust seiner Immobilie: "Die Wertminderung beträgt gut 30 Prozent." Für Hans Scharre steht fest: "Wäre der Bürgermeister direkt betroffen, würde eine derartige Lücke niemals mit viergeschossigen Monstern verbaut."

Bürgermeister Heinz Josef Dick nimmt den Vorwurf gelassen: "Das ist emotional. Dieses Argument höre ich immer wieder." Der Verwaltungschef will gerne über eine bessere Informationspolitik nachdenken und bei größeren Objekten — "nicht bei jeder Baulücke" — die Bürger zu einer Versammlung einladen. Zum eigentlichen Vorgang gibt's für Dick aber nicht viel zu sagen: "Wir haben die Baugenehmigung erteilt. Wir bewegen uns als Stadt ganz klar im Rechtsrahmen." Für Dick ist der Fall klar: "Es gibt zwei Standpunkte, und das Gericht wird sagen, wer Recht hat."

Auch für Bauamtsleiter Dieter Hoffmans (52) gibt's an der Baugenehmigung nichts zu deuteln. Da es keinen rechtsgültigen Bebauungsplan gibt, wurde nach Paragaph 34 entschieden. Für Hoffmans "ist alles rechtens". Er hat die Kläger für September zu einem Vermittlungsgespräch ins Bauamt gebeten. Dabei stellt Hoffmans vorab aber klar: "Eine nennenswerte Reduzierung des Bauvolumens kann nicht Thema des Gespräches sein."

(NGZ)