Fußball : VfR Neuss zittert vor Mittwoch

Dass der VfR Neuss sein zweites Spiel in der Fußball-Bezirksliga verloren hat, gerät mit Blick auf morgen zur Nebensache. Dann wird in Düsseldorf über das laufende Insolvenzverfahren entschieden.

Eigentlich sollte für Trainer Ari Lachanas und seine Spieler vom Fußball-Bezirksligisten VfR Neuss nach der 0:4-Niederlage im Stadtderby gegen die DJK Gnadental die Vorbereitung auf das für Freitag angesetzte Heimspiel gegen die Reserve des SC Kapellen im Mittelpunkt stehen.

Doch im Moment weiß noch niemand genau, ob der Traditionsverein dann überhaupt noch existiert. Denn nach monatelangem Ringen soll morgen vor dem Düsseldorfer Amtsgericht das laufende Insolvenzverfahren abgeschlossen werden. Ob positiv oder negativ für den VfR Neuss, das liegt in den Händen der Gläubiger.

Denn sie wurden für Mittwoch, 10.15 Uhr, zum sogenannten Erörterungs- und Abstimmungstermin eingeladen. Dort wird ein Vertreter der mit der Insolvenzverwaltung befassten Kanzlei Andres & Schneider den Gläubigern zunächst noch mal einige Details zum Anfang August bei Gericht eingereichten Insolvenzplan erläutern, danach wird darüber abgestimmt. Im Insolvenzplan wird unter anderem festgelegt, wie viel Prozent der ursprünglichen Forderung eines Gläubigers aus den Restmitteln des Vereins befriedigt werden können. Wie hoch dieser Prozentsatz beim VfR Neuss ist, darüber wollte gestern Thomas Feldmann, Pressesprecher der Kanzlei Andres & Schneider, mit Hinweis auf das nicht öffentliche Verfahren keine Auskunft geben.

Was nötig ist, damit der Insolvenzplan angenommen wird und der VfR Neuss damit nicht aus dem Vereinsregister gestrichen wird, gibt die Insolvenzordnung in §244 vor: Die Mehrheit der abstimmenden Gläubiger muss zustimmen, und die Summe der Ansprüche der zustimmenden Gläubiger muss mehr als die Hälfte der Summe der Ansprüche der Abstimmenden betragen.

"Stimmen die Gläubiger zu und wird das Insolvenzverfahren aufgehoben, ist der VfR saniert und schuldenfrei", sagt Insolvenzverwalter Dirk Andres. Er stand in den vergangenen Wochen in engem Kontakt mit den Gläubigern und sieht durchaus gute Chancen, dass eine Einigung gelingen kann.

Der VfR-Vorsitzende Reinhard Josef Wendt wird es gerne hören, denn er hat in den vergangenen Tagen mit Blick auf den morgigen Gerichtstermin manche schlaflose Nacht hinter sich gebracht. Inzwischen sieht er die Angelegenheit aber schon wieder optimistischer und schmiedet weitergehende Pläne.

Gibt es Mittwoch eine positive Entscheidung, sollen die drei Spieler, die keine Freigabe vom PSV Neuss erhalten haben, abgelöst werden. "Die Mannschaft legt Geld für die Ablösesumme zusammen. Das spricht für den Teamgeist", erklärt Wendt nicht ohne Stolz. Er hat aber auch einen Plan B, falls die Abstimmung negativ ausfallen sollte. "Ich gebe nicht auf. Dann fangen wir als VfR 06/11 Neuss in der Kreisliga C neu an."

(NGZ)