Remscheid: Ein Kompromiss für die Alleestraße ist möglich

Ansichtssache in Remscheid: Ein Kompromiss für die Alleestraße ist möglich

Der Vorstoß der Grünen enthält viel Zeitgeist- Vokabular, aber auch Schnittmengen mit anderen Konzepten für die Innenstadt.

Menschen statt Autos auf die Allee bringen – mit diesem schön zugespitzten Gegensatzpaar bringen sich die Grünen spät in die neu aufgeflammte Allee-Diskussion ein.

Sie haben erkannt, dass es bei diesem wichtigen Thema nicht reicht, nur Dinge abzulehnen (in diesem Fall die Öffnung für den motorisierten Verkehr), sondern dass auch eigene Vorschläge her müssen. Urban Gardening, Open Space und Pedelecs – das ist klassisch grünes Vokabular, das den immer nachhaltiger gestimmten Zeitgeist trifft. Die Grünen rüsten sich für den Wahlkampf.

Jenseits der ewigen Streitfrage, von welchem Verkehrsmittel man sich die größere Belebung für die als Einkaufsstraße immer weniger funktionierende Allee verspricht, finden sich in dem Papier viele Gemeinsamkeiten mit Vorschlägen, die der Stadtplaner Edgar Neufeld für die ISG Alleestraße erarbeitet hat. Auch die Grünen erkennen die drei Gastro-Pavillons als „städtebaulich kontraproduktiv“ an. Und auch der Vorschlag, für die Überbrückung der langen, steilen Strecke vom Markt bis zur Zange einen kleinen E-Bus einzusetzen, steht in dem Konzept, das keineswegs nur die untere Allee, sondern die gesamte Fußgängerzone im Blick hat. Hier könnten sich Ansatzpunkte für eine Einigung ergeben, wenn alle Fraktionen bereit sind, sich für einen Fortschritt auf der Allee aufeinander zu zu bewegen.

Deutlich mehr Sprengkraft als bei der symbolpolitischen Frage nach Elektro-Roller oder Diesel-Auto für den Allee-Ausflug steckt im letzten Absatz des Grünen-Papiers. Bislang hofft die Stadt darauf, die Immobilienbesitzer mit einer Verschönerung der Allee und ihrer Randbereiche zu Investitionen oder einem bezahlbaren Verkauf ihrer leerstehenden Objekte an andere Interessenten zu motivieren. Mit bislang eher bescheidenem Erfolg. Die Grünen wollen nun prüfen lassen, ob man die „stadtplanerische Ohnmacht“ auf weiten Teilen der Allee nicht mit anderen Instrumenten der Stadtentwicklung beenden kann. Hoheitlicher Eingriff in Eigentumsrechte – das dürfte starker Tobak für das konservative Lager des Rates sein.

Die Grünen haben mit ihrem Antrag auf jeden Fall zusätzlichen Schub in die Frage nach der Zukunft der Allee gebracht. Der Rat sollte intensiv diskutieren – und dann endlich mal entscheiden.