Ansichtssache Der Patient ist die Alleestraße

Für die geplante Revitalisierung der Innenstadt ist der Friedrich-Ebert-Platz nicht der zentrale Ort. Die Gelder zur Belebung werden nötiger auf der Alleestraße gebraucht. Das sollte die Politik bei der endgültigen Dimensionierung des Projektes bedenken.

 Henning Röser

Henning Röser

Foto: RP/Gra

Eine geschwungene, von unten beleuchtete Dachkonstruktion, LED-Lichtlinien, die zu den Bussteigen führen. Bäume und Bänke auf einem neuen Stadtplatz mit attraktiver Pflasterung. Der Siegerentwurf im Architektenwettbewerb für den Ebert-Platz wird gut aussehen, wenn er in der aktuellen Planungsstufe realisiert wird. Er wird eine Aufwertung der Fläche bedeuten, die heute nur ihre Funktion als Verkehrsdrehscheibe erfüllt.

Die Frage bleibt, warum sich Stadt und Politik diesen Ort für das teuerste Projekt im Umbau der Innenstadt ausgesucht haben. Der Ebert-Platz ist ein Umsteigebahnhof für Buskunden. Als zentrale Haltestelle der Innenstadt hat sich der Bereich am Allee-Center etabliert. Hier spielt die Musik, hier ist die direkte Verbindung zur Alleestraße gegeben, dem Patienten, der dringender eine Revitalisierung braucht. Der Rathausplatz ist nur einen Steinwurf entfernt. Dem tragen die Stadtwerke Rechnung, wenn sie ihr Mobil-Center im Herbst vom Ebert-Platz ins Allee-Center verlagern.

Zwar stehen auf der To-Do-Liste der Stadtplaner auch einige kleinere Projekte in diesem Bereich. Sie sind aber in ihrer Dimension nicht mit dem Ebert-Platz zu vergleichen. Und sie können erst dann richtig angepackt werden, wenn der Ebert-Platz durchgeplant ist.

Problematisch ist auch, dass sich Stadt und Rat auf ein geschlossenes Wettbewerbsverfahren eingelassen haben. Heißt: Der Ersteller des Sieger-Entwurfes hat Anspruch darauf, die Entwurfsplanung auch erstellen zu dürfen. Darum hatte der Rat am Donnerstagabend auch nichts zu entscheiden.