Remscheid: Dem Honsberg soll ein Licht aufgehen

Aktion in Remscheid: Dem Honsberg soll ein Licht aufgehen

Eine Architektengruppe aus Spanien sucht in dieser Woche den Kontakt zu den Bewohnern im Stadtteil. Gäste aus Madrid entdecken vor Ort noch mehr Potenzial als sie erwartet hatten. Große Licht-Aktion findet am Samstag statt.

Bei allen Honsbergern soll diese Woche ein Licht angehen – und das nicht nur im übertragenden Sinne. Bei der Vorbereitung einer außergewöhnlichen Licht-Aktion, die am Samstagabend dieser Woche stattfinden soll, kommen Architekten eines spanischen Planungsbüros und Projektentwickler der Montag Stiftung „Urbane Räume“ dieser Tage mit den Bewohnern des Stadtteils ins Gespräch. Sie sammeln dabei viele Wünsche und Anregungen, um daraus eine neue Strategie für den von außen oft verschmähten,  vor Ort aber liebenswerten Stadtteil zu entwickeln, der einst im Volksmund „Bergisch Moskau“ hieß.

600 blaue Glühbirnen stehen zur Verfügung, kostenlos. Sie sollen am Samstagabend in den Fenstern der Häuser den Stadtteil zum Leuchten bringen. Ein symbolischer Akt, der ,verbunden mit einem gemeinsamen Spaziergang,  neues Licht auf den Stadtteil werfen soll. Spannende Erkenntnisse erhoffen sich dadurch die Initiatoren der Montag Stiftung, die diese Woche, mit den spanischen Stadtteilplanern aus Madrid vor Ort sind, um die Glühbirnen zu verteilen und zeitgleich mit den Bewohnern ins Gespräch zu kommen. Für sie ist es wichtig zu erfahren, wie der Stadtteil tickt, was den Menschen vor Ort wichtig ist, was sie sich wünschen, um eine passende Strategie zu entwickeln.

Wie wichtig dieser Kontakt ist, macht Architekt Jorge Sobejano (30) deutlich: Der Madrilene hat sich bereits lange im Vorfeld mit dem Remscheider Stadtteil beschäftigt, Studien, Statistiken und Luftbilder studiert. All diese Fakten malten ein Bild in seinem Kopf, dass er bei seinem ersten Honsberg-Besuch im Dezember gleich wieder verwerfen musste. „Aus der abstrakten Betrachtung heraus hatte ich einen guten Eindruck vom Stadtteil, wegen seiner Nähe zur Natur, die hier sehr präsent ist, aber die außergewöhnliche Architektur und die gute Bausubstanz der Häuser hatte ich nicht erwartet“, gesteht der 30-Jährige. „Hier steckt mehr Potenzial, als ich gedacht hätte.“

Aus fachlicher Sicht seien vor allem der Kinobunker und die Kirche St. Bonifatius besondere Gebäude, die auch den Stadtteil außergewöhnlich machen. „Sie sind das Erbe des Quartiers.“

Besonders überrascht sind Sobejano und seine Kollegen Selina Feduchi (30) und Álvaro Molins (32) von der Offenheit der Bewohner „und mit welcher Nostalgie, sie über ihren Stadtteil reden“, sagt Sobejano. Die Menschen wünschten sich eine ordentliche Nahversorgung, besonders wichtig sei ihnen der Erhalt der Ärztin und Apotheke im Ort. Das alles seien neue Impulse für die Stadtteilplaner, die sie mit in ihre Arbeit einbinden wollen. In vielen Werkstattgesprächen, mit diversen Gruppen und Vereinen vor Ort, zeichne sich ein anderes Bild ab, als in der Theorie auf dem Papier.

„Das Image des Stadtteils ist zweifelhaft, aber die Menschen vor Ort fühlen sich wohl. Von innen aus betrachtet ist der Honsberg viel schöner und liebenswerter als er von außen gesehen wird“, bestätigt Projektentwickler Robert Winterhager von der Montag Stiftung Urbane Räume den Eindruck der Spanier. Die Arbeit der Planer bestehe in dieser Woche nun daraus, das Gespräch zu den Bewohnern zu suchen, sich mit verschiedenen Akteuren vor Ort auseinander zu setzen und alle neuen Impulse mitzunehmen, um die neue Strategie zu entwickeln, erklärt Winterhager das Vorgehen.

Höhepunkt dieses Besuchs soll am Samstag der Ideenbasar und die anschließende Licht-Aktion mit Spaziergang sein.

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