Grüne: Menschen statt Autos auf Allee

Remscheider Innenstadt: Grüne: Menschen statt Autos auf Allee

Die Einkaufsmeile soll mit der Öffnung für Räder, Roller, Pedelecs und Skateboards lebensfreundlicher werden. Hochbeete und eine Spielebox sollen Menschen anlocken. Spekulativem Leerstand will man den Kampf ansagen.

Die von der Immobilien- und Standort-Gemeinschaft (ISG) Alleestraße geforderte und von der CDU beantragte Öffnung der unteren Allee für den Autoverkehr ist für die Grünen Stadtentwicklungs-Politik „von vorgestern“. Man sei „sehr verwundert“, dass sich auch SPD-Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz für diese Idee ausspreche. Darum habe man sich entschlossen, dem „etwas entgegenzusetzen“, sagte Ratsherr David Schichel am Freitag vor Journalisten.

In einem Antrag zur Ratssitzung am 28. März fordern die Grünen ein umfangreiches Sofortprogramm. Das Ziel: Die Allee nicht für die Autos, „sondern für die Menschen“ freigeben. Dabei, so betonte Fraktionssprecherin Beatrice Schlieper, habe man die ganze Alleestraße und nicht nur den unteren Bereich im Sinn.

Den Grünen schwebt ein Gemeinsamer Raum („Open Space“) für alle Verkehrsteilnehmer vor, die nicht mit Verbrennungsmotoren unterwegs sind. Nutzer etwa von Fahrrädern, Segways, E-Tretrollern, E-Bikes oder Hoverboards sollen den Straßenraum in beide Fahrtrichtungen nutzen dürfen – allerdings in Schrittgeschwindigkeit. Das Ordnungsamt soll ein Auge auf die Einhaltung der Regeln haben. Bislang sind diese Verkehrsmittel auf der als Fußgängerzone ausgewiesenen Allee nicht erlaubt.

Um der von Leerständen geplagten Einkaufmeile mehr Aufenthaltsqualität zu verschaffen, soll eine Spielebox aufgestellt und Hochbeete angelegt werden. Bürger sollen sie mieten können, um dort Blumen oder Gemüse anzupflanzen. „Urban Gardening“ heißt der Fachbegriff dafür. Die Brunnen auf der Allee sollen wieder in Betrieb genommen werden. Durch den zeitlich begrenzten Verzicht auf Gebühren sollen Gastwirte animiert werden, Tische und Stühle rauszustellen. Freies Wlan soll es auch geben.

Neben dem Sofortprogramm, für dessen Finanzierung die Grünen auf Fördermittel hoffen, soll der Rat noch einige Prüfaufträge beschließen. So soll die Stadt klären, wie sich bereits vorliegende Vorschläge von Bürgern für die Allee in ein Gesamtkonzept einbinden lassen. Geprüft werden soll der Abriss der drei Gewag-Pavillons. Diese seien „städtebaulich kontraproduktiv“, sagte Schichel. Geklärt werden soll zudem die Frage, ob sich ein E-Bus-Shuttle zwischen Markt und Zange einrichten lässt.

Der weitreichendste und wohl kontroverseste Vorschlag kommt am Ende des Papiers. Die Stadt soll „in Hinblick auf den Gebäudebestand alle verfügbaren Instrumente des Bau- und Planungsrechts“ prüfen. Ziel sei es, die „stadtplanerische Ohnmacht“ gegenüber Inhabern zu beenden, die ihre Gebäude lieber aus spekulativen Gründen leer stehen lassen, als sie zu vermieten oder zu sanieren. Von einen möglichen „Eingriff in Eigentumsrechte“ ist in der Begründung die Rede.

Unterstützer für ihr Allee-Paket erhoffen sich die Grünen auch in der SPD. Die sei nicht einheitlich auf der Seite des OB, „sondern blinke in beide Richtungen“, sagte Schichel. Die zweitgrößte Ratsfraktion sei bei dem Thema gespalten.

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