Remscheid: Blick durchs Kirchenfenster

Gotteshäuser in Remscheid: Blick durchs Kirchenfenster

Der große Schatz der Adolf-Clarenbach-Kirche in Reinshagen sind ihre vielen Buntglasfenster. Die Motive regen zum Nachdenken an.

Einerseits ist sie von protestantischer Schlichtheit, andererseits offenbart sie dem Besucher ihre versteckten Schönheiten gerne: Die Rede ist von der Adolf-Clarenbach-Kirche in Reinshagen. Der große Schatz der evangelischen Kirche, deren Grundstein am 29. Juni 1928 gelegt wurde, sind ihre vielen Buntglasfenster, die seit ihrer Renovierung in den Jahren 1997/98 wieder in wunderschönem Glanz und Detailreichtum erstrahlen.

Da ist es ganz gut, möchte der Besucher meinen, wenn man von der Vielzahl an Kleinigkeiten und den vielen zu entdeckenden Details im restlichen Kirchenraum nicht zu sehr abgelenkt wird. Vor allem das dreigeteilte Fenster an der hinteren Wand der Kirche lädt zur Betrachtung ein. Handelt es sich dabei doch quasi um eine „reformatorische Dreifaltigkeit“, bestehend aus den drei großen Reformatoren Martin Luther, Adolf Clarenbach und Philipp Melanchthon. „Die drei Bilder sind gleich aufgebaut: Die Reformatoren haben jeweils ein Buch in der Hand – wobei es sich bei Luther und Clarenbach um die Bibel handelt und bei Melanchthon um ein eigenes Buch mit Schreibfeder“, erklärt Pfarrer Uli Geiler, der bereits seit 1993 in der Clarenbach-Kirche tätig ist.

Geiler teilt sich die Stelle mit seiner Kollegin Sabine Sieger. „Ich bin mit halber Stelle Notfallseelsorger im Kirchenkreis und arbeite die andere halbe Stelle hier in Reinshagen“, sagt Geiler. Es ist die erste Pfarrstelle des Koblenzers gewesen, der zuvor im Hunsrück und in der Eifel seine Ausbildung gemacht hat. Mit den Menschen im Bergischen kommt er hingegen bestens klar, sagt er schmunzelnd. „Der damalige Superintendent hat mir gesagt: Mit den Leuten hier musst du einen Sack Salz essen, dann geht das.“

Neben den drei Fenstern im hinteren Teil der Kirche gibt es noch sehr viel mehr zu entdecken. Etwa die beiden Chorfenster, zwischen denen ein schlichtes Holzkreuz aufgehängt ist. Die Symbolik erschließt sich dem Betrachter sofort: „Links ist der leidende Christus zu sehen, rechts der auferstandene. Zwischen Leiden und Auferstehung steht zwangsläufig der Tod, symbolisiert durch das Kreuz“, sagt Geiler. Dies stehe zunächst für den Tod, allerdings direkt auch für den Anfang des neuen Lebens. „Für alle, die an Jesus Christus glauben, ist das so“, sagt Geiler.

Die Fensterreise ist da indes noch nicht vorbei. Denn in der kleinen Kirche, die Geiler zufolge eher den Charakter einer Kapelle habe, auch wenn 250 Menschen Platz darin fänden, gibt es noch links und rechts weitere Fensterreihen zu bestaunen. „Das ist letztlich umso bemerkenswerter, als ursprünglich gar keine besonderen Fenster vorgesehen waren“, sagt Geiler. Nur durch das große Engagement der Gemeinde konnten die Fenster schließlich finanziert werden. „Es haben sich daran auch viele Fabrikanten beteiligt“, sagt Geiler.

Thematisch sind die beiden Seitenreihen in Bibelszenen auf der linken und in reformatorische Szenen auf der rechten Seite aufgeteilt. „Die Bibelszenen sind dabei nicht chronologisch angeordnet. Es handelt sich um Szenen aus den Evangelien, die Begegnungen Jesu mit ganz unterschiedlichen Menschen zeigen“, sagt Geiler. So sind dort etwa die „Heimkehr des verlorenen Sohnes“, „Jesus bei Maria und Martha“ oder „Jesus segnet die Kinder“ zu sehen.

Auf der rechten Seite ist hingegen etwa der Thesenanschlag Luthers zu sehen, Luther bei der Übersetzung des Neuen Testaments auf der Wartburg, das Clarenbach-Geburtshaus auf dem Buscher Hof zwischen Lüttringhausen und Lennep oder auch die Darstellung des Schwedenkönigs Gustav Adolf, der am 26. Juni 1630 in Stralsund landete und damit den Protestantismus in Deutschland rettete.

Neben den Glasfenstern fällt zudem noch ein weiteres Bild auf, das hingegen ein ganz normales Gemälde ist. „Es ist von Werner Hentzen und wurde ein Jahr nach der Einweihung aufgehängt“, sagt Geiler. Es hängt an der Orgelempore und zeigt Clarenbach auf dem Weg zum Scheiterhaufen in Köln-Melaten. Interessant sei, dass Clarenbach bis in die Physiognomie Martin Luther nachempfunden sei. „Das liegt wohl daran, dass es von Clarenbach kein authentisches Bild gibt“, sagt Geiler.

Für den Pfarrer ist besonders die Nähe zu den Gemeindegliedern wichtig, die er in seiner Gemeinde auch finden kann. „Sie hilft mir, dass ich getragen werde – und auch die Kraft für die Arbeit in der Notfallseelsorge finde“, sagt Geiler. Der ganze Bau symbolisiere für ihn Gemeindenähe. Das sei sehr schön, sagt er – und ergänzt lächelnd: „Nur manchmal wünsche ich mir einen größeren Altarraum.“

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