Brandserie: Angeklagter fehlt vor Gericht

Gericht in Wuppertal: Brandserie: Angeklagter fehlt vor Gericht

Ein 67-Jähriger, der für Heuballen-Brände mitverantwortlich sein soll, schwänzte am Donnerstag erneut den Gerichtstermin.

„Als ich Sie da so alleine draußen stehen sah, habe ich mir schon so meine Gedanken gemacht ...“, eröffnete Richter Lars Petersen die Sitzung am Amtsgericht Wuppertal mit strafendem Blick zum verlegen dreinblickenden Anwalt. Und tatsächlich: Von dessen Mandanten – dem 67-jährigen Angeklagten in der Strohballen-Brandstiftungsserie – war auch diesmal nichts zu sehen. Er hatte bereits beim Verhandlungsauftakt im vergangenen Herbst gefehlt, schon damals saß sein Kompagnon alleine auf der Anklagebank.

Der jüngere der beiden Angeklagten war auch diesmal pünktlich mit Anwalt zur Verhandlung erschienen. Dabei war die Ladung des älteren Angeklagten eigentlich an einen Haftbefehl gekoppelt, der nach dessen Nichterscheinen vor Gericht gegen ihn ausgesprochen worden war. Der Richter musste nun wiederum zugeben, dass dieser Haftbefehl vorläufig zurückgestellt worden war. Warum? Der Angeklagte habe hoch und heilig versprochen, freiwillig zum Prozess zu kommen. Seither hatte er sich brav einmal wöchentlich auf der Remscheider Polizeiwache gemeldet, wie es ihm zuvor aufgetragen worden war.

Nur zur Verhandlung war er wieder nicht gekommen – obwohl er in etliche Fernsehkameras hätte schauen können. Der Richter ließ über die anwesenden Polizisten, die als Zeugen geladen waren, einen schnellen Kontakt zur Remscheider Wache herstellen. Die ließ sofort eine Streife ausschwärmen, um den Angeklagten an seiner Remscheider Wohnanschrift aufzuspüren und ins Gericht nach Wuppertal zu bringen. Vergebens, wie Stunden später festgestellt wurde. Nun wird er also erneut per Haftbefehl gesucht und dann hoffentlich zur nächsten Verhandlung am 6. Juni aus der Haft vorgeführt.

Bei den polizeilichen Vernehmungen hatten beide Angeklagte zuvor die Aussage verweigert. Fest steht bislang nur, dass ein seltener und deshalb auffälliger Ford Puma immer in der Nähe der Brandstätten im Remscheider Norden gesehen worden war. Erst beim letzten Feuer in Birgden nahe der A 1-Brücke hatte eine Bewegungskamera die beiden Tatverdächtigen aufgezeichnet.

Die alarmierte Polizei fand das Auto in der Nähe und staunte nicht schlecht, als sich herausstellte, dass die tatverdächtigen Pyromanen im Kofferraum nicht nur Brandbeschleuniger transportierten, sondern auch einen Propangasbrenner zum schnelleren Entzünden. Ebenso verdächtig waren die frischen Brandverletzungen des Jüngeren – beide Angeklagte sollen zuvor reichlich Alkohol konsumiert haben. Und damit nicht genug: Der Führerschein des Jüngeren und die Kennzeichen waren gefälscht, das Auto nicht zugelassen und auch nicht versichert.

Ein weiteres Indiz für die Täterschaft sieht die Staatsanwaltschaft darin, dass nach der Festnahme der Angeklagten die Brandserie mit einer Schadenssumme von rund 25.000 Euro abrupt endete und auch nicht wieder aufflammte.

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