Remscheid: Brillante Tonkunst beim 6. Philharmonischen Konzert

Kultur in Remscheid: Brillante Tonkunst beim 6. Philharmonischen Konzert

Manchmal sieht man an der hervortretenden Sehne am Hals des Pianisten Joseph Moog, mit welchem Monstrum er am Mittwochabend beim 6. Philharmonischen Konzert im Teo Otto Theater zu kämpfen hat.

Der preisgekrönte Musiker aus Ludwigshafen ackert sich auf brillante Art mit gleichzeitig viel Gefühl und Präzision durch Ernst von Dohnányis Konzert für Klavier und Orchester in h-moll. Und kommentiert seine Zugabe, eine „Nocturne“ von Frédéric Chopin, mit den Worten: „Etwas Kleines nach diesem Monstrum von Klavierkonzert.“

Es ist ein Abend der großen Momente, der musikalischen Breitwand-Epen und der eingängigen Töne. Passend lautet das Motto des Abends „Großes Kino“. Wer nun aber Gefälliges, etwa von Hollywood-Komponist Hans Zimmer, erwartet, muss zwangsläufig enttäuscht nach Hause gehen. Denn mit Dohnányis Werk, dem „Reigen“ aus Alexander von Zemlinskys Ballett „Der Triumph der Zeit“ und Erich Wolfgang Korngolds symphonischem Porträt „The Adventures of Robin Hood“ haben die Bergischen Symphoniker sich keine bekannten Gassenhauer ausgesucht, um das mit rund 250 Zuschauern eher übersichtlich gefüllte Theater zu unterhalten.

Es mag vielleicht an den nicht sehr bekannten Werken gelegen haben, dass nicht mehr Besucher gekommen sind, ganz sicher jedoch nicht an der Qualität des Gebotenen durch die hervorragend aufgelegten Symphoniker und ihres Dirigenten Peter Kuhn. Ganz offensichtlich machen Namen in der Musik eben nach wie vor Leute.

Dabei verspricht schon der Auftakt mit seinen feierlichen und wuchtigen Harmonien in von Zemlinskys „Reigen“ das ganz große Kino. Von dramatisch-harsch bis liebevoll-zärtlich bespielen die Symphoniker in der ganz großen Besetzung die ganze Klaviatur der Gefühle. Und sind damit die ideale Ouvertüre für das „Monstrum von Klavierkonzert“, das zu Beginn hingegen mit gedämpft gespielten Bläsern im Satz an die dramatischen Momente diverser Tarantino-Filme erinnert.

Die drei Sätze gehen nahtlos ineinander über und erinnern in schwelgerischen Momenten an die Filmmusiken früher James-Bon-Filme, während Moog am Klavier alles gibt und bisweilen so viele Noten in kürzester Zeit unterzubringen hat, dass die Dame, die ihm die Noten umblättert, damit kaum hinterherkommt. Der Applaus ist nach der knappen Dreiviertelstunde entsprechend so, als hätte das Publikum gerade die Weltpremiere des neuesten Blockbusters erlebt.

Nach der Pause geht es in die späten 1930er-Jahre. Für die Musik von „The Adventures of Robin Hood“ hat Korngold den Oscar bekommen. Die Fanfaren, die das fünfteilige Werk einleiten, scheinen das auch rund 80 Jahre später noch bejubeln zu wollen. Am Abend der Absage an den No-Deal-Brexit durch das britische Parlament gehen Robin Hood und seine fröhlichen Männer unbeirrt und mal schmachtend, mal dramatisch und furios auf die Jagd, das Gold den Reichen abzuknöpfen und den Armen zu geben. Musik kann glücklich machen. Gemessen an den vielen strahlenden Gesichtern auf und vor der Bühne und dem donnernden Applaus, ist das 6. Philharmonische Konzert ein Glücklichmacher gewesen.

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