AIDS-Hilfe sieht großen Bedarf in Remscheid

Angebot jetzt auch in Remscheid : AIDS-Hilfe sieht großen Bedarf in Remscheid

Seit April berät Jana Kawina vom Wuppertaler Verein in Remscheid. Der Schwerpunkt liegt auf Migranten und Geflüchteten.

Wer bislang in Remscheid Beratung in Sache AIDS und HIV-Infektionen suchte, machte sich häufig auf in Richtung Wuppertal zur dortigen AIDS-Hilfe. Die gründete sich vor 32 Jahren, als die Zahl der Infektionen viel höher war als heute. Seit April diesen Jahres bietet der Wuppertaler Verein nun auch Beratungen in Remscheid an. Mit einer halben Stelle (19,5 Stunden) kümmert sich Jana Kawina um das Thema.

„Der Bedarf ist riesig“, zog sie jetzt im Sozial- und Gesundheitsausschuss eine erste Bilanz. Zwar hat die Stadt der gelernten Krankenschwester und Ergotherapeutin für ihre Tätigkeit einen Raum im Gesundheitshaus in Hasten zur Verfügung gestellt. Den größten Teil ihrer drei Tage pro Woche in Remscheid verbringt Jana Kawina aber unterwegs und berät Menschen bei Informationsveranstaltungen etwa in Schulen. Ihre Erkenntnis: Das Wissen um die Krankheit, die Möglichkeiten der Infektion und Wege der sicheren Vorbeugung ist bei den jungen Menschen deutlich ausbaufähig.

Auch darum liegt der Schwerpunkt ihrer Arbeit in diesen ersten Monaten in der Seestadt auf dem Berge auf der Fortbildung. Menschen etwa, die ehrenamtlich mit Flüchtlingen zu tun haben, haben viele Fragen zum Umgang mit HIV-infizierten Migranten. Es geht sowohl um den Selbstschutz als auch um den richtigen Umgang mit den kranken Menschen. Folgerichtig ist Jana Kawina auch regelmäßig in den Flüchtlingsunterkünften der Stadt zu Gast. Zusammen mit pro­familia, dem Sozialdienst katholischer Frauen, der Diakonie im Kirchenkreis Lennep sowie dem Caritasverband hat sie die Reihe „Frauengesundheit – Beratungs- und Unterstützungsmöglichkeiten“ ins Leben gerufen. Auch mit den Stellen der Stadt Remscheid im Bereich der Flüchtlingshilfe hat sie sich inzwischen vernetzt.

Der Schwerpunkt auf das Thema Migration kommt nicht von ungefähr. Möglich wurde das Remscheider Angebot nur durch ein Förderprogramm des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit, und Soziales in Nordrhein-Westfalen mit dem Titel „HIV-Prävention für Geflüchtete und Migrant*innen“. Der Gedanke dahinter: Diese Menschen werden einerseits weniger durch die üblichen Präventionskampagnen erreicht. Andererseits kommen viele der Geflüchteten aus Regionen der Welt nach Remscheid, in denen die Krankheit viel weiter verbreitet ist als im Westen Europas.

Die enge Eingrenzung ihrer Zielgruppe sorgt aber auch für Probleme, berichtete Jana Kawina im Ausschuss. Wenn etwa schwule Männer ohne Migrationshintergrund sie um Rat fragen, darf Jana Kawina ihnen eigentlich nicht helfen. Leichter verwischen lässt sich das Problem, wenn sie in Schulklassen spricht. Hier hören die deutschen Schüler einfach mit, auch wenn sie offiziell nicht zur Zielgruppe gehören.

Gerne würde die AIDS-Hilfe ihre Beratung breiter aufstellen, doch dafür fehlt das Geld, beziehungsweise der richtige Fördertopf. Schon jetzt finanziert der Verein 11.000 der insgesamt 60.000 Euro Projektkosten für das zunächst auf zwei Jahre aufgelegte Projekt aus eigener Tasche.

Die Bereitschaft, das Thema grundsätzlich zu unterstützen sei sehr groß, sagte Christoph Weber von der AIDS-Hilfe Wuppertal, der allerdings einschränkt: „Bezahlen will es keiner.“