Bergische Symphoniker spielen Liszt

Bergische Symphoniker in Remscheid : Aus dem dunklen Reich der Vergänglichkeit

Der Pianist Alexey Sychev gehört wahrscheinlich zu den jungen Künstlern, die regelmäßig ins Fitnessstudio gehen. Der Mann ist Spezialist für Klavierkonzerte von Franz Liszt. Viele seiner Werke verlangen sportliche Höchstleistungen, so auch sein „Totentanz“.

Der Pianist Alexey Sychev gehört wahrscheinlich zu den jungen Künstlern, die regelmäßig ins Fitnessstudio gehen. Der Mann ist Spezialist für Klavierkonzerte von Franz Liszt. Viele seiner Werke verlangen sportliche Höchstleistungen, so auch sein „Totentanz“. Es entsteht ein kantiger Dialog zwischen Klavier und Orchester. Sychev bearbeitet die Tasten und lächelt, wenn die virtuellen Passagen chaotisch zu tanzen beginnen.

Es fehlt nur noch eine Rockband, um diesen Tastenrausch mit Schlagzeug und Bass einzufangen. Aber wir sind bei Liszt, den Bergischen Symphoniker und im Teo Otto Theater. So verwandelt sich der rockige Liszt unter den Händen von Sychev zum romantischen Liszt. Das Orchester breitet ihm eine elastische Laufbahn aus. Sychev sprinten in den Schlusstakten wie ein Hürdenläufer, der elegant rhythmische Stolperfallen meistert und mit einem furiosen Endspurt glücklich durchs Ziel kommt. Donnernder Applaus.

Das Konzert beginnt mit zerbrechlichen und lyrischen Tönen, mit Schuberts siebter Sinfonie, der „Unvollendeten“. Sie steht ganz im Gegensatz zur Wucht der Komposition von Liszt. Die Cellisten steigen zu Anfang hinab in dunkle Klangwelten. Licht spenden die ersten Violinen, die gegen den Abschwung in die Tiefe einen Aufschwung in die Höhe einleiten. Wie unterm Brennglas führt Generalmusikdirektor Daniel Huppert das Orchester. Im zweiten Satz brillieren vor allem die Solo-Klarinette und Solo-Oboe. Ihre Tonspuren erheben sich wie Friedenstauben über einem dunklen Meer. Hinreißend. Nach der Pause überwiegt die Traurigkeit als Grundstimmung. Mit einem Kratzen und Schaben auf der Solo-Geige beginnt das kleine Werk von Andrzej Panufnik, das der Ermordung polnischer Soldaten durch die Russen bei Katyn gedenkt. Es erweitert sich zu einem Klangbogen mit Trauerflor und geht nahtlos über in Strauss’ „Tod und Verklärung“ – ein Wunderwerk über die Vergänglichkeit des Lebens. Glanzvoll durchmisst Huppert die Räume der Stille und lässt dramatisch die Todesangst aufblitzen. Heftiger Applaus.