Wald und der Sturm - Ausstellung in Remscheid

Ausstellung in Remscheid in der Galerie „Ins Blaue“ : Der Wald und der Sturm

Zehn Künstler zeigen in der Galerie „Ins Blaue“ Arbeiten über die Zerstörungskraft des Klimawandels. Sonntag ist Eröffnung.

Das Orkantief Friederike zog als schwerer Sturm am 18. Januar 2018 über Europa. Im Heimatwald von Christine Burlon bei Bergisch Gladbach brachen uralte Bäume wie Streichhölzer durch. Die Zerstörungswut der Natur sorgte für Trauer und Entsetzen bei Menschen, die täglich sich im Wald aufhalten. Es war nicht der erste Orkan, der übers Bergische Land gefegt ist. Aber dieser Orkan hat die Künstlerin Burlon angeregt, sich mit dem Thema „Natur und Zerstörung“ intensiver auseinanderzusetzen. Sie inspizierte die Stellen, wo der Bruch heftig und deutlich zu sehen war und sammelte Baumsplitter, Baumrinde, Baumfasern und vieles mehr. Das Vorgefundene nahm sie mit in ihr Atelier und gab ihm eine andere Gestalt. Sie entwarf kleine Halterungen aus Ton in unterschiedlicher Form. Starke Eingriffe am Material wollte sie nicht vornehmen. Zurück im Wald platzierte sie die Skulpturen aus Baummaterial an dem Ort der Verwüstung. Sie gab der Natur die Fundstücke zurück.

Manche dieser Skulpturen wirken wie Pflaster auf Verletzungen, wie Zeichen für offene Wunde, wie Mahnmale ohne Aufdringlichkeit. Der Blick der Künstlerin achtet auf strukturelle Ähnlichkeiten zwischen Natur und Kunstobjekt. Als Land-Art-Künstlerin dokumentierte sie ihre Arbeit mit dem Fotoapparat. Die Fotos können eine Ahnung von der Wirkung vor Ort einfangen. Die zerstörten Bäume sind inzwischen von den Forstarbeitern geholt worden. Im Wald hat die Kunst keine Spuren hinterlassen. Nur im Kopf des Betrachters.

In doppelten Bilderrahmen hängen Burlons Arbeiten in der Räumen der Galerie „Ins Blaue“ auf dem Honsberg. Sie läuten nicht die Totenglocken für den Wald. Die Bilder besitzen graphische Sogkraft und wecken Gefühlen von Respekt und Erstaunen, Demut und Trauer, Erhabenheit und Verletzlichkeit.

Burlon gehört zu einer Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern, die sich verabredet haben, zum Thema „Wald und Sturm“ zu arbeiten. Ein Projekt, das von der Kulturförderung NRW unterstützt wurde. Zehn Künstler stellen ihre Werke aus. Jeder hat einen speziellen Zugriff. Der Fotograf Markus Bollen zum Beispiel reichte eine großformatige Fotografie ein. Sie zeigt ein Feld umgeknickter, kahler Bäume. Aber im Vordergrund wuchern die ersten grünen Blätter auf diesem Feld der Verwüstung. Die Hölderlin-Zeile „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“ liegt als Assoziation nahe.

Malerei und Fotografie treffen in den Arbeiten von Christian von Grumbkow und Bollen zusammen. Aufnahmen von dichtem Baumbestand bearbeitet Grumbkow durch Übermalungen. Der Wald erhält einen poetischen Klang, es könnte ein Märchenwald sein.

Katja Wickert legt Tannenzapfen in Wachs ein. Die gefundenen Objekte quillen unterschiedlich stark aus der milchigen, quadratischen Fläche hervor. Mal wirken sie wie braune Striche unter Eis, mal scheinen sie, aus der wächsernen Umklammerung herauszustoßen zu wollen.

Zur Eröffnung der Ausstellung am Sonntag haben die Veranstalter einen prominenten Redner eingeladen. Professor Uwe Schneidewind, Direktor des Wuppertalinstituts, und renommierter Nachhaltigkeitsforscher. Kunst und Politik lassen sich diesmal nicht trennen.