Ansichtssache: Gießkannen-Prinzip in Remscheid

Ansichtssache : Gießkannen-Prinzip

Die Stadt tut sich schwer damit, den punktuellen Geldsegen aus Berlin und Düsseldorf zügig an die Schulen zu bringen.

Die Anregung ist gut, die Antwort ernüchternd. Ob es denn nicht sinnvoller sei, wenn die Stadt neue Rechner und Tablets für die Schulen künftig leasen und nicht kaufen würde, wollte Jörg Bergemann, Rektor der Albert-Schweitzer-Realschule in Lennep, in dieser Woche im Schulausschuss wissen. Es ging um die Frage, wie mit den knapp sieben Millionen Euro umgegangen werden soll, die in den kommenden Jahren durch den sogenannten Digitalpakt nach Remscheid fließen werden. So falle es leichter, den Kindern immer Arbeitsmittel an die Hand zu geben, die einigermaßen auf dem Stand der Technik seien, argumentierte Bergemann.

Die Idee sei grundsätzlich gut, so die Verwaltung. Allerdings sei keineswegs sicher, dass in einigen Jahren immer noch ausreichend Geld für das Leasen neuer Geräte da sein werde. Darum sei man mit dem Kauf auf der sichereren Seite.

In diesem kleinen Dialog spiegelt sich sehr anschaulich das Problem der städtischen Finanzen wider. Zwar hat es die Seestadt auf dem Berge nach vielen, vielen Jahren mit stetig steigender Verschuldung wieder geschafft, in die schwarzen Zahlen zu kommen. Viel Spielraum bringt das aber nicht. Ohne Hoffnung auf Fördergelder oder Ausnahmegenehmigungen für Kreditaufnahmen geht weiterhin wenig.

Das führt zu Verzerrungen. Einerseits fehlt überall Geld, andererseits schütten Land und Bund plötzlich Millionensummen für Investitionen in Schulen über der Stadt aus. So wie der Baum, der nach langer Trockenheit von einem starken Regenguss nur bedingt profitieren kann, tut sich die Stadt schwer, diesen Geldsegen zu kanalisieren. Es fehlen vor allem die personellen Kapazitäten, um die nötigen Vorarbeiten zu erledigen. In den Jahren klammer Kassen hat die Stadt Personal abgebaut. Nun fehlen die Leute. Besonders im Bauamt und im Bereich des Gebäudemanagements knirscht es. Der Druck steigt, weil an deren Vorarbeiten auch die Arbeit anderer Bereiche hängt.

Dass die Politik bereit ist, trotz knapper Kassen neue Stellen zu bewilligen, hilft nur begrenzt. Der Arbeitsmarkt ist zum Teil leer gefegt. Denn auch andere Kommunen wollen die Fördermillionen abrufen und Projekte umsetzen, bevor die Zeiten der aus Steuergeldern gut gefüllten Geld-Gießkanne wieder vorbei sind.

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