Projekt "Vier Jahreszeiten": Arbeitslose bauen in Neukirchen-Vluyn Grünkohl und Salat an

Erfolgreiches Projekt : Arbeitslose bauen Grünkohl und Salat an

Beim Naturschutzprojekt „Vier Jahreszeiten“ verbessern elf Neukirchen-Vluyner ihre praktischen Fähigkeiten und testen ihre persönliche Belastbarkeit. Es ist auch ein Projekt der Nachhaltigkeit.

Michael Schmidt (Name geändert) ist seit Juni aufgeblüht. „Wir sind interkulturell aufgestellt und eine tolle Gruppe“, erzählt der 39-Jährige. „Ich habe Freundschaften geschlossen. Ich habe schon als Helfer im Gartenbau gearbeitet. Jetzt würde ich gerne eine Ausbildung beginnen.“ Er gehört zu elf Neukirchen-Vluynern, die seit dem Frühsommer am Projekt „Vier Jahreszeiten“ teilnehmen. „Alle sind noch dabei“, freut sich Angela Preuß, Jobcenter-Bereichsleiterin für Markt und Integration. „Niemand ist abgesprungen.“

Zurzeit bauen die Teilnehmer Porree, Grünkohl, Blumenkohl, Wirsing, Butterkohl, Zwiebeln und Pflücksalat auf einer Fläche am Waldweg, nahe der Eyller Kirche an der Stadtgrenze von Kamp-Lintfort und Neukirchen-Vluyn. „Wir haben die Fläche umgepflügt, gefräst und mit Pferdemist pur meiner Frau gedüngt“, berichtet Projektleiter Michael Saris. Der gelernte Gärtner für Gemüse und Zierpflanzen hatte zusammen mit Reinhild Freese und Elke Kaspers von der Tuwas-Genossenschaft die Idee für das Projekt „Vier Jahreszeiten“. Sie konnten mit Tuwas-Vorstand Rainer Tyrakowski-Freese das Jobcenter Kreis Wesel überzeugen, es zu finanzieren. „Es gibt Menschen, die lieber draußen arbeiten als im Büro“, sagt Günter Holzum, stellvertretender Geschäftsführer des Jobcenters. „Ziel ist es, sich auf dem Arbeitsmarkt neu zu orientieren und so die Beschäftigungsfähigkeit zu erhöhen. Die Teilnehmer erproben ihre persönliche Belastbarkeit. Im Tiefbau und im Gartenbau werden Mitarbeiter gesucht, zum Beispiel als Pflasterer.“

Gleichzeitig ist es ein Projekt, um Flüchtlinge an den Arbeitsmarkt heranzuführen. Sie stellen die Hälfte der Teilnehmer. „Im Projekt lernen sie schneller die Sprache“, sagt Reinhild Freese. Sie betreut als Sozialpädagogin die Teilnehmer, die neben dem Arbeitslosengeld II eine Aufwandsentschädigung von zwei Euro je Stunde erhalten. Es ist außerdem ein Projekt der Nachhaltigkeit. Die Tuwas-Genossenschaft erhält kostenlos Setzlinge vom Biopflanzenbetrieb Wunderlich in Willich. Sie sind nicht in verkaufbar, weil sie von der Größe und vom Aussehen her nicht den Vorgaben entsprechen, und würden sonst in der Kompostierung landen. Die Teilnehmer lernen neben dem Gärtnern, insektenfreundliche Blühwiesen anzulegen. Ferner gibt die Tuwas-Genossenschaft die biologisch angebauten Produkte gegen eine Spende ab.

Im Dezember läuft das Projekt „Vier Jahreszeiten“ ab. Weil es gut angelaufen ist, will das Jobcenter es im nächsten Jahr zum zweiten Mal auflegen. „Wir werden dafür im nächsten Etat Mittel bereitstellen“, sagen Angela Preuß und Günter Holzum.

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