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Moers: Gedenken an das Kriegsende am Niederrhein vor 75 Jahren

Moers : Gedenken an das Kriegsende am Niederrhein vor 75 Jahren

Rund 100 Menschen fanden sich zu einer Gedenkstunde am Widerstandsmahnmal vor dem Alten Landratsamt ein. Eingeladen hatten der Verein „Erinnern für die Zukunft“ und das Grafschafter Museum. Es war der Tag, an dem vor 75 Jahren US-Truppen in Moers ankamen und die NS-Verantwortlichen die Flucht über den Rhein antraten.

Bernhard Schmidt, Vorsitzender des Vereins „Erinnern für die Zukunft“, und Bürgermeister Christoph Fleischhauer, zugleich Vorsitzender des Vereins „Neue Geschichte im Alten Landratsamt“, sprachen von einer „Befreiung der Stadt, des Landes und Europas vom Faschismus“. Der frühere Bundesminister Jürgen Schmude, der viele Jahre seines Lebens in Moers verbracht hat, berichtete von den schrecklichen Tagen seiner Kindheit zum Ende des Krieges.

Schülerinnen und Schüler der Geschwister-Scholl-Gesamtschule hatten im Projektunterricht mehrere Moerser interviewt, die das Kriegsende in der Grafschaft erlebt hatten. Sie stellten die hochbetagten Männer Hermann Kerschen und Heinz Seemann vor, die Schlimmes erlebt hatten, aber schnell am eigenen Leibe erfuhren, dass die US-Soldaten nicht der Feind waren. Anneliese Raber aus dem zum Kriegsende zerbombten Meerbeck erlebte die Ankunft der US-Amerikaner auf einem Hof in Neukirchen.

Das Fazit der Gespräche war für die Schüler identisch mit dem Text am Moerser Widerstandsmahnmal: Erinnern wir uns und bleiben wir wachsam! Zum Abschluss des Gedenkens stimmten die Gäste mit Christian Harff auf die Melodie der deutschen Nationalhymne die „Kinderhymne“ von Bertolt Brecht an: „Dass ein gutes Deutschland blühe wie ein andres gutes Land“.

Fortgesetzt wurde das Gedenken im Alten Landratsamt. In dem neu gestalteten Vortragssaal erläuterte Hausherrin Diana Finkele das Gesamtkonzept für dieses „Haus der Demokratie“ und stellte die baldige Eröffnung der neuen Ausstellung zur Moerser Geschichte des 20. Jahrhunderts in Aussicht. Große Aufmerksamkeit herrschte im Saal, als die Schüler der Geschwister-Scholl-Gesamtschule in einer Präsentation den schrecklichen Dokumenten aus dem Krieg jeweils gegenüberstellten, was sie mit ihrer Schule heute gegen Rassismus und Intoleranz unternehmen.

Zum Abschluss der Veranstaltung lasen Lena Entezami und Roman Mucha vom Schlosstheater Zeitzeugen-Interviews aus der Dokumentation „Moers unterm Hakenkreuz“ vor. Auch in Moers gab es nämlich jene, die vor 75 Jahren eine Befreiung ersehnten: Karl Coppel aus Vluyn, der als Jude – weil jung und kräftig – fünf Konzentrationslager überlebte, Käthe Märcz, die sozialdemokratische Freundin von Wilhelmine Runge, oder der kriegsuntaugliche Adolfiner Hanns-Dieter Hüsch…