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Künstler aus Suriname stellen in Moers aus

Moers : Suriname auf Kunstexpedition in Moers

Nachdem die Kunst-Initiative „Seewerk“ im Frühjahr mit einer Künstlergruppe in den Norden Südamerikas gereist war, arbeiten aktuell Surinamesen am Silbersee in Kapellen für das gemeinsame Brokopondo-Projekt.

Ein Empfang beim Kulturminister und Berichte im Fernsehen: Als die Delegation um Angelika Petri und Frank Merks, die Macher der Moerser Kunstinitiative Seewerk, im Frühjahr zum Kulturaustausch in Suriname ankam, erwartete sie dort ein großer Bahnhof mit Musik. Frauen und Männer in landestypischen Trachten waren gekommen. Der Kulturminister richtete für die deutschen Gäste einen offiziellen Empfang aus und hieß sie ehemaligen Niederländisch-Guyana im Norden Südamerikas willkommen. „Wir haben jeder eine Urkunde erhalten“, erinnert sich Angelika Petri und erzählt: „Das war eine Überraschung. Und wir standen dort in T-Shirts und Shorts.“ Der Besuch aus Deutschland war in Suriname ein großes Ereignis. „Die Delegation aus Moers war die erste deutsche Künstlergruppe, die zum Austausch in unser Land gekommen ist“, erläuterte gestern George Struikelblok, Vorsitzender der „Federation of Visuel Artists in Suriname“, den Anlass für den Empfang. Der Surinamese befindet sich zurzeit auf Gegenbesuch in der Grafenstadt.

Denn das Kunstabenteuer geht weiter. 15 Künstler aus Suriname wollen zusammen mit ihren deutschen Kollegen am Silbersee in Kapellen neue Kunstwerke schaffen. Ausstellungen in Kalkar, in Neukirchen-Vluyn, auf der Kulturinsel Nepix Kull und auf dem Gelände des Seewerks sind schon geplant. Dass das Brokopondo-Projekt, das sie seit 2016 geplant und vorbereitet hatten, so erfolgreich verläuft, freut Angelika Petri sehr. Benannt ist das Projekt nach einem Stausee in Suriname, für den vor 60 Jahren ein Urwald geflutet worden war. Die deutschen Künstler waren in Suriname nicht nur eingeladen, ihre Arbeiten auf Einladung des örtlichen Kunstvereins G-Artblock zu präsentieren. Im Fort Nieuw Amsterdam, einem Freilichtmuseum und ehemaligen Gefängnis, schufen die Künstler beider Länder gemeinsam Skulpturen.

„Das Museum wurde zum ersten Mal für ein solches Kunstprojekt geöffnet“, betont George Struikelblok. Frank Merks griff die Lebensgeschichte von Anton De Kom für seine Arbeit auf, der als Sklave geboren wurde und später Widerstandskämpfer war. Merks baute in dem Freilichtmuseum das Elternhaus De Koms als Holz-Skelett auf. Auf das Dach des Hauses setzte er eine Schiffsluke, die an das Sklavenschiff „Leusden“ erinnern soll, das 1738 vor der Küste von Suriname unterging. Dabei starben 664 Sklaven. 34 Künstler kamen so im Fort Nieuw Amsterdam zusammen, um sich auszutauschen und an ihren Projekten zu arbeiten. „In Suriname gehen nur wenige Künstler ins Ausland“, sagt George Struikelblok. Ein solcher Austausch biete die große Chance, ihnen zu zeigen, dass es in der Kunst auch andere Wege gibt als die gewohnten. Es hat uns die Augen für die moderne und zeitgenössische Kunst geöffnet. Es gibt so viel Holz in Suriname, aber nur wenige Künstler, die damit arbeiten“, betont er.

Es ist ihm wichtig, internationale Kontakte für die Kunst seines Landes aufzubauen. In Moers werden diese nun vertieft. Die Künstler aus Suriname wollen für die Kulturinsel eine große Installation schaffen, die viel über die Kultur ihres Landes erzählt. „Unsere Bevölkerung ist zwar klein, dafür ist sie geprägt durch afrikanische, indische, chinesische und arabische Einflüsse. Geplant sind mehrere große Blöcke und Paddel, die mit Symbolen und Zeichen einer alten afrikanischen Kultur bemalt sind. „Victory“ ist der Titel der Installation: „Weil wir Gewinner sind und Suriname aus vielen verschiedenen Nationalitäten aufgebaut haben“, erläuterten Struikelblok und Künstler Jhuniy Udenhout. Das Ergebnis des Künstleraustausches sind drei Ausstellungen in der Region unter dem Titel „Grenzüberschreitungen“ – ab dem 25. August im Museum Kalkar sowie ab dem 1. September im Seewerk Kapellen und in der Kulturhalle Neukirchen-Vluyn.