DKM-Mitgründer im Interview: Ein Lebenstraum geht in Erfüllung

DKM-Mitgründer im Interview: Ein Lebenstraum geht in Erfüllung

Am 22. Januar 2009 wurde das Museum DKM an der Güntherstraße 13-15 eröffnet. Dort wird unter dem Motto „Linien stiller Schönheit“ die faszinierende Kunstsammlung von Dirk Krämer und Klaus Maas (=DKM) präsentiert, die einen Zeitraum von 5000 Jahren umfasst.

Als wir telefonisch mit Klaus Maas einen Interviewtermin vereinbarten und sagten, dass wir beispielsweise die Frage stellen wollten, wie die Kunstsammlung zustande gekommen sei, da schrieb Maas „nur für mich selber“ seine Antwort auf. Es wurden einige Seiten, die er dann beim Gespräch in seinem Museum mitbrachte. „Natürlich können Sie das alles nicht schreiben, aber für mich war es mal wichtig, mir das selber alles klar zu machen“, sagte er. 

Wenn man mit Maas darüber spricht, wird schnell deutlich, dass seine Kunstsammlung und sein ganz persönlicher Lebensweg eng miteinander verbunden sind. Schon als Schüler beschäftigte sich Klaus Maas mit Kunst, experimentierte selber mit verschiedenen künstlerischen Ausdrucksformen. Mit 15 Jahren stellte er aus Katalogen und Zeitschriften eine eigene kleine Kunstgeschichte zusammen, die er später einem Kunstlehrer schenkte, die dieser gut für den Unterricht einsetzen konnte. Die Kunst als Beruf sei für ihn nie in Frage gekommen.

Schon früh war klar, dass er den Kaufmann-Part im großelterlich gegründeten Bauunternehmen übernahm, während der ältere Bruder Bauingenieur wurde. Aber immer sei er einen „parallelen“ Lebensweg gegangen: Kunst und das Moerser Bauunternehmen. Eine Art Erweckungserlebnis hatte er als junger Student der Betriebswirtschaftslehre Ende der 60er Jahre auf einer Ferienreise im Tessin, wo er in einem Antiquariat auf kleine asiatische wirkende Collagen traf. Über den Erwerb dieser Collagen kam Maas mit Künstlern, Kunstsammlern, Literaten und letztlich sogar mit dem Architekten des späteren Museum DKM in Kontakt. Später richtete Maas zusammen mit seiner Familie die Galerie „Linie“ in Moers ein. „Wir waren unsere besten Kunden“, meint Maas schmunzelnd. Anfang der 90er Jahre begegnete Maas seinem späteren Lebensgefährten und Ehemann Dirk Krämer, der viel in Asien arbeitete. Beide lernten die dortige Kunsttradition kennen. Die Kunstsammlung DKM wuchs. 1999 eröffneten Dirk Krämer und Klaus Maas gemeinsam ihre Fenstergalerie am Innenhafen, wo die Werke zahlreicher Künstler der regionalen und internationalen Kunstszene elf Jahre lang gezeigt wurden. Vor neuneinhalb Jahren folgte dann die Eröffnung des Museum DKM. Dort werden Kunstwerke aus der Antike bis zur Gegenwart gezeigt, geeint unter dem Motto „Linien stiller Schönheit“. „Mit dem Museum DKM geht für uns ein Lebenstraum in Erfüllung“, sagt Klaus Maas. Nun die anderen Fragen…

Wie sehen Sie den Stellenwert des Museum DKM in der nordrhein-westfälischen Museumslandschaft?

Maas: Die Industrialisierung ist der Nukleus vieler Sammlungen dieser Region mit meist ausschließlich zeitgenössischer Kunst, die fast in jeder Stadt unter ähnlichen Bedingungen entstanden sind und vom frühen kulturellen Reichtum des Ruhrgebiets zeugen. Nur wenige, aber sehr bedeutsame Sammler wie Karl Ernst Osthaus, von der Heydt oder Werner Müller von der Insel Homboich haben die weltweiten Hochkulturen früherer Zeiten von Anfang an gleichzeitig mit der Moderne gepflegt. Diesen Weg haben wir aufgegriffen, eigentlich intuitiv. Wir sind aber immer mittelständische Sammler geblieben, die mit begrenzten Mitteln, aber wachen Augen neue Nischen entdeckt haben, in denen wir auf höchstem Niveau bis dahin nicht wahrgenommene Entwicklungen „seitwärts“ des internationalen Kunstmarktes aufgreifen. Kurzum: Wir betrachten uns als wichtige Ergänzung der seit langem bestehenden Museumsszene.

Wer besucht Ihr Museum?

Maas: Wir führen von Anfang an eine Besucherstatistik. Etwa 70 Prozent unserer Besucher kommen aus Nordrhein-Westfalen, je zur Hälfte mit der Postleitzahl 47, also Duisburg und Niederrhein. Die übrigen 30 Prozent kommen je zur Hälfte aus den anderen Bundesländern und dem Ausland, worauf wir besonders stolz sind. Frauen und Männer sind etwa gleichverteilt.

Haben Sie auch einen Überblick über die Altersstruktur?

Maas: Zehn Prozent sind unter 25 Jahre alt, 30 Prozent sind zwischen 25 und 50 Jahre alt, die übrigen sind 50 Jahre und älter. Dazu muss man sagen: Da wir uns keine eigene Museumspädagogik-Abteilung leisten können, haben wir unseren Fokus auf überschaubare Schulgruppen mit ausgewählten Künstlern oder „Botschaftern“ des Museums ausgerichtet.

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Sie haben nur am Samstag, Sonntag, an Feiertagen und an jedem ersten Freitag im Monat Ihr Museum geöffnet. Ist das nicht zu wenig?

Maas: Für angemeldete Gruppen öffnen wir auch an den anderen Tagen. Zusätzlich führen wir Sonderveranstaltungen in unseren Räumen durch, die immer mit einem Muumsbesuch gekoppelt sind. Unter dem Strich kommen an den so genannten Schließungstagen etwa genauso viele Menschen wie an den regulären Öffnungstagen. Wir sind da sehr unkompliziert.

Wie kommen Ihre Sonderausstellungen zustande?

Maas: Wir haben in unserer Sammlung einen begrenzten Künstlerstamm, mit dem wir immer wieder zusammen arbeiten, um – wie auch in den Künstlerräumen der Dauerausstellung - das Gesamtwerk uns nahestehender Künstler in den Vordergrund zu stellen. Ebenso halten wir es mit den Themenräumen, die aus der Sammlung entstanden sind und gezielt durch begleitende Sonderausstellungen unter wechselnder Thematik mit neuen Ausrichtungen erweitert werden.

Wer kuratiert Ihre zahlreichen Ausstellungen?

Maas: In der Regel Dirk Krämer und ich. Im Ausnahmefall beauftragen wir externe Kuratoren wie Roger M. Buergel, der unsere Ai Weiwei-Ausstellung begleitete.

Sind bei Ihnen noch Wünsche offen?

Maas: Über die gute Zusammenarbeit mit den Ruhrkunstmuseen und der Ruhr-Touristik hinaus begrüßen wir Kooperationen mit weiteren Kulturteilnehmern. Wir wünschen uns, dass die kulturelle Leistung der Museen in Nordrhein-Westfalen deutlicher wahrgenommen wird. Dazu können die Medien ja auch beitragen… Nicht zuletzt suchen wir Zustifter, die an unserer Museumsarbeit interessiert sind und die das Museum über das Leben der Stiftungsgründer hinaus für die Öffentlichkeit dauerhaft sichern.