Moers: Moerser Kunstexpedition nach Suriname

Moers: Moerser Kunstexpedition nach Suriname

Das Suriname-Abenteuer geht für Angelika Petri und Frank Merks vom Seewerk Kapellen weiter: Am 20. März reisen sie mit sieben weiteren Künstlern vom Niederrhein zum Kulturaustausch in das ehemalige Niederländisch-Guyana im Norden Südamerikas.

Am Anfang stand ein versunkener Urwald in Suriname, vor 60 Jahren durch einen Stausee geflutet. Sein Holz fasziniert noch heute. Walaba gilt als hochwertig und ist in aller Welt begehrt. Die Bildhauer Anatol und Frank Merks lernten es über einen Importeur kennen und als Material für ihre Kunst schätzen. Bald war die Idee geboren, die Werke in Surinam selbst auszustellen. Das war 2016. Heute steht Frank Merks "Thron" als Geschenk ans Volk im Präsidentenpalast, Anatol Herzfelds "Demokratie" fand im Parlament des Landes ihren Platz. Und das Suriname-Abenteuer geht weiter. Aus der ersten Reise nach Südamerika ist der Plan eines Künstler-Austausches erwachsen, der in wenigen Tagen in die Tat umgesetzt wird: das Brokopondo-Projekt, benannt nach dem Stausee, der die Baum-Giganten vor 60 Jahren verschluckt hatte. Die beiden Seewerk-Macher Angelika Petri und Frank Merks reisen mit den Künstlerin Daniel Spellan, Radovan Matijek, Frank Göllmann, Gloria Göllmann, Tim Eiag, Günter Krajewski und Ben Severin nach Surinam.

Jeder hat eines seiner Kunstwerke im Gepäck, um es einige Tage nach der Ankunft in einer Begrüßungsausstellung des örtlichen Kunstvereins G Artblok zu präsentieren. Weiterer Partner in Suriname ist die Federation of Visual Artists (FVAS), auf deutscher Seite ist es der Kulturraum Niederrhein. Das Brokopondo-Projekt setzt auf die kreative Begegnung zwischen den Künstlern und den kulturellen Biografien beider Orte. "Suriname und der Niederrhein sind ja beide auf unterschiedliche Weise durch die Niederlande beeinflusst worden", betont Angelika Petri als Kuratorin der Kunstexpedition nach Südamerika.

Das Projekt soll deshalb einen konkreten und ortsgebundenen Zusammenhang herstellen. Künstler aus Deutschland und aus Suriname werden gemeinsam im Fort Nieuw Amsterdam, einem Freilichtmuseum und ehemaligen Gefängnis, Skulpturen erstellen, die Brücken in beide beteiligten Länder schaffen. Das Fort weist laut Angelika Petri architektonische Parallelen zum Moerser Schlosspark auf. Es ist als Fünfeck mit fünf Bastionen errichtet. Frank Merks hat sich darüber hinaus mit einer historischen Persönlichkeit Surinames beschäftigt: Anton De Kom. Er wurde als Sklave geboren, war später Widerstandskämpfer und Kommunist. "Er starb im Konzentrationslager Bad Sassendorf. Sein Elternhaus in Suriname ist denkmalgeschützt und verfällt gerade", erzählt Angelika Petri.

Merks wird De Koms Elternhaus als Skelett wieder aufbauen. Drauf will er ein Sklavenschiff setzen. Die "Leusden" war ein Sklavenschiff der niederländischen Westindien-Kompanie, das 1738 vor der Küste von Suriname unterging. Hierbei starben 664 Sklaven. Vier Wochen bleibt die Delegation in Suriname, erkundet Land und Menschen. Für Juli/August ist der Gegenbesuch der surinamischen Künstler geplant. Ergebnisse des Austauschs werden auch hier ausgestellt: für die Moerser Kulturinsel "Nepix Kull" wird eine Gemeinschaftsarbeit der surinamesischen und deutschen Künstler entstehen. Eröffnung: 1. September. Zeitgleich präsentieren alle Künstler ihre Arbeiten und Eindrücke vom Brokopondo-Projekt in Form von Malerei, Bildhauerei, Installationen und Performances im Seewerk Kapellen. Erstmals wird das städtische Museum Kalkar ein Ausstellungsort für Seewerk-Projekte sein. Eröffnung: 2. September. Ein weiterer Ausstellungsort ist die Kulturhalle in Neukirchen-Vluyn. Dort werden ab dem 13. September die Werke zu sehen sein, die die Künstler zuvor im Klärwerk Neukirchen-Vluyn erarbeitet haben werden.

(RP)