Jobscouts helfen Flüchtlingen in Moers und Xanten

Jobscouts : Pfadfinder in der Arbeitswelt

Die Unterbringungseinrichtungen des Landes NRW haben sie hinter sich gelassen. Sie lernen die deutsche Sprache und haben im besten Fall bereits eine Aufenthaltserlaubnis. Und dann? Der Weg in die Arbeitswelt ist für Flüchtlinge steinig, aber unerlässlich für die weitere Integration. Damit er nicht in der Sackgasse endet, gibt es beim Caritasverband Moers-Xanten das Projekt Jobscout.

Nicht nur im Unternehmen müssen die Zahlen stimmen, sondern auch bei Projekten der freien Wohlfahrtspflege. Die vier Jobscouts im Caritasverband Moers-Xanten haben sehr konkrete Vorgaben: 240 Flüchtlinge sollen Dörte Dreher-Peiß, Alice Püplichhuisen, Ghazaleh Hinzen und Andrea Mühle in zwei Jahren den Weg in die Arbeitswelt weisen. Etwa zehn Prozent sollen am Ende dauerhaft Arbeit gefunden haben. Noch ein halbes Jahr ist es bis zum Ende der Projektlaufzeit und 230 Klienten sind bereits in Beratung von Dreher-Peiß und ihre Kollegen. „Die Zahlen sind top. Sie zeigen, wie viel Sinn dieses Projekt macht“, sagt die Koordinatorin.

Am 1. Januar 2017 haben die Jobscouts ihre Arbeit, in dem von der Deutschen Fernsehlotterie mit 200.000 Euro geförderten Projekt, aufgenommen. Die Jobscouts führen genau Buch: 21 Praktika haben sie bis zu Beginn des Jahres vermittelt zum Beispiel in eine Bäckerei und in eine Friedhofsgärtnerei. 23 Klienten haben inzwischen feste Jobs gefunden etwa als Hilfsarbeiter in einer Malerwerkstatt oder als Buchhalter bei einer Fluglinie in Düsseldorf. Dreiundzwanzig Flüchtlinge haben eine Ausbildung begonnen – als Stuckateur, Krankenpfleger und Informatiker. Dreher-Peiß ist überzeugt: „Da wachsen gute Arbeitskräfte nach, aber es bedarf am Anfang einiger Anstrengung und Geduld und Zeit, um die Integration auf dem Arbeitsmarkt gelingen zu lassen.“ Zeit ist ein wesentlicher Faktor, den Klienten und Berater investieren und viele Klienten befinden sich noch im laufenden Prozess. So ist die Hoffnung bei allen Beteiligten groß, dass Möglichkeiten gefunden werden, das Projekt in eine Anschlussfinanzierung zu bringen.

Die Jobsuchenden, die bei Dreher-Peiß und ihren Kollegen Rat suchen, sind meist zwischen 18 und 37 Jahre alt. Viele kommen über das Jobcenter und die Migrationsberatung. Vier Fünftel sind Männer. Die meisten kommen aus Syrien, viele aus dem Irak, zunehmend auch aus Eritrea und anderen afrikanischen Ländern.

Gerade zu Beginn mussten die Jobscouts sich und den Flüchtlingen die Pfade durch das Dickicht der Arbeitswelt erst bahnen. „Es gab keinen Überblick über Strukturen und Angebote. Für jeden Einzelnen mussten wir einen Weg suchen. Inzwischen können wir Fälle und Bedarfe bündeln“, erzählt Dreher-Peiß.

Auch wenn die Flüchtlinge viele Fertigkeiten mitbringen: Meist hapert es an Papieren. Es fehlen Zeugnisse. Die Gleichwertigkeit von Abschlüssen aus Schule, Studium und Ausbildung muss bei den Bezirksregierungen oder Kammern beantragt werden. „Wir müssen bei jedem Einzelnen schauen, wo die Kompetenzen liegen und womit er beim Einstieg punkten kann. Den Job von der Stange gibt es bei uns nicht“, sagt Dreher-Peiß.

Auch wenn die Jobscouts inzwischen routinierter die Wege zwischen Flüchtlingen und Arbeitgebern bahnen: Jeder bleibt ein Einzelfall. Am Anfang jeder Beratung gibt es ein Profiling, auf dem Daten zum beruflichen Werdegang, Schulausbildung, Sprach- und EDV-Kenntnisse, Fahrerlaubnis, aber auch persönliche Kompetenzen und Hobbies erarbeitet werden. „Meine Arbeit besteht aus vielen Einzelsitzungen“, erzählt Ghazaleh Hinzen, die mit Andrea Mühle in Moers an der Augustastraße für die Beratung zuständig ist.

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Manche Klienten müssen sich neu orientieren und erst ihre Fähigkeiten definieren, manche werden von Kriegs- und Fluchttraumata zurückgeworfen, manche wollen in ihren früheren Beruf zurück, aber ihnen fehlt die formale Anerkennung des Berufs in Deutschland. Mit dem Beratungsgespräch ist Hinzens Arbeit deshalb nicht erledigt. Danach recherchiert sie, klärt Möglichkeiten und Förderprogramme ab, telefoniert mit dem Jobcenter, der Bezirksregierung, Berufsverbänden, der IHK und Zeitarbeitsfirmen.

Oft drohen gerade gut ausgebildete Flüchtlinge an den Formalien zu scheitern. Wie etwa der Röntgenassistent aus Syrien. „Seine Qualifikation wurde hier nicht anerkannt. Er brauchte aber ein deutsches Zertifikat für eine Festanstellung. Überall, wo er ein Praktikum machte, sagte man: Wir würden ihn ja sofort nehmen, wenn … Die komplette neue Ausbildung an einer Röntgenschule hätte das Jobcenter nicht bezahlt. Der Mann hatte zwölf Jahre in einem Krankenhaus in Syrien gearbeitet, er war total verzweifelt“, erzählt Hinzen. Schlussendlich fanden die Jobscouts eine Lösung: Eine Röntgenschule erklärte sich bereit, den Mann punktuell nach Bedarf fortzubilden.

Auch Missverständnisse sind keine Seltenheit: Ein Mann aus dem Iran war frustriert, weil man ihn zum Arbeiten immer auf Bauernhöfe in den Kuhstall schickte. „Er hatte angegeben, dass er in der Landwirtschaft gearbeitet habe“, erzählt Hinzen. Hatte er auch, aber als Mechaniker für Landmaschinen. Jetzt repariert hat er einen Arbeitsvertrag bei einem Technologie-Unternehmen und repariert für sie Melkmaschinen.

„Es ist fatal, wenn die Menschen kein Weiterkommen erleben“, sagt Dreher-Peiß. „Für den Anfang ist eine gemeinnützige Tätigkeit in Ordnung, aber dann wollen die motivierten Leute, dass es weiter geht. Nicht selten wird ihnen dann aber ein Stein nach dem anderen in den Weg gelegt.“

Auch Unterschiede zwischen den Kulturen können sich als Stolpersteine erweisen, weiß Hinzen, die selbst aus dem Iran stammt. Der Knigge am deutschen Arbeitsplatz ist vielen fremd. „In orientalischen Ländern gehört es zum Beispiel zum guten Ton, bescheiden aufzutreten. In einem Bewerbungsgespräch hier wird das oft falsch verstanden. Deshalb müssen wir den Leuten klar machen: Du musst sagen und zeigen, was Du kannst.“