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Mönchengladbach: Künstler und Kulturschaffende geraten durch Coronakrise finanziell in Not

Kultur in Mönchengladbach : Wie Kreative die Coronakrise meistern

Das kulturelle Leben ist stillgelegt, die Existenz vieler Kreativer ist gefährdet. Das TiG ruft zu Stuhlpatenschaften auf.

Die gute Nachricht vorweg: Trotz der angespannten Lage und den finanziellen Ausfällen sind viele freiberufliche Künstler gefasst – und bleiben aktiv. Im Moment gilt: „Gesundheit ist doch das höchste Gut“, sagt Gitarrist Paddy Zimmermann. Damit drückt er aus, was viele gerade empfinden. Die freiberuflich tätigen Künstler trifft die Stilllegung des kulturellen Lebens durch die Coronakrise in besonderem Maße: Konzerte und Ausstellungen abgesagt, Unterricht verboten. Es bedeutet nicht nur, dass die Künstler mit ihrer Kunst allein bleiben, sondern es sorgt für erhebliche finanzielle Einbußen.

Wilko Austermann kuratiert mit Klaus Schmitt die Ausstellungen im Kunstverein MMIII. Als freier Kurator arbeitet er an zahlreichen Projekten, die jetzt in der Luft hängen. Außerdem ist er freier Mitarbeiter im Museum Kunstpalast in Düsseldorf. „20 Führungen fallen weg ebenso wie einige kuratorische Projekte. Es ist frustrierend“, stellt er fest. Doch Austermann versucht das Beste aus der Situation zu machen. „Ich denke positiv und arbeite mich inhaltlich in die anstehenden Themen ein.“ Als Freiberufler weiß der Kunstvermittler, dass man finanzielle Rücklagen bilden muss.

Auch Musiker Paddy Zimmermann, der privaten Gitarrenunterricht erteilt, kann auf ein kleines finanzielles Polster zurückgreifen. Seine Konzerte sind bis zum Sommer abgesagt. Zimmermann gibt ab sofort mit Kollegen Onlinekonzerte auf Facebook – gegen eine Spende. Seine Schüler können weiter lernen: Der Musiker erteilt Online-Unterricht. „Viele Schüler haben mich darum gebeten“, sagt er.

Die bildende Künstlerin Christiane B. Bethke beschreibt die derzeitige Situation als „surreal“. Sie führt Bildungsprojekte durch, die nun nicht mehr stattfinden. „Aber ich kann in mein Atelier gehen. Ich werde an meinen Ideen arbeiten“, erklärt Bethke. „Ich wünsche mir, dass wir aus der Krise etwas lernen. Darin liegt immer auch eine Chance. Das ist mein Strohhalm.“

Sinan Heesen sieht das Theater im Gründungshaus (TiG) in Gefahr. Er hat jetzt eine Stuhlpatenschaft ins Leben gerufen. Foto: Ilgner Detlef (ilg)/Ilgner,Detlef (ilg)

„Wir kriegen das gestemmt“, lautet die Devise von André Spajic. Er ist Musiker und Lehrer für Schlagzeug. Bis Ende April wurden acht Konzerte abgesagt. Seinen Unterricht hat er auf Skype- und Whatsappvideo umgestellt. Er hat Maßnahmen getroffen, finanziell nicht abzurutschen. Bei der Künstlersozialkasse hat er sein voraussichtliches Einkommen nach unten korrigiert, was ihm Entlastung bei den Zahlungen bringt. Der Staat müsse denen helfen, die nicht durch die Krise kommen. „Wir hoffen, dass es im Herbst wieder aufwärts geht“, sagt Spajic.

Paddy Zimmermann gibt  seinen Schülern online Unterricht. Foto: Andreas Gruhn

Die Künstlerin Christiane Behr hätte jetzt eine Ausstellungseröffnung gehabt. Abgesagt. Die Kulturnacht: Abgesagt. Eine Ausstellung in Karlsruhe: Aufs nächste Jahr verschoben. Aber Behr lässt sich nicht unterkriegen: „Existentiell ist es zwar beängstigend. Aber ich wünsche mir, dass etwas Positives aus der Krise entsteht.“

Agnes Jaraczewski ist Leiterin des Kulturbüros. „Die Stimmung ist besonnen. Die Künstler gehen konstruktiv mit der Lage um“, berichtet sie. Was die angekündigten Soforthilfen für Künstler angeht, überschlugen sich Ende der Woche die Nachrichten. „Wir leiten alle Informationen weiter“, verspricht Jaraczewski.

Auch für Unternehmen im Kulturbetrieb wird gerade die Luft dünn. Sinan Heesen, Pächter der Kaiser-Friedrich-Halle und des Theaters im Gründungshaus (TiG), hat Alarm geschlagen. „Das TiG knickt ein. Es gibt derzeit einen hundertprozentigen Umsatzrückgang“, sagt der Unternehmer. Knapp 10.000 Euro Fixkosten — Personalkosten nicht mitgerechnet — monatlich verursache das TiG, das in normalen Zeiten über die Heesen Gruppe querfinanziert werde.

Um die Existenz des TiG zu retten, hat Heesen nun die Stuhlpatenschaft ins Leben gerufen. Mit 39,50 Euro jährlich können Kulturfreunde für einen von 300 Stühlen Pate werden. Ihr Name wird dafür auf einer Wand des Theaters veröffentlicht und es wird eine Einladung zu einer TiG-Veranstaltung geben.

Heesen rechnet mit einer Durststrecke von einem halben Jahr. „Ich glaube nicht, dass ab 19. April alles wieder normal läuft. Und selbst wenn, käme dann der veranstaltungsarme Sommer.“