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Mönchengladbach: Freiluft-Kultur für Kurzentschlossene

Kunst umsonst und draußen : Freiluft-Kultur für Kurzentschlossene

Theater und Konzerte sind wegen des Coronavirus abgesagt. Ausstellungen sind geschlossen. Bleiben den Kulturinteressierten die Kunstwerke im öffentlichen Raum. Eine kleine Auswahl von Mönchengladbachs Kunst umsonst und draußen.

Auf dem großen freien Platz vor der hölzernen Seitentür des Mönchengladbacher Münsters, empfängt ein Mensch mit offenen Armen jeden, der vorbeigeht. Das ist in Coronazeiten ungewöhnlich. Allerdings handelt es sich bei diesem Menschen um eine Bronzefigur der Mönchengladbacher Künstlerin Maria Lehnen. Das kulturelle öffentliche Leben in der Stadt liegt brach. Dennoch mangelt es nicht an Kunst und Kultur – umsonst und draußen. Bei einem kurzen Spaziergang oder auf dem Weg zum Supermarkt lässt sich der eine oder andere Blick auf Skulpturen und Bilder erhaschen, und damit kann man sich für einen Moment wohltuend vom Coronavirus ablenken.

Maria Lehnen arbeitet als Malerin und Bildhauerin. Ihre Figuren wirken oft wie in einen Kokon gehüllt, dennoch aber ungewöhnlich kraftvoll und präsent.

Hinter der Figur, auf der Holztür des Münsters, kann man – geht man nur nah genug heran – eine Hinterlassenschaft von Joseph Beuys entdecken: Anlässlich der Karfreitagsaktion „Friedensfeier“ 1972 ritzte Beuys das Wort „Exit“ an die Außenfront der Eingangstür des Münsters und machte den Eingang zum Ausgang. Der Kirchenraum ist also zum Weg nach draußen geworden.

Läuft man die Münstertreppe in Richtung Geroweiher hinunter, wird man bald der „Frau“ von Georg Ettl gewahr. Neun Meter hoch ist die rostige Stahlfigur. Wie alle Figuren des Bildhauers, der seinen Lebensabend in Viersen verbrachte, ist auch die „Frau“ flächig gearbeitet, sehr reduziert gestaltet und im strengen Profil gezeigt.

Auf der kleinen Fläche vor dem Rathaus, dort wo sich in früheren Zeiten die parkenden Autos drängten, steht heute der „Turmbau zu Babel“ aus dem Jahr 2002. Eine Skulptur des Aachener Künstlers Thomas Virnich, der seit vielen Jahren seinen Lebensmittelpunkt sowie sein Atelier in Mönchengladbach hat. Die Erzählung über die Überheblichkeit des Menschen, wie Gott zu sein, hat Virnich in ein Gebilde übersetzt, das aus einer fast schon unübersichtlichen Anhäufung von Architekturfragmenten und Gegenständen besteht. Das Ganze ist in Bronze gegossen und farbig gestaltet. Es ist genauso fragil wie viele vermeintliche Errungenschaften der Menschheit.

Kommt man an der alten Polizeiwache an der Rathausstraße 2 vorbei, sollte man kurz den Kopf heben. Es ist bei vielen Gebäuden oft überraschend und unterhaltsam, was man entdecken kann. An der alten Wache sind es kleine Goldgräber, die der Mönchengladbacher Bildhauer Emil Hollweg zu Anfang des 20. Jahrhunderts gestaltete. Was haben Goldgräber mit der Polizei zu tun? Gar nichts. Aber: In der alten Polizeiwache war früher ein Bankhaus untergebracht. Von Hollweg stammt übrigens auch das Standbild des Balderich vor dem Rathaus.

Der Bunte Garten ist nicht nur eine botanische Augenweide. Auch dort lassen sich Kunstobjekte finden. Wie ein Pfeil ragt die 14 Meter hohe Lichtstele aus dem Jahr 1970 von Heinz Mack im Bunten Garten auf der Wiese vor der Rückseite der Kaiser-Friedrich-Halle auf und sorgt für einen freien Blick weg vom Boden in den Himmel. Und für unzählige Lichtbrechungen durch die Metallplättchen auf der Stahlsäule. Der Zéro-Künstler der ersten Stunde, Heinz Mack, lebt und arbeitet in Mönchengladbach.

Auch Wolfgang Hahn lebt und arbeitet in Gladbach. Im Park versteckt auf Höhe der Beethovenstraße findet sich die „Figur aus zwei Teilen“, die dort im Rahmen der Euroga 2002plus installiert wurde. Wolfgang Hahn entwickelte konstruktive Skulpturen, die miteinander in Beziehung treten. Im Bunten Garten findet sich auch Hahns Sitz 1 aus Basaltlava.

Zum Abschluss ein Abstecher auf den Städtischen Hauptfriedhof: Dort wurde vor drei Jahren das Reiterstandbild nach Entwürfen des 2014 verstorbenen Georg Ettl aufgestellt, das an die Opfer der nationalsozialistischen Militärjustiz erinnert, vor allem jenen, die sich dem Wahnsinn des Krieges widersetzten. Ettls Reiterstandbild kommt ohne Reiter aus. Dafür hat es ein goldenes Kapitell in Form einer Pflanze und einen Steinhaufen statt Sockel. Davor sind Sätze von Brecht aus der „Deutschen Kriegsfibel“ zu lesen. Sigrid Blomen-Radermacher

Hier geht es zur Bilderstrecke: Diese Kunstwerke an frischer Luft gibt es in Mönchengladbach