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Kamp-Lintfort: Ausstellung erzählt Bergbaugeschichte

Schirrhof in Kamp-Lintfort : Ausstellung erzählt Bergbaugeschichte

Vor 100 Jahren wurde der Schirrhof erbaut. Wo einst die Stallungen des Bergwerks untergebracht waren, befindet sich heute ein Familie-, Bildungs- und Kulturzentrum. Die Ausstellung öffnet erstmals am Samstag für das Publikum.

An der Wand hängen noch alte Metallringe: Bis etwa in die 1950er Jahre hinein spannten die Bergleute hier die Pferde an, die auf der Zeche Friedrich Heinrich übertage als Lastentiere eingesetzt waren. Dort, wo in den Anfängen des Bergbaus in Kamp-Lintfort die Stallungen waren, befindet sich heute der Mehrzweckraum des neu gegründeten Familien-, Bildungs- und Kulturzentrums Schirrhof. Mit einer informativen Ausstellung bringt die Stadt ab Samstag den Besuchern die 100-jährige Geschichte des Gebäudes näher, das heute liebevoll „Pferdestall“ genannt wird und sich den unterschiedlichsten kulturellen Veranstaltungen öffnen wird, sobald es die Pandemie wieder zulässt.

 Ein Schwarz-Weiß-Foto aus der Ausstellung: Die Werksfeuerwehr Friedrich Heinrich rückt aus.
Ein Schwarz-Weiß-Foto aus der Ausstellung: Die Werksfeuerwehr Friedrich Heinrich rückt aus. Foto: Fördergemeinschaft für Bergmannstradition

„Die Gebäude wurden mit viel Liebe und Aufwand rekonstruiert“, berichtete Kulturdezernent Christoph Müllmann in einem Pressegespräch am Mittwoch. Die Ausstellung hat Kamp-Linforts Stadtarchivar Martin Klüners auf repräsentativen Plakattafeln konzipiert. Die Fotografien stammen zum größten Teil aus dem umfangreichen Archiv der Fördergemeinschaft für Bergmannstradition. Sie hat übrigens über der offenen Remise, in der einst Kutschen und Pferdekarren standen, schon im vergangenen Jahr ihr Vereinsheim bezogen. Die Ausstellung zeigt in Bild und Text, auf welch unterschiedliche Weise der „Pferdestall“ im Laufe der Zeit genutzt wurde. Baubeginn war in den 1920er Jahren. Architekt war Zechenbaumeister Johann Onnertz, der schon das Förder- und Zentralmaschinenhaus geplant und errichtet hatte.

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„Die Gebäude entstanden im Stil des Backsteinimpressionismus“, berichtet Stadtarchivar Martin Klüners. Die Bauweise habe vermutlich mit den damals französischen Besitzern zu tun gehabt. In den folgenden Jahren zog zunächst die Werksfeuerwehr in die Stallungen ein. Später befand sich hier die Ausbildungswerkstatt des Bergwerks West. „Das Bergwerk war ein großer und wichtiger Ausbilder in der Region“, berichtet Norbert Ballhaus, Vorsitzender der Fördergemeinschaft. Die Lehrlinge hätten zehn Prozent der Belegschaft ausgemacht. Nachdem das Bergwerk West 2012 stillgelegt worden war, brachte die Stadt ab 2015 geflüchtete Menschen in den Räumen unter, und auch die Hochschule Rhein-Waal nutzte zwischenzeitlich die Werkstätten. Die Sanierung des Schirrhofes ist bis auf wenige Arbeiten laut Christoph Müllmann abgeschlossen. Im linken Gebäudeteil hat jetzt eine vom SCI betriebene Kindertagesstätte ihren Sitz. Im Mitteltrakt des Gebäudeensembles an der Friedrich-Heinrich-Allee befinden sich zusätzlich zum Mehrzweckraum mehrere Künstlerateliers (RP berichtete).

Die Ausstellung, die neben Fotografien auch alte Dokumente und Korrespondenzen zeigt, bildet den Auftakt für eine Reihe kultureller Nutzungen wie Kunstausstellungen und Konzerte. Zur Besichtigung der Ausstellung ist der Schirrhof am Samstag, 29. Mai, von 10 bis 15 Uhr, und am Freitag, 4. Juni, von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Besucher müssen sich im Infozentrum „Stadt und Bergbau“ gleich nebenan für einen 30-minütigen Aufenthalt anmelden (Tel.: 0162 2538981, per E-Mail an susanne.rous@kamp-lintfort.de). Das Haus des Bergmanns in der Altsiedlung öffnet corona-konform wieder am 6. Juni, im Lehrstollen finden die ersten Führungen bereits am Sonntag, 30. Mai, ab zehn Uhr statt. „Ab neun Uhr kann man eine Terminkarte kaufen“, berichtet Norbert Ballhaus. Im Lehrstollen zeigt die Fördergemeinschaft für Bergmannstradition die Technik, die im Bergbau zum Einsatz kam. Bis der Förderturm wieder für Publikum zugänglich ist, dauert es noch ein wenig. Dort müssen noch Arbeiten durchgeführt werden. Ballhaus rechnet damit, dass Mitte Juni die erste Fahrt zur Aussichtsplattform wieder möglich sein wird.

www.kamp-lintfort.de