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DJK Unitas Haan scheitert auf der Zielgeraden der Oberliga

Handball : Emotionen können Handballer beflügeln

Analyse Es gibt einige Gründe, weshalb die Handballer der DJK Unitas Haan auf der Zielgeraden der Oberliga-Runde als Tabellenführer zwei Punkte Vorsprung auf Verfolger HG Remscheid und damit den Aufstieg in die Regionalliga verschenken. Auch für den Trainer ist es ein Lehrjahr.

In der Oberliga ist noch ein Spieltag zu absolvieren, doch für die Handballer der DJK Unitas Haan ist die Saison seit einer Woche praktisch gelaufen. Denn die 29:31-Niederlage gegen die SG Langenfeld II riss die Mannschaft von Kai Müller aus allen Titelträumen. Über viele Wochen dominierte das Team die Liga, ehe den Spielern auf der Zielgeraden vor allem die mentale Kraft fehlte. Sechs Tage nach dem Desaster in eigener Halle bleibt der Trainer aber seiner Linie treu. „Das sind Dinge, die passieren können“, sagt Kai Müller in seiner betont sachlichen Art und fügt hinzu: „Trotzdem ist es ärgerlich. Ich bin genauso enttäuscht wie die Jungs, aber ein Stück weit haben wir uns das selbst zuzuschreiben.“

In seiner Analyse geht Kai Müller auf das Gipfeltreffen gegen die HG Remscheid zurück. Schon im Hinspiel setzte sich sein Team deutlich mit 34:28 durch, legte dann in eigener Halle einen 33:25-Erfolg nach – und hatte damit sieben Spieltage vor dem Saisonende den direkten Vergleich mit dem Verfolger in der Tasche. Ein vermeintlicher Pluspunkt im Titelrennen, der wohl nicht mehr zum Tragen kommt, denn die Remscheider sind am Sonntag beim als Absteiger feststehenden Schlusslicht SV Neukirchen ebenso in der klaren Favoritenrolle wie die Haaner am Samstag gegen den Vorletzten TV Aldekerk II, der ebenfalls den Gang in die Verbandsliga antreten muss.

Auch die zweite Vorstellung der Unitas gegen die HG Remscheid war also überzeugend. Doch Trainer Müller stellt fest: „Danach haben wir nicht mehr die gleichen souveränen Auftritte gezeigt. Es war deutlich, dass die Jungs etwas zu verlieren hatten – frei aufgespielt haben wir nicht mehr.“ Gleichwohl fuhr seine Mannschaft in der Folge weitere vier Siege in Serie ein. „Aber in keinem Spiel haben wir überzeugt“, erklärt Müller und ergänzt: „Es waren schwache Gegner wie Neukirchen oder die Überruhrer, die mit dezimiertem Kader angetreten sind.“ Neben den beiden Abstiegskandidaten bezwangen die Unitas-Handballer den Tabellenzehnten Lobberich und den Sechsten Borussia Mönchengladbach.

Letztlich brachten die Derbys das Müller-Team vom Weg in die Regionalliga ab. Den Anfang machte die Partie in Mettmann. Im Hinspiel fegten die Haaner den Lokalrivalen mit 34:22 aus der Halle an der Adlerstraße. Eine bittere Abfuhr, die den ME-Sport-Handballern nachdrücklich in Erinnerung blieb. Und der Mannschaft von Jürgen Tiedermann gelang die Revanche im Herrenhaus. Dabei bewiesen die Haaner Moral, arbeiteten sich nach einem 15:20-Rückstand (40.) wieder bis auf 20:21 (46.) heran und lagen vier Minuten vor dem Ende sogar mit 26:25 in Front. Doch die Mettmanner konterten zum 27:26, ehe Domagoj Golec mit seinem Treffer zum 27:27 zumindest einen Punkt für die Gäste rettete.

Der Spitzenreiter wankte, hielt sich aber noch aufrecht. Doch das Derby gegen die SG Langenfeld II eine Woche später nahm einen ähnlichen Verlauf. Erneut lief die Mannschaft von Kai Müller über weite Strecken der Partie einem Rückstand hinterher, schaffte erst beim 26:27 (54.) den Anschluss. Zu einer Wende reichte es nicht – letztlich war die Fehlerquote der Unitas einfach zu hoch. „Wenn man keinen richtigen Zugriff bekommt, fängt irgendwann das Kopf-Kino an“, bekennt Müller und spielt damit auf den nervlichen Druck an, der mit zunehmender Dauer der Partie auf seiner Mannschaft lastete. Ganz anders präsentierte sich das Langenfelder Team. „Fast jede Entscheidung hat gesessen“, findet Kai Müller anerkennende Worte für den starken Auftritt der Gäste, die sich immer wieder puschten und mit dem Erfolg in Haan den fünften Sieg in Folge feierten.

Im Rückblick auf die bittere Niederlage konstatiert Müller: „Da muss man die Emotionen rausnehmen.“ Für die sachliche Analyse mag das gelten, im Spiel selbst fehlte es dem gestürzten Tabellenführer aber vielleicht genau an diesen Emotionen. Die brachte auf der Langenfelder Seite Dennis Werkmeister ins Spiel, der im Derby als Coach agierte und seinen Ruf als Motivationskünstler bestätigte. Während das SGL-Team brannte, fehlte der Unitas-Truppe der zündende Funke, um über den emotionalen Kampf in die Partie und einen Spielrausch zu finden – und damit vielleicht auch das „Kopfkino“ auszuschalten.

Auf der Zielgeraden mussten die Unitas-Handballer den Traum von der Rückkehr in die Regionalliga begraben. Gleichwohl fällt die Bilanz von Kai Müller positiv aus. „So eine Saison hat mehr als ein Spiel, deshalb können wir immer noch von einer guten Saison sprechen“, betont der Coach und unterstreicht zugleich, wie wichtig auch die letzte Oberliga-Partie beim TV Aldekerk II ist: „Wir müssen den Ärger und Frust in Energie ummünzen und mit Vollgas reingehen. Wir wollen mit einem Sieg einen positiven Abschluss hinbekommen und damit Remscheid die Aufgabe stellen, am Sonntag in Neukirchen alles für den Aufstieg tun zu müssen.“