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Meerbusch: UWG fordert Rettung von Wildtieren bei Stadtverwaltung

Wildtiere in Meerbusch : Politik will Rehkitze besser schützen

Die Fraktionen von UWG und SPD in Meerbusch haben bei der Stadtverwaltung einen Antrag auf die Rettung von Wildtieren vor Mähdreschern gestellt. Auch Fasane und Feldhamster sind gefährdet. Eine Fortsetzung gibt es erst nach den Sommerferien.

Nachdem die Stadt Radevormwald im Bergischen Land Ende 2019 beschlossen hatte, Rehkitze im Frühjahr mithilfe von Drohnen mit einer Wärmebildkamera vor dem Tod durch Mähmaschinen zu retten, fand dieses Thema auch in der Meerbuscher Stadtverwaltung Gehör. Die Fraktion der UWG/Freie Wähler stellte bereits Mitte Mai einen entsprechenden Antrag zur Rettung der Wildtiere, die SPD zog einen Monat später mit einem eigenen Antrag nach.

„Der Schutz der Wildtiere ist eine ethische Frage, die sich jede Stadt stellen sollte“, sagt Ratsfrau Daniela Glasmacher (UWG), der dieses Thema sehr am Herzen liegt. Als sie vom Engagement der Stadt Radevormwald hörte, nahm sie Kontakt zum dortigen Bürgermeister Johannes Mans auf. „Herr Mans bestätigte mir, wie einfach und erfolgreich die Umsetzung ist“, so Glasmacher.

Warum gerade Rehkitze so gefährdet sind, von den Mähmaschinen der Landwirte verletzt oder getötet zu werden: Sie haben die Angewohnheit, bei Gefahr nicht zu flüchten, sondern auf einer Stelle zu verharren. Eine Chance haben die Tiere nur, wenn sie vorher gesehen und verscheucht werden.

Für die Prävention gebe es zwei Versionen, so die Ratsfrau: Entweder stellt die Stadtverwaltung einen Drohnen-Piloten an, der sein unbemanntes Luftfahrzeug über das Gebiet steuert und nach versteckten Jung-Wildtieren schaut. „Da 70 Prozent der Ackerflächen, etwa 280 Hektar, in städtischer Hand sind, sollte das möglich sein. Ein Hektar abzusuchen kostet etwa zehn Euro plus Anfahrt, das ist ein bezahlbares Unterfangen“, sagt Glasmacher.

Eine andere Option wäre, dass die Feuerwehr Meerbusch eine Drohne bekommt. Ein Freiwilliger würde dann für die Wildtier-Rettung trainiert und ausgebildet. „Nachdem ich mit verschiedenen Kommunen kommuniziert habe, ist mir klar, wie viele Wildtiere mit schlimmsten Verletzungen ums Leben kommen. Das betrifft nicht nur Rehkitze, sondern auch Fasane, Feldhasen und andere Tiere“, sagt Glasmacher und betont: „Es ist unser Anliegen das zu verhindern. Das ist eine machbare Aufgabe.“

Gegenwind gab es im Rat von Andreas Hoppe, Ratsherr der CDU und staatlich geprüfter Landwirt. Er führte aus, dass es seines Wissens in Meerbusch zu keinen nennenswerten Tierschäden komme, da die Landwirte auf den Feldern auch aus eigenem Interesse bereits mit Vorsicht auf (Jung-)Tiere achteten. Radevormwald sei zudem als Vergleich nicht sachgerecht, da dort wesentlich mehr Wald- und Wiesenflächen bewirtschaftet würden und es dort viel mehr Rehe gebe. Hoppe: „In Meerbusch muss man die Rehe schon suchen.“ Ein Drohneneinsatz sei in Meerbusch aufgrund der anderen Topografie sowie dem Vorgehen der Landwirte und Jäger nicht sachgerecht. Zudem kritisierte er, dass niemand vorher das Gespräch mit den Landwirten gesucht habe. „Wir werden hier dargestellt, als würden wir bewusst Tiere niedermetzeln.“

Daniela Glasmacher wollte die Kritik nicht gelten lassen. Es gehe auch keinesfalls darum, „die Landwirte zu verteufeln“. Sie erklärt: „Derzeit werden Drohnenflüge auch im Kreis Wesel eingesetzt.“ Und dort sei die Landschaft ähnlich wie in Meerbusch. Hier gebe es zwar weniger Wald als in Radevormwald, aber dafür viele Felder, die von Waldgebieten umgeben seien. „Wir haben Wildtiere, aber der Wildtierbestand geht drastisch zurück. Man sieht ja kaum noch einen Wildhasen.“ Glasmacher sagte, dass sie den Landwirten keine Absicht unterstelle.

Bürgermeisterin Angelika Mielke-Westerlage führte aus, dass bereits Gespräche mit Landwirten und Jägern in Meerbusch geführt wurden. Hier sei bestätigt worden, dass es für einen Einsatz in diesem Jahr bereits zu spät sei, da die Landwirte mit den Mäh-Arbeiten bereits fertig oder gerade noch beschäftigt seien. Die Verwaltungschefin versprach aber zu prüfen, inwiefern bei der Feuerwehr Meerbusch der Bedarf für eine Drohne im normalen Einsatzdienst bestünde und ob die Kapazitäten für die zusätzlichen Flüge über Acker- und Wiesenflächen vorhanden seien. Für die Einsätze könnte die Feuerwehr Meerbusch auch die Drohne der Feuerwehr im Rhein-Kreis Neuss anfordern. Dort gibt es ein Gerät und geschulte Piloten. „Vielleicht ist eine interkommunale Kooperation möglich“, so die Bürgermeisterin. Sie will auch dem Vorschlag von Marc Becker (die Linke/Piraten) nachgehen, der angeregt hatte, mit privaten Drohnenpiloten und Flugvereinen zusammen zu arbeiten. Becker: „Wir reden ja nicht von großen Flächen, die überflogen werden müssen.“

Nach der Sommerpause will Mielke-Westerlage berichten, wie es weiter geht. Der nächste Hauptausschuss ist für den 27. August angesetzt, die nächste Ratssitzung für den 1. September.

Daniela Glasmacher zeigte sich enttäuscht, dass man sich so viel Zeit lässt. „Hier geht es nicht um ein Bauvorhaben. Hier geht es darum, Tierleben zu retten. Das hat eine gewisse Priorität.“ Die Verzögerung liegt für die Ratsfrau in der Verantwortung der CDU und SPD. Denn hätte es schneller Einigkeit gegeben, so hätte man vielleicht schon 2020 aktiv werden können. „Wir sollten alle zusammen etwas für die Lebewesen in Meerbusch machen, egal welcher Absender drübersteht“, sagte Glasmacher und fügte hinzu: „Zu einem grünen Meerbusch gehören auch die Wildtiere.“