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Corona: Regelungen für Lockerungen machen Amateurfußballer ratlos

Kritik an Lockerungsplan : Corona-Regeln machen Fußballer ratlos

Amateurfußballer dürfen traineren – in Zweiergruppen und mit vielen Auflagen. Je nach Inzidenz sollen weitere Schritte folgen. „Das ist völlig an der Realität vorbei“, sagt Schlebuschs Trainer Stefan Müller.

Für Hannes Diekamp war es eine schöne Sache als er die Spieler des SV Bergfried nach monatelanger Zwangspause auf den Rasen bitten konnte. „Ich glaube, dass sich alle gefreut haben, endlich mal wieder auf dem Platz zu sein und gegen den Ball zu treten“, sagt der Trainer des Fußball-Kreisligisten. „Aber auf Dauer ist es natürlich nicht erstrebenswert, nur in Zweiergruppen zu trainieren.“

Genau da liegt die Krux in den aktuellen Corona-Beschlüssen. Für Moral und Teamgeist mag es gut sein, dass sich Spieler sowie Trainer zumindest mal wieder persönlich (und mit dem vorgeschriebenen Abstand) begegnen, aber sinnhaftes Training ist so kaum möglich. „Wir nehmen, was wir kriegen können“, sagt Diekamp. „Spezielle Situationen erfordern spezielle Maßnahmen.“ Das Problem ist aber, dass die Schärfe der Regeln an Inzidenzwerte gekoppelt ist – und Entspannung ist da nicht in Sicht. Im Gegenteil.

Doch wie lief das erste Training des Jahres beim SVB? Die Mannschaft wurde in zwei Zehner-Gruppen geteilt, die wiederum in Duos getrennt wurden. Auf fünf Kleinfeldern pro Hälfte des Trainingsplatzes hat jeweils eine Zweiergruppe trainiert. Das abgetrennte Areal durfe nicht verlassen werden, Abstand zu jedem anderen als den direkten Trainingspartner war das Gebot. Kabine und Dusche konnten nicht genutzt werden, Geselligkeit war freilich ebenfalls tabu. Nach 45 Minuten verließ Gruppe eins das Gelände und Gruppe zwei stieg in die Übungen ein. So führte Diekamp unter anderem Pass-, Sprint- und Fitnesseinheiten durch – im Rahmen der begrenzten Möglichkeiten.

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Mannschaftstraining bleibt eine Frage der Inzidenz. Seit Montag wäre ab einen Wert unter 50 komplett kontaktfreier Außensport mit maximal zehn Personen möglich, bei 50 bis 100 Individualsport mit maximal fünf Personen aus zwei Hauhalten. Ab dem 22. März wäre bei Inzidenzen bis 100 Kontaktsport unter freiem Himmel erlaubt, aber nur mit tagesaktuellem Schnell- oder Selbsttest. Zu den Entscheidungen der Politik will Diekamp nichts sagen. „Ich gehe aber nicht davon aus, dass wir die Saison noch zuende spielen oder überhaupt bis zum Sommer Kontaktsport ausüben dürfen“, sagt er.

Die Regeln sind für die Vereine auch finanziell schwierig, denn die Tests kosten Geld und müssten vor jeder Einheit bei allen Spielern und Trainern durchgeführt werden. Für Profiklubs ist das ein zu vernachlässigender Kostenfaktor, aber nicht im Amateursport. Entsprechend bedient ist Stefan Müller. „Viele Vereine sind am Existenzminimum und trotzdem wird so etwas beschlossen“, echauffiert sich der Trainer des Landesligisten SV Schlebusch. Er könne sich das mit den Testungen nicht in der Praxis vorstellen. „Wer bezahlt das und wie soll ich meiner Mannschaft sagen, dass sie sich testen lassen soll?“, fragt sich der Coach.

Auch für die Trainingsarbeit sieht er schwarz. Am Donnerstag will der SVS auf den Rasen zurückkehren. „Dann müssen wir feste Zweiergruppen für die nächsten Wochen bilden. Das ist auch wegen der beruflichen Situation der Spieler problematisch.“ Manche seien etwa im Schichtdienst oder hätten andere Verpflichtungen. Zudem seien die Trainingsmöglichkeiten sehr begrenzt. Immerhin: „Alle Vereine müssen mit dem gleichen Wasser kochen“, sagt Müller.

Was die Kopplung der Regeln an Inzidenzwerte angeht, ist der 40-Jährige deutlich kritischer. „Die Pläne sind nicht greifbar und völlig an der Realität vorbei“, moniert er. „Alleine in unserer Liga gibt es Kreise wie etwa Düren, wo die Inzidenz jetzt schon über 200 liegt. So den Ligabetrieb fortsetzen zu wollen, ist komplett unrealistisch.“ Es drohe Wettbewerbsverzerrung, wenn manche Mannschaften wegen der Inzidenz trainieren könnten und es anderen verboten sei.

„Mein Vorschlag ist, die Saison sofort abzubrechen“, sagt Müller und regt als Alternative eine Leverkusener Stadtmeisterschaft oder Kreismeisterschaft an – ähnlich wie in Hamburg. „Das ist besser, als auf Teufel komm raus den Spielbetrieb fortsetzen zu wollen.“