Sohn von Don Mikel muss nicht in U-Haft

Prozess am Landgericht Köln : Sohn von Don Mikel muss nicht in U-Haft

Bislang bot jeder der fünf Verhandlungstage im Prozess gegen Michael G. und drei weitere Mitangeklagte eine Überraschung. Am Freitag verkündete die 17. Große Strafkammer des Kölner Landgerichts, dass der 22-jährige Sohn von Michael G. vom weiteren Vollzug der Untersuchungshaft verschont wird.

Das hatte sein Verteidiger nach dem  umfänglichen Geständnis seines Vaters beantragt. Die Unterschrift von Michael G.  steht zwar unter einem Papier mit der Überschrift „Täter-Opfer-Ausgleich“, aber darin wird eingeräumt, dass alle Punkte der Anklage, wie sie die Staatsanwaltschaft formuliert hatte, so zutreffen würde. Damit hat „Don Mikel“ erreicht, dass sich sein Sohn nach monatelanger Flucht und der Festnahme im November vergangenen Jahres sich – unter strengen Auflagen – frei bewegen kann. Er wurde von der Polizei bei der Verhaftung im Kleiderschrank der Oma in Leverkusen gefunden.

Am Freitag schilderte ein Kripobeamter in einer mehrere Stunden langen Aussage, wie man den Betrügereien von Michael G. zunächst auf die Spur gekommen ist und danach mittels Telefonüberwachung viele Beweisstücke mühsam wie ein Puzzle zusammenbaute. Ausgangspunkt war der Verdacht auf Geldwäsche. So fiel einem Sonderbeauftragten für Geldwäsche bei der Kölner Sparkasse auf, dass ein Geschäftsmann aus Bergisch Gladbach Konten unterhielt, auf denen größere Barbeträge eingezahlt wurden, um damit Immobilienkäufe zu finanzieren.

Die Ermittler  stellten fest, dass Michael G. seine Finger im Spiel hatte. So war es auch, als ein Monheimer Handwerker teure Autos – auf Kredit – kaufte. Die Raten für die Darlehen sowie die Beträge für Steuern und Versicherungen wurden immer dann dem „Verrechnungskonto“ gutgeschrieben, wenn Zahlungen anstanden. Einzahlungen erfolgten in bar. Zuschauer konnten dem Polizeibeamten bei seiner Schilderung kaum folgen, so vielfältig und verwickelt waren die Transaktionen bei  Kauf von Immobilien und Luxusautos angelegt, um sie möglichst geschickt zu vertuschen.

Bis Don Mikel eine größere Immobilie von einem Frechener Rentnerehepaar kaufen wollte. Dabei schickte er einen mitangeklagten  55-Jährigen vor. Michael G. wurde als dessen Cousin „Mike Goldmann“ vorgestellt. Nachdem der Kauf notariell beglaubigt  und der Kaufpreis bezahlt war, trat der Don in Aktion. Dem Ehepaar gegenüber gab er sich als Sohn eines reichen Amerikaners aus, dessen Familie nicht nur eine Yacht und einen Hubschrauber besitze, sondern auch über ein Hochhaus in der Nähe des New Yorker Trump Towers. Nur sei sein Vater knickerig, und Mikes viele Dollar ließen sich nicht so einfach in Euro umtauschen.

Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

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