Leverkusener Clan-Chef vor Gericht

Prozess vor dem Landgericht : Clan-Chef „Don Mikel“ erneut vor Gericht

Immobilien-Trick? 42-jähriger Leverkusener soll ein Ehepaar aus Frechen um eine Millionen-Summe betrogen haben.

(RP) Sie fahren schnelle und noble Autos, protzen mit teuren Uhren und leben in Villen. Doch ihr Reichtum steht auf einem kriminellen Fundament. Familienclans sind bereits zu TV-Serienhelden geworden, doch bläst ihnen inzwischen ein scharfer Wind von Justiz und Polizei entgegen.   Der Kampf gegen die Clankriminalität nimmt deutschlandweit deutlich Fahrt auf. Innenminister Herbert Reul (CDU) stellte am Mittwoch in Düsseldorf das erste Lagebild über die Aktivitäten krimineller Clans in Nordrhein-Westfalen vor. Die Behörden gingen zuletzt in NRW von rund 100 Familienclans mit kriminellen Mitgliedern aus.

Für Leverkusen ist das kein neuer Befund. Seit vielen Jahren lebt die Stadt mit der weithin bekannten Roma-Familie G.. Ihrem Kopf, Michael G. (42), genannt „Don Mikel“, geht es nun erneut juristisch an den Kragen, nachdem er bereits im November wegen eines Teppichbetrugs, den er mit zwei Komplizen beging, zu vier Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt worden war, die er nun absitzt.

In dem anstehenden Gerichtsverfahren, das am Donnerstag, 23. Mai, vor dem Kölner Landgericht eröffnet wird, geht es um neue Tatbestände. Laut Prof. Jan Orth, Vorsitzender Richter am Landgericht, sind 22 Taten angeklagt. Die Anklageschrift ist 113 Seiten lang.  Darunter sind 21 Fälle von gewerbsmäßigem Betrug, alle zum Schaden eines Ehepaars aus Frechen. Den insgesamt entstandenen Schaden beziffert Orth, Pressesprecher des Kölner  Landgerichts, auf 950.000 Euro. G. soll durch „Täuschungen“ im Zusammenhang mit Immobilien, Uhren und Autos das Ehepaar um sein Geld gebracht haben. So soll er den Beiden beispielsweise erzählt haben, seine Eltern hätten eine Baufirma in den USA.  Für eine dort befindliche Immobilie soll das Ehepaar gezahlt, eine Gegenleistung aber nicht erhalten haben.

Ein weiterer Vorwurf lautet: „Don Mikel“ soll gegenüber einer Leverkusener Obergerichtsvollzieherin falsche eidesstattliche Versicherungen abgegeben und falsche Angaben zum Vermögen gemacht haben.

Mitangeklagt sind drei weitere Männer, von denen einer den selben Familiennamen trägt wie der Don. Der unter 20-Jährige gilt juristisch noch als Heranwachsender. Die beiden übrigen Mitangeklagten sind 55 und 54 Jahre alt. Der ältere sitzt in U-Haft. Sie werden der „Verschleierung unrechtmäßig erlangter Vermögenswerte“ beschuldigt. Im Klartext: Sie sollen mit dafür gesorgt haben, dass illegal beschaffte Autos und Immobilien im Besitz des Clans blieben und nicht zu ihren Eigentümern zurück kamen.

Der erste  Betrugsprozess gegen den Leverkusener Clan-Chef hatte für reges Medieninteresse gesorgt. Besondere Sicherheitsvorkehrungen, die über das übliche Maß hinausgehen, soll es nach Angaben des  Landgerichts nicht geben. Rund um die Großfamilie gab  und gibt es umfangreiche Ermittlungen. Eine Großrazzia im März 2018 sorgte für Aufsehen. Bei der Razzia in mehreren Leverkusener Objekten, darunter eine Villa, stellten Staatsanwaltschaft und Polizei Luxuskarossen im Wert von 800.000 Euro, teure Uhren sowie Bargeld sicher. Auch besteht gegen die Großfamilie der Verdacht des Erschleichens von Sozialleistungen.

Razzia gegen den Clan im März 2018: An der Von-Ketteler-Straße kommt ein Porsche an den Haken. Foto: UMI

Der Prozess ist auf 36 Verhandlungstage angesetzt, ein Urteil wird Ende Oktober erwartet.              

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