Leverkusen Prozess um Familienclan wird fortgesetzt

Betrugs-Prozess gegen Roma-Clan : Wie „Mikel Corleone“ in die Telefonfalle tappte

(RP) Über tausend Seiten Telefonprotokolle, wochenlange Arbeit für die Übersetzer, Auswertungen, Zuordnungen – die Polizei hatte mit ihren Telefonüberwachungsmaßnahmen viel zu tun. Ob die Arbeit anerkannt wird, kommt letztlich in dem Urteil der 19. Großen Strafkammer des Kölner Landgerichts zum Ausdruck, wenn sie im November das Strafmaß gegen Michael G. und zwei Mitglieder aus dem Leverkusener Familienclan verkündet, die ein älteres Ehepaar in Norddeutschland um 80.000 Euro betrogen haben sollen.

Wie mühsam die Arbeit der Ermittler der „EG Bischof“ des 25. Kommissariats der Kölner Kriminalpolizei war, wurde deutlich bei der Vernehmung des Leiters dieser Gruppe. Der schilderte detailliert, wie man den Betrügereien überhaupt auf die Spur kam, vom ersten Anfangsverdacht über Vermutungen, Erkenntnisse und Rückschlüsse, bis Polizei und Staatsanwaltschaft genug Beweise hatten, um vom Amtsrichter eine spektakuläre Razzia in Leverkusen und anderen Orten und die Verhaftung Verdächtiger genehmigt zu bekommen.

Dabei wurde deutlich: Wäre die Polizei nicht so beharrlich gewesen, wäre der Betrug an dem Rentner-Ehepaar wahrscheinlich nicht einmal zur Anzeige gekommen. Denn die Opfer nahmen ihre „eigene Dummheit“, wie es die Frau als Zeugin vor Gericht eingeräumt hatte, als Schmach an und wollten sich nicht bekennen. Sogar vor den eigenen Kindern wurde es verheimlicht. Erst als die Polizei aufgrund ihrer Erkenntnisse „vorsichtig“ nachfragte, empfand das Opfer es geradezu als Erlösung, schilderte der Kölner Kriminalbeamte den Besuch bei den Rentnern. Auf die Spur gekommen sind die Beamten so: In der Schweiz soll es einen Betrugsversuch mit einem Schaden von 500.000 Franken gegeben haben. Bei der Telefonüberwachung war das Handy von Michael G. geortet worden. Dieser Fall verlief im Sande, weil die Polizei keinen Geschädigten ermitteln konnte. Nicht auszuschließen, dass es sich um ähnlich gekränkte Opfer handelte. Jedenfalls war diese Erkenntnis Ausgangspunkt weiterer TKÜ-Maßnahmen (Telekommunikationsüberwachung). Auffallend war ein Privat-Anschluss in Norddeutschland, der der Geschädigten. Von da wurden eingegangene Telefonate zurück verfolgt. Die Anrufer herauszufinden, war eine weitere Herausforderung für die Kriminalisten. Denn man sprach sich meist mit Spitznamen an; so hieß Michael G. manchmal Mike, Don Mikael oder Mikel Corleone. Handys waren ohnehin nicht unter eigenem Namen angemeldet, vor Ort wurden sie oft ausgeschaltet. Manchmal wurden auch Familienangelegenheiten besprochen, etwa eine Heirat (nach Roma-Art) der 14-jährigen Kinder von zwei Angeklagten, was die Zuordnung erleichterte.

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

Mehr von RP ONLINE