Geständnis im Prozess um Leverkusener Clan-Chef

Leverkusener Clan-Chef vor Gericht : „Don Mikel“ zahlt 100.000 Euro für die Opfer

Wende im Betrugs-Prozess gegen Leverkusener Clan-Chef Michael G. – Geständnis. Anwälte bieten Ausgleich an.

(RP) Die Überraschung des vierten Verhandlungstages im Betrugsprozess gegen Michael G., dem Junior-Oberhaupt der stadtbekannten Leverkusener Großfamilie, bestand in einem mehrseitigen Papier mit der Überschrift „Täter-Opfer-Ausgleich“. Die Verteidigung legte es vor. In dem Schriftstück ist unter anderem vermerkt, dass alles, was die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage vorgelegt hat, stimme.

Diese Urkunde nahm die 17. Große Strafkammer des Kölner Landgericht in dem umfangreichen Prozess zu den Akten. Darin ist festgehalten, dass Michael G., genannt Don Mikel, einem Opferehepaar aus Frechen nicht nur den entstandenen Schaden ersetzen will – was wohl nur in Ratenzahlungen möglich sein wird –, sondern auch ein Schmerzensgeld von 100.000 Euro anbietet. Das Geld sei bereits angewiesen und auf dem Weg.

Formuliert wurde der Vertrag auch unter Mitwirkung einer Rechtsanwältin, die die Geschädigten vertritt. Damit wollte nicht nur Michael G. eine Aussage der Opfer vor Gericht vermeiden, sondern auch die Rechtsanwältin. Den Senioren sei es psychologisch nicht zuzumuten, noch einmal Michael G. gegenüber zu stehen, so groß habe man das Vertrauen der alten Leute missbraucht.

So ganz abrücken will die Kammer allerdings nicht von der Vorladung. Sie will zwar dem Wunsch Rechnung tragen mit einer verkürzten Vernehmung, vielleicht auch mit einer Videoübertragung im Hause. Aber einen persönlichen Eindruck wollen sich die Richter schon verschaffen.

Mit einem solchen Geständnis des Hauptangeklagten hatte so schnell kaum jemand gerechnet. In einem Prozess im Herbst vergangenen Jahres, in dem Michael G. wegen Betrugs eines älteren Ehepaares in Norddeutschland mit einem Schaden von 90.000 Euro angeklagt war, hatte er  beharrlich geschwiegen, Weder Angaben zur Person noch zum Tatvorwurf hatte er damals gemacht.

Die drei Rechtsanwälte, die Michael G. nun zur Seite stehen, haben ihn wohl geraten, ein Geständnis abzulegen und Reue zu zeigen. Das könne das Strafmaß deutlich verringern. Nur mit einem Bekenntnis sei es aber nicht getan, das müsse schon mit Taten untermauert werden. Daher der „Täter-Opfer-Ausgleich“, den die Rechtsanwälte außerhalb des Gerichtssaals ausgehandelt hatten.

Der 42-jährige Angeklagte gab auch einen Einblick in sein bisheriges Leben, von seinen vier Kindern und vier Enkelkindern. Von seiner Schulzeit, in der er bereits die vierte Grundschulklasse wiederholen musste. Ein Schulabschluss erhielt er nicht, lediglich eine Bescheinigung von der Hauptschule, dass er „gelegentlich am Unterricht teilgenommen“ habe. Ab seinem 13. Lebensjahr sei er mit seinem Opa als Teppichhändler unterwegs gewesen.

„Richtig“ gearbeitet habe er auch einmal, für 550 Euro im Monat. „Kann man denn damit eine Frau und Kinder ernähren?“, fragte der Richter. Eine Antwort wollte der Angeklagte nicht geben.

In Gefängnis versucht Michael G. sich einzurichten. So habe er an Gruppenarbeiten teilgenommen, in der Themen wie Alltagsethik oder das deutsche Rechtssystem behandelt werden.

Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

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