Leverkusen: Elobas Heimat ist die Kunst

Leverkusen: Elobas Heimat ist die Kunst

Den Begriff ordnet die Leverkusener Künstlerin nicht einem Ort zu, sondern Menschen, Europa und ihrem Metier.

Beim Stichwort "Heimat" muss Ellen Loh-Bachmann erst einmal tief durchatmen. Da sei sie wahrscheinlich die falsche Ansprechpartnerin, meint die Künstlerin. Mit verklärter Idylle, Brauchtum und röhrendem Hirsch hat sie nichts im Sinn. Und doch setzt sie sich immer wieder sehr bewusst mit ihrer Umgebung auseinander. Sie hat sich mit der Geschichte Leverkusens beschäftigt, seit sie nach Opladen zog. Sie kennt die Orte und Gebäude, hat sie mehrfach gemalt. In ihrem Atelier steht ein angefangnes Bild, auf dem die drei Rathäuser der Stadt zu erkennen sind, von denen bereits zwei dem Erdboden gleich gemacht wurden.

Ist Leverkusen ihre Heimat? Der Gedanke ist ihr fremd. Viele Jahre hat sie in Mexiko gelebt, auch dort beschäftigte sie sich mit der Geschichte, den alten Kulturen und der Natur - Inspiration für viele Bilder. Selbst ihre Geburtsstadt Gießen würde sie nicht mehr als Heimat bezeichnen, eher als Ort von Kindheitserinnerungen.

Im Spanischen gebe es den Begriff gar nicht, stellt sie fest. Übersetzen würde sie mit "La Patria", das Vaterland. Aber damit tut man sich in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg vielleicht noch schwerer. "Heimat ist da, wo du bist", sagte Ellen Loh-Bachmann beim Nachdenken spontan zu ihrem Mann. Die vertrauten Menschen sind es, nicht ein bestimmter Ort, und die sind manchmal ganz schön weit weg. Die Tochter lebt derzeit mit ihrer Familie in Palästina. Freunde ließ sie in Südamerika zurück.

Wo sie sich aber ganz sicher heimisch fühlt, das ist die Kunst. Die verbindet verschiedene Welten und ermöglicht sogar Reisen, ohne einen Kilometer zurückzulegen. So hat die Malerin, die ihre Werke kurz mit Eloba signiert, beispielsweise die lebendige Farbigkeit Anfang der 1990er aus Mexiko mitgenommen. Dort entwickelte sie direkt nach dem Studium in Hamburg ihren eigenen, längst unverkennbaren Stil. Der zeigt sich einmal in der Farbauswahl von kräftigen Rot-, Blau- oder Grüntönen. Zum anderen ist es die gerundete, organische Malweise, die Bildelemente, Ansichten und Gedanken ineinanderfließen und miteinander verschmelzen lässt. Immer wieder taucht ein Seil auf, das sich wie ein (roter) Faden durch ihre Welten zieht, manchmal dünn wird oder abreißt.

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Als glühende Europäerin bereiste sie die meisten Länder der EU, natürlich um die gesammelten Eindrücke später auf der Leinwand zu vereinen. Nur drei Staaten fehlen ihr noch. Bei allen Reisen hatte sie ihre Europa-Rolle dabei und forderte überall die Leute auf, sich darauf zu verewigen. "Europa sichert uns den Frieden, schon über 70 Jahre lang", wird sie nicht müde, für die Staatengemeinschaft zu werben, die eben sehr viel mehr ausmacht als vielfach kritisierte Verordnungen.

Es habe sie schon immer in die Welt hinaus gezogen, sagt die Künstlerin. "Überall wo ich hinkomme, erforsche ich was dort los ist." Wo immer sie ist, sucht sie den Kontakt und Dialog mit den Menschen. Mit gemeinschaftlichen Mal-Aktionen wie zu Hause in der Rathausgalerie schafft sie es. Hier forderte sie etwa Passanten auf, ihnen wichtige Details ihrer Stadt zu zeichnen. Eloba überarbeitete diese Leinwände später im Atelier und fügte sie zu einem Sechs-Meter-Bild zusammen, das nun im Büro des Kulturdezernenten hängt. Das ist der Vorteil der Kunst, man kann sich trotz Sprachbarrieren verständigen. Und: "Künstler sind überall per du." Ellen Loh-Bachmann ist offen für andere Kulturen und Religionen und sie setzt sich kritisch mit gesellschaftlichen Themen auseinander. In ihren Bildern finden sich, auch zwischen bekannten Stadt-Ansichten, immer Hinweise, Mahnungen und die Aufforderung, aufeinander zuzugehen. Die Gegenständlichkeit, die Teile einer realen Welt abbilden, wird dabei immer wieder aufgebrochen und verbunden mit Gedanken. Verknüpfungen, wie sie jeder im Kopf eigentlich ständig herstellt.

Ellen Loh-Bachmann ist in Gießen geboren, lebte nach dem Studium an der Werbeakademie Hamburg 20 Jahre in Lateinamerika. Seit 1997 betreibt sie als Eloba eine private Schule für Malerei. Sie ist Kunstbeauftragte der Europa-Union Leverkusen, Mitglied der AG Leverkusener Künstler (seit 2018 Vorsitzende) und der Sociedad de Pastelistas, Mexiko.

(mkl)