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Gesucht wird vor Ort Platz für einen Fair-Teiler

Gegen Ressourcenverschwendung : Lebensmittelretter in Leichlingen gesucht

Viel zu viele Lebensmittel landen im Müll. Das Mindesthaltbarkeitsdatum schreckt etliche Käufer ab, obwohl die Ware noch viel länger genießbar ist. Geschäfte geben sie deshalb an den Verein Foodsharing ab. In Leichlingen soll das Netzwerk ausgebaut werden.

Rund zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel wandern in Deutschland alljährlich in die Mülltonne. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, das diese Zahlen veröffentlicht, kämpft deshalb mit der „Nationalen Strategie gegen Lebensmittelverschwendung“ und der Informationsinitiative „Zu gut für die Tonne!“ dagegen an. In Leichlingen hat Frank Lori das Thema „Lebensmittelrettung“ auf seiner persönlichen Agenda. Er ist „Foodsaver“ und will mit den Mitstreitern des Vereins „Foodsharing“ ab diesem Jahr das Netzwerk vor Ort ausbauen.

Die Leichlinger Ehrenamtler gehören zum Foodsharing-Bezirk Leverkusen. Offizielle Botschafterin des gemeinnützigen ökologischen Vereins ist Ellen Schwarz. „Wir haben in Leverkusen bereits 13 Kooperationen mit Betrieben, bei denen wir Lebensmittel abholen können“, erzählt sie. Derzeit machten vor allem Obst- und Gemüsehändler sowie Bäckereien mit, in Leverkusen zum Beispiel der Hepsi-Markt in Küppersteg oder die Bäckerei Schmidt in Bergisch Neukirchen.

„Wir wollen Ressourcen sparen und retten alles, was nicht mehr verkauft werden kann“, informiert die Botschafterin. Abends sei in den Geschäften oft viel Ware übrig, manches auch über dem Mindesthaltbarkeitsdatum - was nicht bedeute, dass die Lebensmittel sofort ungenießbar seien. „Wenn wir die Sachen weitergeben, haften wir persönlich. Das ist der wesentliche Unterschied zum sogenannten Containern“, erklärt Ellen Schwarz, was ihre Lebensmittelrettung von der verbotenen Mitnahme weggeworfener Lebensmittel aus Abfallcontainern unterscheidet.

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Frank Lori ist über seinen Nachbarn auf die Idee des Vereins aufmerksam geworden. Der hatte in der Vergangenheit regelmäßig Brot beim privaten „Fair-Teiler“ von Ellen Schwarz geholt und Lori in die Liste der Abnehmer aufgenommen. Irgendwann entschied er sich, selber mitzumachen, hat 2021 gerettete Lebensmittel unter anderem während der Hochwasserkatastrophe in der Feuerwache am Wallgraben oder bei evakuierten Menschen in der Sporthalle an der Grundschule Kirchstraße abgegeben. Aktuell hat er eine kleine WhatsApp-Gruppe mit 20 Menschen, die er meist samstags versorgt. Art und Menge der Lebensmittel sind im Vorfeld immer unbekannt - was bei den teilnehmenden Betrieben halt übrig bleibt.

In diesem Jahr  möchten die Lebensmittelretter einen offiziellen „Fair-Teiler“ für Leichlingen schaffen. Gewonnen werden sollen dabei nicht nur Betriebe, die Lebensmittel abgeben, sondern auch Menschen, die sich als „Foodsaver“ engagieren. „Es steckt schon Arbeit drin, Zeit fürs Abholen und Sortieren beispielsweise. Außerdem setzt es Zuverlässigkeit voraus“, sagt Frank Lori. Er selbst holt etwa acht Mal im Monat Lebensmittel in den Betrieben ab und pflegt seinen Verteiler. Aktuell wird eine Einstellmöglichkeit in Leichlingen gesucht, wo künftig Lebensmittel gesammelt und verteilt werden können. Ideal wäre eine überdachte, gut zugängliche Fläche, in der Regale aufgestellt werden könnten.

Lebensmittelempfänger sind im Übrigen nicht nur Bedürftige. Grundsätzlich kann jeder mitmachen, der die Wegwerfkultur ändern will. „Wir retten Lebensmittel in privaten Haushalten sowie von Betrieben“, heißt es auf www.foodsharing.de. Wichtig ist auch: Die örtlichen Tafeln haben bei der Lebensmittelverteilung immer Vorrang. „Wir nehmen den Betrieben ab, was die Tafeln nicht nehmen oder was übrigbleibt“, betont Ellen Schwarz.