Leichlingen: Rhein-Berg: Deppe (CDU) - ein trauriger Sieger

Leichlingen : Rhein-Berg: Deppe (CDU) - ein trauriger Sieger

Es dauert einige Zeit, bis Rainer Deppe die Tür öffnet. Um 20.08 Uhr tritt er mit Ehefrau Bettina aus einem Nebenraum in den großen Saal des Kreishauses in Bergisch Gladbach. Zu diesem Zeitpunkt steht fest, dass der Christdemokrat zum dritten Mal als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises 22, zu dem Leichlingen gehört, in den Landtag einzieht.

Doch so recht freuen kann sich der 56-Jährige nicht. Zu niederschmetternd ist das Ergebnis der CDU im Land — von dem sich die CDU im Kreis auch nicht abkoppeln kann. "Heute ist kein guter Tag für uns", sagt Deppe, der am Ende 36,6 Prozent der Erststimmen erhält und den Wahlkreis vor dem Sozialdemokraten Oliver Deiters (33,9) gewinnt. Der SPD-Kandidat, der nicht über die Landesliste abgesichert war, gratuliert Deppe unmittelbar nach dessen Erscheinen.

Foto: Jürgen Moll

In den kommenden Tagen will Deppe den Wahlausgang auswerten und diskutieren. Eine Ursache hatte er aber gestern bereits erkannt: "Wir haben den Wahlkampf in den ersten drei Tagen verloren." Gemeint ist die Diskussion um die Absicht von CDU-Spitzenkandidat Norbert Röttgen, bei einer Niederlage Minister in Berlin zu bleiben.

Richtig gut gelaunt war gestern Abend Oliver Deiters. Der Sozialdemokrat freute sich über das Ergebnis auf Landesebene und über sein persönliches Abschneiden. "Es ist ein sehr guter Tag", sagte Deiters, der sein Ergebnis bei den Erststimmen im Vergleich zur Wahl 2010 noch einmal verbessern konnte. "Ich hätte selbst nicht gedacht, dass ich so nah an Rainer Deppe heranrücken werde", sagte der 41-jährige Odenthaler. In Burscheid und Leichlingen setzte sich Deiters sogar gegen Deppe durch. Der Sozialdemokrat musste viele Hände schütteln, jeder wollte gratulieren.

Gut gelaunt und völlig entspannt sah sich Jürgen Langenbucher, Kandidat der Grünen, die Ergebnisse auf der riesigen Leinwand im Kreishaus an. Der Leichlinger hatte nach eigener Aussage zwar gehofft, das Ergebnis von Harald Wolfert bei der Wahl 2010 (10,3 Prozent bei den Erststimmen) zu halten. Mit dem Ergebnis von 9 Prozent war er aber zufrieden. Nach dem stressigen Wahlkampf freut sich der Grünen-Politiker nun auf den gemeinsamen Urlaub mit der Familie. Mittwoch geht es nach Holland ans Meer.

Erstaunt waren viele Gäste über das Ergebnis der FDP und des Direktkandidaten Christian Lindner. 11,6 Prozent holte der 33-jährige Spitzenkandidat in seinem Heimat-Wahlkreis — obwohl er im Wahlkampf mehr um die Zweitstimme geworben hatte. Der "Lindner-Effekt", auf den die Liberalen im Land gesetzt hatten, hat auch bei den Bürgern im Kreis funktioniert.

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(RP)