Leichlingen: Pflege trifft zu viele unvorbereitet

Leichlingen : Pflege trifft zu viele unvorbereitet

Vor zwei Jahren drängten sich die Interessenten um die Info-Stände – doch als gestern die neue Auflage der Leichlinger Pflegekampagne im Brückerfeld startete, blieben nur wenige stehen. Dabei wäre die Chance groß gewesen, die örtlichen Organisationen zu diesem Thema einmal gemeinsam anzutreffen. Die ambulanten Pflegedienste, die Seniorenzentren, das Fachseminar für Altenpflege, das Ökumenische Hospiz, die Tagespflege aus Burscheid und die Stadt waren alle mit von der Partie.

Im Gespräch mit unserer Zeitung fasste Claudia Wolf, die städtische Senioren- und Pflegeberaterin, die Ergebnisse später zusammen.

Frau Wolf, es war nicht viel los an den Info-Ständen gestern morgen. Das war beim letzten Mal noch ganz anders. Heißt das, das Thema Pflege ist nicht mehr so brisant?

Wolf Das heißt es ganz sicher nicht. Ich glaube eher, dass das schlechte Wetter abgeschreckt hat. Immerhin: Diejenigen, die zu uns kamen, hatten großes Interesse. Über die Beantwortung der ersten Frage ergaben sich meist Ansatzpunkte für eine ausführlichere Beratung, und in mehreren Fällen wurden gleich persönliche Gesprächstermine vereinbart.

Was waren die am meisten gestellten Fragen?

Wolf "Was muss ich tun, wenn ein Angehöriger pflegebedürftig wird?" "An wen kann ich mich wenden?" Das waren die häufigsten Fragen. Was ich interessant fand: Vor allem Leute aus der Nachbarschaft oder dem erweiterten familiären Umfeld eines Pflegebedürftigen haben sich erkundigt.

Aber genau diese Fragen sollten doch schon geklärt sein, wenn ein älterer Mensch mit einer schwerwiegenden Verletzung oder Erkrankung im Krankenhaus oder einer Reha-Einrichtung ist. Was läuft da schief?

Wolf Die Beratungen im Rahmen des Entlassungsmanagement in den Krankenhäusern verlaufen qualitativ unterschiedlich und diese gilt es zu optimieren. Hier würde ich mir u.a. auch wünschen, dass die Sozialdienste der Krankenhäuser noch intensiver mit den kommunalen Beratungsstellen zusammenarbeiten würden, um die Beratung vor Ort schneller und effektiver weiterführen zu können. Gleichwohl muss man ganz nüchtern festhalten: Pflege trifft immer noch viel zu viele Menschen unvorbereitet. Und manchmal hat auch die eigene Einstellung etwas damit zu tun – wir wollen uns ja eigentlich nicht so gerne mit allem beschäftigen, was mit Pflege, Krankheit und Tod zu tun hat. So lange sich das nicht ändert, werden immer wieder Menschen unvorbereitet in die Pflege-Falle tappen.

Aber selbst wenn ich gut informiert bin – angesichts des Notstands bei Pflegekräften bleiben die pflegenden Angehörigen doch immer im Regen stehen . . .

Wolf Das muss nicht sein. Ich gebe Ihnen Recht: Die Rahmenbedingungen für Pflegekräfte gilt es zu verbessern, damit auch die Zahl der qualifizierten Mitarbeiter steigt. Das heißt unter anderem: bessere Bezahlung, gerechtere Arbeitszeiten, verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Aber das heißt nicht, dass an vielen Orten von vielen Menschen nicht hervorragende Arbeit geleistet wird. Auch Leichlingen ist insgesamt gut aufgestellt. Unser Netzwerk Demenz ist so ein Beispiel: Akteure aus verschiedenen Berufsgruppen mit unterschiedlichen Dienstleistungen kümmern sich dort um Demenzerkrankte und ihre Angehörigen, darunter die örtlichen Pflegedienste, das Hospiz, Pflegeheime, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, die städtische Senioren- und Pflegeberaterin und Ärzte. Dieses Netzwerk wird vom Demenz-Service Zentrum Bergisches Land begleitet, welches das Netzwerk und seine Leistungen ausdrücklich lobt . .

Infos Claudia Wolf Tel. 02175 992-250.

(RP)