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Fußball: Umzug: Baumberg im Schockzustand

Fußball : Umzug: Baumberg im Schockzustand

Jürgen Schick, Vorsitzender des gefährdeten Fußball-Oberligisten, hält die Verlegung des Heimrechts nach Wuppertal für einen "Skandal". Auch Trainer Markus Kurth sieht eine "Katastrophe" – und will sich aufs Sportliche konzentrieren.

Jürgen Schick, Vorsitzender des gefährdeten Fußball-Oberligisten, hält die Verlegung des Heimrechts nach Wuppertal für einen "Skandal". Auch Trainer Markus Kurth sieht eine "Katastrophe" — und will sich aufs Sportliche konzentrieren.

 Wer will mit? Der Vorsitzende Jürgen Schick und die Sportfreunde haben das "Heimrecht".
Wer will mit? Der Vorsitzende Jürgen Schick und die Sportfreunde haben das "Heimrecht". Foto: Ralph matzerath (ARCHIV)

Das Entsetzen ist groß, aber den Sportfreunden Baumberg (SFB) bleibt zumindest vorerst keine andere Wahl. Obwohl hektische Tage und zahllose Verhandlungen hinter den Verantwortlichen liegen, wird sich in der Kürze der verbleibenden Zeit nichts mehr an der Lage ändern. Daraus folgt, dass das Heimspiel gegen den einstigen Profi-Klub Wuppertaler SV doch am Sonntag (15 Uhr) über die Bühne geht — und zwar im Wuppertaler Stadion am Zoo. "Das ist ein Skandal", sagt Baumbergs Vorsitzender Jürgen Schick. Weil die Polizei vor dem vergangenen Wochenende für alle in Frage kommenden Szenarien erhebliche Sicherheits-Bedenken geltend gemacht hatte, trug die Partie zunächst das Siegel abgesagt. Womit die Sportfreunde nicht rechneten: Wuppertal beantragte beim Verband Niederrhein (FVN) einen Tausch des Heimrechts. Staffelleiter Clemens Lüning (Essen) stimmte diesem Ansinnen auch zu, sodass sich das Unheil am Montag zu konkretisieren begann. Am Mittwochabend lehnte der FVN dann die Beschwerde der Baumberger gegen den Heimrecht-Tausch ab.

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Das gewohnte MEGA-Stadion an der Sandstraße fiel für die Partie ebenso durch den Rost wie die Bezirkssportanlage Grazer Straße. Die Polizei schätzte das Risiko in Gesprächen mit dem Verein SF Baumberg als zu hoch ein — wegen des zu erwartenden starken Andrangs an Wuppertaler Fans, von denen sie einen Teil als potenziell gewaltbereit einstuft. In Langenfeld und Hilden handelte sich Baumberg auf der Suche nach einem Ausweich-Quartier glatte Absagen ein. Deshalb stand letztlich ein Umzug ins benachbarte Rheinstadion des Landesligisten FC Monheim auf der Lösungs-Liste.

Der Haken: Auf dem Schützenplatz direkt nebenan steht ein Festzelt — für große Karnevalsveranstaltungen am kommenden Wochenende. Die Sportfreunde schlugen eine Verlegung in den April vor, um dann die Partie in der Woche abends über die Bühne zu bringen. Ein früherer Termin (vor April) wäre kaum zu halten gewesen, weil das Rheinstadion nicht über die erforderliche Flutlicht-Anlage verfügt. Baumberg glaubte, alles in seiner Macht Stehende getan zu haben. Doch der Verband entschied anders — und bezog sich dabei letztlich in einer dürren offiziellen Mitteilung auf den § 30, Absatz 4 der Spielordnung: "Kann der Platzverein seinen Platz nicht stellen, so hat er dies unter Angabe der Gründe der zuständigen Spielleitenden Stelle [...] anzuzeigen. In diesem Falle hat die Spielleitende Stelle das Recht, das Spiel auf einem von ihr zu bestimmenden Platz anzusetzen."

Baumberg streitet vehement ab, keinen Platz stellen zu können — und sieht sich in diesem Fall mit der Stadt Monheim in einem Boot. Der Verein erwägt nun ernsthaft, einen Anwalt mit der weiteren Wahrnehmung seiner Interessen zu beauftragen. "Das ist für uns eine klassische Wettbewerbsverzerrung", betont Schick, "auf die kleinen Vereine wird hier überhaupt keine Rücksicht genommen. Wir sind vom Verband sehr enttäuscht. Und mit Fairplay hat das Wuppertaler Verhalten auch nicht viel zu tun." Die Sportfreunde treten dennoch an — unter Protest. Anschließend wollen sie dann die Entwicklung der Verbands-Spruchkammer und dem Verbands-Präsidium vortragen.

Trainer Markus Kurth hat derweil die schwierige Aufgabe, seine mitten im Abstiegskampf steckende Mannschaft trotz aller Unruhe wenigstens halbwegs konzentriert vorzubereiten. "Das halte ich für eine Katastrophe. Ich kann diese Entscheidung überhaupt nicht nachvollziehen. Und natürlich macht es das für uns noch schwieriger", erklärt der Coach, "es ist etwas ganz anderes, in Wuppertal gegen Wuppertal zu spielen. Und es ist etwas ganz anderes, auf Naturrasen als auf Kunstrasen zu spielen." Gemeinsam mit dem Team will er versuchen, das Sportliche in den Vordergrund zu rücken: "Jammern bringt uns nicht weiter. Wir haben als Mannschaft keine andere Möglichkeit, als das jetzt so zu akzeptieren."

Die Lage im Kampf um den Klassenerhalt ist dabei für die Baumberger (18 Punkte) angespannt genug, denn Rang 16 wird am Ende mit einiger Sicherheit den Abstieg bringen. Zur U 23 von Rot-Weiß Essen auf dem wahrscheinlich rettenden Platz 15 fehlen beachtliche acht Zähler. Erschwerend kommt hinzu, dass neben Markus Bryks (Kreuzbandriss) weitere wichtige Kräfte auszufallen drohen. Am stärksten angeschlagen sind Pascal Schmitz und Marcel Löber, während Uwe Brüggemann aus beruflichen Gründen das Training der gesamten Woche verpasst. Unter dem Strich steht Baumberg damit im Kampf um den Klassenerhalt vor einer echten Herkules-Aufgabe.

(RP)