Badminton: Neustart: Fabienne Deprez und der lange Weg zurück

Badminton: Neustart: Fabienne Deprez und der lange Weg zurück

Die Langenfelder Badminton-Nationalspielerin ist nach einer langen Verletzungspause wieder da. Und ihr Traum von Olympia lebt.

Bereits im Kindergartenalter hatte Fabienne Deprez zum ersten Mal einen Badminton-Schläger in ihrer Hand. Es zeigte sich schnell, dass sie auch das entsprechende Talent mitbringt — was sich einfach erklären lässt. Ihre Eltern standen bereits regelmäßig auf dem Feld, allerdings eher als Hobbyspieler. Fabiennes älterer Bruder Maurice ist aktiver Spieler in der zweiten Mannschaft des FC Langenfeld (FCL/Verbandsliga). Da war es kein Wunder, dass auch sie selbst ziemlich frühzeitig zum Schläger griff.

"Eine meiner Stärken ist die gute Antizipation im Spiel", sagt die 21-Jährige, die in zwei Tagen 22 wird, "ich bin vielleicht läuferisch nicht die Schnellste, aber das gleiche ich durch vorausschauendes und instinktives Spiel aus. Außerdem bin ich technisch sehr stark." Ihre Begabungen sieht die gebürtige Langenfelderin, die zum Zweitliga-Team des FCL gehört, auch im frühen Karriere-Start begründet: "Ich bin mit Badminton aufgewachsen und daher trotz meines Alters schon relativ erfahren. Das macht sich im Spiel bemerkbar."

2013 war kein einfaches Jahr für die junge Frau, die seit ihrem 16. Lebensjahr in Mülheim lebt — weil dort der Trainingsstützpunkt des Deutschen Badminton-Verbandes (DBV) für Damen angesiedelt ist. 2011 hat Fabienne Deprez ihr Abitur gebaut, ehe sie sich voll auf ihren Sport und das Training konzentrieren wollte. Das klappte zunächst ganz gut. Im Sommer 2012 erlitt sie dann einen Muskelfaserriss in der linken Wade. Anschließend verschob sich durch folgende Fehl- und Schonhaltungen beim Training ihre "Knie-Bein-Achse". Die Folgen seien ein ausgeleiertes Innenband im Knie und permanente Schmerzen gewesen.

"Ich habe bei der Lauf- und Beinarbeit nicht ausreichend darauf geachtet und Fehler gemacht — vor allem bei den Ausfallschritten", sagt Deprez, "daraus hat sich leider eine langfristige Geschichte entwickelt." Die vereinzelte Teilnahme an internationalen Turnieren rief immer wieder Schmerzen hervor. Aus dem Ligabetrieb hat sie sich dann mehr oder weniger zurückgezogen. Rund ein Jahr lang legte sie den Schläger fast komplett beiseite und widmete sich intensiv dem gezielten Training des Bewegungsapparats. "Noch bin ich nicht ganz auf dem Niveau aus der Zeit vor der Verletzung", meint die Sportsoldatin bei der Bundeswehr, "aber es geht Stück für Stück voran."

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Das galt jetzt auch für die Deutschen Meisterschaften am vergangenen Wochenende in Bielefeld. Deprez, ohne besonders große Erwartungen gestartet, erreichte trotz fehlender Spielpraxis und Trainingsrückstands das Finale, in dem sie sich gegen Karin Schnaase geschlagen geben musste (Lüdinghausen/13:21, 16:21). "Ich konnte endlich wieder schmerzfrei spielen und habe mich von Runde zu Runde gesteigert", sagt die Studentin der Betriebswirtschaftslehre, "das war mein Hauptziel." Dass es zu Silber reichte, sei umso erfreulicher.

In Zukunft will Fabienne Deprez die durch die Verletzungspause verlorenen Plätze in der Weltrangliste wieder aufholen. Anfang 2013, als sie — physisch bereits angeschlagen — die Deutsche Meisterschaft im Damen-Einzel gewann, war sie auf Platz 128 gelistet. Inzwischen ist sie auf Rang 356 abgerutscht. "Ich will vor allem internationale Turniere spielen und in die besten 100 kommen", betont Deprez. "ein ganz großer Traum ist, bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio im deutschen Team dabei zu sein." die Chancen dafür stehen nicht schlecht, denn in Topform zählt Fabienne Deprez sicher zu den besten Badminton-Spielerinnen Deutschlands. Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter sportlicher Weg.

In der nächsten Woche fährt Fabienne Deprez mit der deutschen Nationalmannschaft zur Team-Europameisterschaft nach Basel in der Schweiz (11. bis 16. Februar). "Unser Ziel ist das Viertelfinale", sagt Deprez, "ich bin seit zwei Wochen wieder voll im Training und hoffe einfach, dass mein Knie hält." Dann sei noch vieles möglich in ihrer Karriere, die mit vier Jahren ihren Anfang nahm. Und wer gerade erst 22 Jahre alt wird, ist sowieso lange nicht am Ende seiner Entwicklung angekommen.

(dora)
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